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LUZERN: Armbänder statt Kameras in Bädern?

Das Hallenbad Allmend setzt auf Unterwasserkameras, um ertrinkende Personen zu erkennen. Eine Firma aus dem Seetal hat ein alternatives System entwickelt. Doch die hiesigen Badis zögern mit der Anschaffung.
Niels Jost
Morgentraining des Schwimmklubs Luzern im Hallenbad Allmend. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 5. 11. 2015)

Morgentraining des Schwimmklubs Luzern im Hallenbad Allmend. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 5. 11. 2015)

Anfang Oktober ist im Hallenbad Luzern ein vierjähriges Kind ins Lernschwimmbecken gefallen. Der tragische Unfall endete tödlich (wir berichteten). Eigentlich sind im Hallenbad 43 Unterwasserkameras installiert. Sie sollen ertrinkende Personen erkennen und einen Alarm auslösen. Doch im Fall des Vierjährigen funktionierte dieses System nicht, da es ausgeschaltet war.

Eine neue Software aus Norwegen soll nächsten Monat eingebaut werden. Danach müsse das System über drei bis vier Monate an die Gegebenheiten des Bades angepasst werden, heisst es auf Anfrage. Es gäbe aber auch alternative Sicherheitssysteme. So setzt die Firma Deep Blue AG aus Hallwil auf Ultraschall. Dabei werden in einem Becken mindestens zwei Sensoren in den Wänden installiert. Für ein 50-Meter-Becken reiche das bereits aus, um alle Personen, die sich darin befinden, einzeln zu erfassen, sagt Sandra Ciampini, Marketingverantwortliche bei Deep Blue. Die badenden Personen müssen dafür ein Armband tragen, in dem ein Mini-Computer integriert ist. Sobald sich der Träger länger als 10 Sekunden und zugleich tiefer als 60 Zentimeter unter der Wasseroberfläche befindet, wird Alarm ausgelöst.

Zeit und Tiefe sind einstellbar

«Diese Werte können beliebig und individuell eingestellt werden», sagt Ciampini. Für Kleinkinder sei es üblich, den Wert auf 5 Sekunden und 5 Zentimeter zu reduzieren, um sofort Alarm auszulösen. Damit könne das Armband spezifisch aufs Badeverhalten angepasst eingestellt werden.

Je nach Grösse des Hallenbades und Anzahl der Armbandcomputer müsse mit Kosten ab 20 000 Franken gerechnet werden – rund zehnmal weniger als für Unterwasserkameras. «Zudem gibt es keine Fehlalarme», so Ciampini. Weiter können etwa auch das Eintrittsbillett oder Bezahlfunktionen elektronisch auf den Armbandcomputer geladen werden. Laut Ciampini eignen sich die Armbänder für Schulklassen oder für den privaten Gebrauch. So gebe es ab 6000 Franken einen mobilen Koffer, etwa für Schwimmkurse, der Bänder sowie den Sensor mit einer Saughalterung beinhalte. Im Februar komme zudem ein neues Produkt auf den Markt. Wird die kritische Tiefe und Zeit erreicht, steigt aus dem Band ein Ballon an die Wasseroberfläche und erzeugt mittels Sirene einen Alarmton. «Die Aufsichtsperson weiss dann genau, wo sich die ertrinkende Person befindet.» Das System sei auch für die Anwendung in Strandbädern geeignet.

Erst in zwei Schweizer Bädern präsent

Die Seetaler Firma hat die Armbänder, die es seit rund sieben Jahren gibt, auf der ganzen Welt verkauft. In der Schweiz sind aber nur zwei Hallenbäder in Bern und Appenzell Ausserrhoden mit dem sogenannten Blue Fox ausgerüstet. Die beiden Hallenbäder haben damit gute Erfahrungen gemacht und würden sie weiterempfehlen, wie sie auf Anfrage sagen. Die Bänder sind für Klassen oder andere Gruppen obligatorisch, alle andere Gäste können sie freiwillig gratis beziehen. Fehlalarme haben beide Bäder keine zu beklagen.

Auch das Hallenbad Luzern hat beim Neubau 2012 in Erwägung gezogen, das Armbandsystem zu kaufen. Der logistische Aufwand wäre jedoch zu gross gewesen, sagt Geschäftsführer Stefan Schlatter auf Anfrage: «Wir hätten jedem der täglich 400 bis 1400 Badegäste ein Armband abgeben und dieses nach dem Schwimmen wieder einziehen müssen. Das wäre zu viel Arbeit für das Kassenpersonal.» Hinzu komme das regelmässige Aufladen der Akkus. So habe man sich schliesslich für das Kamera­system entschieden.

Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) begrüsst den Einsatz der Arm­bänder. Kommunikationsleiter Philipp Binaghi warnt jedoch: «Technische Systeme können einen Menschen niemals ersetzen.» Deshalb setze die SLRG nach wie vor auf eine gute Ausbildung der Badmeister, Lehrer sowie Privatpersonen. Die SLRG möchte eine flächendeckende Einführung der Sicherheitssysteme nicht forcieren. Binaghi: «Jedes Hallenbad braucht ein individuelles Sicherheitskonzept. Es soll ihnen selber überlassen sein, ob Technik das Konzept sinnvoll ergänzen kann oder nicht.» Gerade für kleine Bäder sei das auch eine Frage der Kosten.

Niels Jost

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