LUZERN: Altstadt verliert weiteres Familienunternehmen

Die Zahl der Fachgeschäfte in der Altstadt nimmt stetig ab. Nach dem Modehaus Kofler schliesst nun auch das Uhrengeschäft Moser. Die letzte Mietzinserhöhung war eine zu viel.

Sandra Monika Ziegler
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Martin Moser muss seine Bijouterie schliessen, die sich seit 1963 an der Hertensteinstrasse befindet. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 7. März 2017))

Martin Moser muss seine Bijouterie schliessen, die sich seit 1963 an der Hertensteinstrasse befindet. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 7. März 2017))

«Eines vorweg», sagt Martin Moser, Inhaber der gleichnamigen Uhren Bijouterie AG an der Hertensteinstrasse in Luzern: «Der Hausbesitzer hat mir gekündigt, weil ich erstmals mit der Miete im Rückstand war. Doch es war Anfang Jahr finanziell eng. Mein Grundsatz ist, zuerst die Angestellten zu bezahlen.»

Er hoffte auf die Kulanz des Vermieters, zumal das Familiengeschäft seit 1963 an dieser Adresse ansässig war und bisher immer pünktlich bezahlt hatte. Besitzer und Mieter kennen sich seit Jahrzehnten. Allein in den letzten 20 Jahren seien Mieten von knapp 3 Millionen Franken geflossen.

Doch wie kam es so weit? «Kurz gesagt: Die Miete war nie tief. Sie wurde immer höher – aktuell 186 000 Franken pro Jahr –, und die Geschäfte liefen schlechter», sagt Moser. Zudem sei es üblich, dass Geschäfte die Miete immer drei Monate im Voraus bezahlen, und das war diesen Januar nicht mehr möglich.

Er habe deshalb die Verwaltung auf den finanziellen Engpass hingewiesen und dem Besitzer schriftlich einen Vorschlag zur Miete unterbreitet. Ohne Erfolg. Erschwerend sei auch, dass sich der Besitzer hinter der Verwaltung verstecke und die Verwaltung hinter dem Besitzer. Die Beziehung zwischen Vermieter und Besitzer habe sich vor Jahren mit dem Wechsel der Verwaltung verschlechtert. Schrittweise sei die Jahresmiete von anfänglich 120 000 auf heute 186 000 Franken gestiegen.

Wenn die Jahresmiete um 10 000 Franken steige, so müsse der Jahresumsatz um 60 000 bis 80 000 Franken steigen, erklärt Moser. Für ihn war deshalb klar, dass er sich bei weiteren Erhöhungen nicht mehr halten kann: «Ich bin bereit, eine ordentliche Miete zu zahlen, doch auch das hat Grenzen.» Hätte er bezahlt, wäre er dann noch dabei? So einfach sei das nicht. Die Miete sei absurd hoch und fordere eine immer höhere Gewinnschwelle. Er habe trotzdem nochmals versucht, das Ruder herumzureissen, und wollte die ausstehenden Mieten nachzahlen. Doch darauf sei der Besitzer nicht eingegangen. Moser vermutet, dass ein Nachfolgemieter bereits auf der Matte steht. «Ein Familienbetrieb wird es bestimmt nicht sein.»

Das Verhalten der Verwaltung bezeichnet Moser als nicht korrekt: «50 Jahre ist unser Familienbetrieb hier eingemietet und hat immer pünktlich bezahlt. Doch kaum bietet sich eine Gelegenheit, wird gekündigt.» Für den Bijoutier ist «das Geschirr zerschlagen» und der emotionale Schaden sehr hoch.

Nun muss er bis Ende März die Lokalität verlassen. Bekommt er einen Aufschub, könnte es noch ein, zwei Monate länger dauern. Trotzdem startet er mit dem Totalausverkauf. Damit verliert die Altstadt einen weiteren Familienbetrieb, Moser und seine Angestellten den Job und die Auszubildenden ihren Ausbildungsort. Dass die Lernenden unterkommen, dafür will Martin Moser noch sorgen. Der Besitzer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch