LUZERN: Arbeiten bei 30 Grad – und das mitten im Winter

Täglich besuchen bis zu 300 Gäste das Hallenbad auf der Allmend. Wenn die letzten Schwimmer um 22 Uhr aus dem Wasser steigen, ist die Arbeit für die Bademeister noch lange nicht getan.

Daniel Schriber
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Beat Müller, Leiter Betrieb, reinigt nach Betriebsschluss den Beckenbereich.

Beat Müller, Leiter Betrieb, reinigt nach Betriebsschluss den Beckenbereich.

Donnerstagmorgen, 5 Uhr. Es schneit mal wieder. Und kalt ist es. Eisig kalt. Doch ehe wir dazu kommen, in Gedanken nochmals unter die warme Bettdecke zu kriechen, öffnet sich die Schiebetür des Luzerner Hallenbads auf der Allmend. Bademeisterin Bettina Kuster ist schon da und begrüsst uns mit einem aufgestellten «Guten Morgen!». Strammen Schrittes führt uns die quirlige Baslerin mit den Tätowierungen an den Armen die Treppe hoch ins Bad. Oben angekommen heisst es: Jacke, Pulli, Schuhe weg.

Als wir den Beckenbereich betreten, wähnen wir uns in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort – in der Karibik vielleicht. Läge da nicht dieser latente «Hallenbad»-Geruch in der Luft. Kuster steht am Rand des 25-Meter-Beckens, kurze Shorts, T-Shirt. Es ist wohlig warm, um die 30 Grad. Von irgendwo her ist ein sanftes Plätschern zu vernehmen. Sonst ist es ruhig. «Das ist der schönste Moment des Tages», sagt Kuster, die in ihrer Pause selber gerne einige Runden schwimmt. «Ich liebe diese Stille. Und ja, bei diesen Temperaturen lässt sich der Winter gut ertragen.» Viel Zeit zum Relaxen hat sie jedoch nicht. In einer Stunde öffnet das Bad; die ersten Besucher werden um kurz nach 6 Uhr ihre ersten Runden schwimmen. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun.

Wasserproben aus jedem Becken

Als erstes steht ein Rundgang durch die Technik-Räume auf dem Programm. Sämtliche Gerätschaften – darunter Filterpumpen und Messgeräte, die unter anderem die Temperatur oder die Chlor-Werte des Wassers anzeigen, werden überprüft. Danach eilt Kuster zurück in den Badebereich, um einen Reinigungsroboter aus dem Schwimmbecken zu fischen, der dort über die Nacht seine Runden drehte. Ein Prozedere, das sich täglich wiederholt. «Im grossen Schwimmbecken sammelt sich am meisten Schmutz», erklärt Kuster. Haare, Textilien, Dreck.

Als nächstes schöpft Kuster mit einer Kelle aus jedem Becken etwas Wasser, das sie anschliessend in ihrem Bademeister-Büro auf die Chlor- und PH-Werte überprüft. Die Chemikalien werden in Schwimmbädern zur Desinfektion des Wassers eingesetzt. Die Regel lautet: je mehr Gäste im Wasser, desto höher der Chlor-Anteil. Ins Wasser eingespeist wird die Chemie bei Bedarf per Mausklick vom Büro des Bademeisters aus. Gleich mehrere Bildschirme stehen hier. Auf einem sind Bilder verschiedener Überwachungskameras aus dem ganzen Hallenbad zu sehen. «Die Infrastruktur ist top-modern», sagt Kuster. Nicht zu vergleichen mit dem alten Bad an der Bireggstrasse. Die Bademeisterin erwähnt das moderne Alarmsystem mit den Unterwasserkameras. «Gebraucht wurden diese zum Glück noch nie, aber man weiss ja nie ...»

Frühsportler kennen sich

Mittlerweile ist es 6 Uhr, die Hallenbad-Türen öffnen sich. Und tatsächlich: Sekunden später sind auf dem Schirm der Überwachungskamera mehrere Personen mit Sporttaschen zu erkennen. Drei weitere Minuten verfliegen, ehe die ersten den Badebereich betreten. Manche gemächlich, andere im Laufschritt. Bademeisterin Kuster steht vor ihrem Bürohäuschen und begrüsst jeden Gast mit einem Lächeln, die Frühsportler grüssen ebenso freundlich zurück. «Um diese Zeit kommen immer wieder die gleichen Leute», sagt Kuster. «Man kennt sich eben.»

Um 6.15 Uhr zählen wir ein gutes Dutzend Schwimmer im Wasser, darunter Corinne Bättig aus dem Kuonimatt-Quartier, das ganz in der Nähe der Allmend liegt. Zwei Mal pro Woche kommt die 43-jährige Krienserin hierher, um Frühsport zu betreiben. Im Gegensatz zu den anderen Gästen geht sie es an diesem Morgen jedoch etwas gemütlicher an. Zuerst eine Stunde Aqua-Jogging, anschliessend eine halbe Stunde schwimmen. «Danach habe ich Energie für den ganzen Tag», sagt Jahresabo-Besitzerin Bättig, die selbst im Sommer dem Hallenbad gegenüber dem Freibad den Vorzug gibt.

Wem gehören die Flossen?

Szenenwechsel. Es ist Abend geworden, Bettina Kuster hat sich schon vor Stunden in den verdienten Feierabend verabschiedet. Via Lautsprecher werden um 21.45 Uhr die verbleibenden Gäste dazu aufgefordert, das Bad zu verlassen. Um 22 Uhr ist Schluss – «und daran halten sich die Leute auch», sagt Bademeister Michael Freisager, der an diesem Tag für die Spätschicht eingeteilt ist. Er wird an diesem Abend von Beat Müller, Leiter Betrieb des Hallenbads, unterstützt.

Die Szenerie erinnert nun wieder an den frühen Morgen. Bis auf das Personal ist das Bad menschenleer, Ruhe ist eingekehrt. Neben dem Schwimmbecken liegen zwei Flossen, die ein Gast liegen gelassen hat. «Das passiert täglich», sagt Müller. Taucherbrillen, Flossen, Badetücher – aber auch Jacken, Schmuck und sogar Schuhe lassen die Gäste liegen. Bis zu zwei Monate werden die Fundstücke in einem eigenen Raum im Untergeschoss des Gebäudes aufbewahrt, danach bringen die Hallenbad-Angestellten die Sachen in die Fundgrube, zur Caritas – oder in den nächsten Kehrichteimer.

Jetzt, nach Betriebsschluss, stehen vor allem Reinigungsaufgaben an. Zuerst wird der Boden neben den Becken gewaschen, danach getrocknet. Zweimal pro Woche wird das ganze Bad desinfiziert. «Die Hygiene ist etwas vom Wichtigsten», sagt Freisager. Das gilt nicht nur für den Beckenbereich. Auch die Duschen und die Garderoben werden jede Nacht gereinigt, dazwischen folgen weitere Rundgänge durch die Technikräume. Um Mitternacht endet der Arbeitstag für Müller, Freisager und das übrige Putzpersonal. Draussen wartet der eisige Winter.