LUZERN: Am Luzerner Fest sind neue Rezepte gefragt

Analyse zur Situation des Grossanlasses.

Stefan Dähler
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Menschenmassen am Luzerner Fest – viele tragen kein Festabzeichen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 27. Juni 2015))

Menschenmassen am Luzerner Fest – viele tragen kein Festabzeichen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 27. Juni 2015))

«Da werden wieder unsere Steuergelder verpulvert.» Diese Aussage war zwar falsch, man konnte sie am Luzerner Fest während des Feuerwerks trotzdem immer wieder hören. Auch wenn dieses nun gestrichen wird (Ausgabe von gestern), bleibt ein Problem bestehen: Die Bevölkerung weiss zu wenig über die Hintergründe des Anlasses.

Der Gewinn des von Privaten finanzierten Fests wird an gemeinnützige Organisationen im Kanton Luzern gespendet. Damit dieser Betrag möglichst hoch ausfällt, sollten die Besucher Festabzeichen für 10 Franken kaufen. Jedoch sind die Beiträge seit 2011 stark zurückgegangen (siehe Tabelle).

Diesen Trend wollen die Organisatoren nun stoppen. So sollen Abzeichenkäufer mit zusätzlichen Leistungen belohnt werden. Die Verantwort­lichen prüfen, ab 2018 vermehrt Indoor-Programme durchzuführen. Diese könnte man nur mit einem Abzeichen besuchen. Das würde auch die Abhängigkeit vom Wetter verringern. Bei den Organisatoren weniger ein Thema ist, für Getränke oder Speisen einen Extrabatzen für gemeinnützige Zwecke zu verlangen. Dies, weil nicht alle Stände von den Festveranstaltern selbst betrieben werden.

Zusätzliche Leistungen beim Kauf eines Abzeichens gibt ­ es bereits – wenn auch in geringerem Ausmass. So entfällt der Nachtzuschlag in den S-Bahnen, man kann das Bäckerzmorge besuchen, gratis den Schiff-Shuttle über das Seebecken nutzen und erhält Einlass in die Afterpartys. Das hat sich jedoch kaum auf den Verkauf der Abzeichen ausgewirkt. Darum soll der gemeinnützige Charakter des Fests generell stärker ins Zentrum rücken.

Wie man das erreichen kann, lassen die Organisatoren jedoch noch offen. Das dürfte auch nicht einfach werden. Denn das Luzerner Fest hat sich trotz hoher Besucherzahlen noch nicht als eigenständiger Anlass etabliert. Es wird teils immer noch Altstadt- oder Seenachtsfest genannt. Diese Anlässe haben 2009 zum Luzerner Fest fusioniert. Dabei ist weniger etwas Neues, sondern eher eine Mischung aus den bisherigen Anlässen entstanden. Das Luzerner Fest ist nach wie vor auf der Suche nach einer eigenen Identität.

Mit der Abschaffung des Feuerwerks lässt es einen Teil seiner Vergangenheit hinter sich. Es soll zwar beim 10-Jahr-Jubiläum 2018 einen neuen Höhepunkt geben – jedoch in einer anderen Form. Dieser wird weniger teuer oder stärker durch Sponsoren finanziert sein als das Feuerwerk, das mit Kosten von rund 100 000 Franken kaum vereinbar mit dem gemeinnützigen Charakter des Fests war und von diesem abgelenkt hat. Als Folge wird wohl die Zahl der Besucher sinken.

Zugleich soll die Zahl der verkauften Festabzeichen wieder steigen. Ein schwieriges Unterfangen. Schliesslich geht man in erster Linie an ein Fest, um Spass zu haben – grosse Gedanken über den Hintergrund machen sich die wenigsten. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn die gemeinnützigen Organisationen am Anlass präsent wären. Dann würde man ohne grosse Anstrengung sehen, wohin das Geld geht.

Stefan Dähler, stv. Leiter Ressort Stadt/Region

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Bild: Tabelle: Luzerner Zeitung

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