LUZERN: Asafa Powell führt Starparade in Luzern an

Wie jedes Jahr machen einige Stars der internationalen Leichtathletik-Szene am Meeting in Luzern ihre Aufwartung. Der ehemalige 100-m-Weltrekordhalter Asafa Powell aus Jamaika gibt nach einer einjährigen Dopingsperre heute Dienstag sein Comeback.

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Asafa Powell am Montag bei der offiziellen Medienkonferenz. (Bild: Keystone)

Asafa Powell am Montag bei der offiziellen Medienkonferenz. (Bild: Keystone)

OK-Präsident Max Plüss und Athleten-Verpflichter Terry McHugh schafften es einmal mehr, mit dem bescheidenen Budget von 750'000 Franken einige grosse Namen der Szene zu verpflichten. Der Bekannteste heute Abend in Luzern ist Asafa Powell. Der 31-jährige Jamaikaner gibt nach seiner Sperre wegen Dopings, die er vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) erfolgreich angefochten hat, sein Comeback.

«Ich fühle mich wie eine Jungfrau», sagte Powell am Tag vor dem Meeting mit einem Lächeln. Er sei sehr aufgeregt, schliesslich seien die Wettkämpfe das, was er liebe. Powell war vor gut einem Jahr der Gebrauch von Oxilofrin nachgewiesen worden. Nun konnte der ehemalige 100-m-Weltrekordhalter dem CAS glaubhaft machen, dass er das Stimulans durch verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel unwissentlich aufgenommen hat.

Powell ist bereits zum zweiten Mal in Luzern am Start. 2003 war er als Junior in die Zentralschweiz gekommen und hatte die Welt mit seiner damaligen persönlichen Bestzeit von 10,10 Sekunden verblüfft. Seine Erinnerungen an damals sind allerdings nur noch vage. «Ich weiss nicht mehr viel. Eigentlich nur noch, dass ich gegen den Australier Patrick Johnson gelaufen bin.» Seit seinem ersten Start in Luzern ist Powell 90 Mal unter zehn Sekunden gelaufen, 36 Mal unter 9,90 Sekunden, so oft wie kein anderer Mensch. Seinen bislang letzten grossen Auftritt hatte der Staffel-Weltmeister und Staffel-Olympiasieger vor einem Jahr in Lausanne, als er 9,88 m lief.

Eine spannende Affiche verspricht das Rennen über 100 m Hürden der Frauen, bei dem es zum Duell zwischen Brianna Rollins (USA) und Sally Pearson (Au) kommt, den Nummern 4 und 5 der ewigen Bestenliste im Hürdensprint. Sowohl die aktuelle Weltmeisterin Rollins als auch die Olympiasiegerin Pearson haben gute Erinnerungen an Luzern. Rollins startete im letzten Jahr, als sie in Luzern gewann, erstmals überhaupt in Europa, ehe sie ein paar Wochen später an der WM in Moskau triumphierte. Pearson, die sich nach einer Verletzung im Aufbau für die Ende Juli beginnenden Commonwealth Games befindet, war 2008 auf der Allmend gestartet, wo sie mit 12,58 Sekunden einen australischen Rekord aufstellte.

Weitere Stars in Luzern sind die jamaikanische Sprinterin Veronica Campbell-Brown, die siebenfache Olympia- und elffache WM-Medaillengewinnerin, weiter die dreifache Weitsprung-Weltmeisterin Brittney Reese (USA) und die Kugelstösserin Valerie Adams. Die von Jean-Pierre Egger trainierte Neuseeländerin hat mit zwei Olympiasiegen und vier WM-Titeln in ihrer Sportart alles erreicht, was möglich ist. An Motivation fehlt es Adams dennoch nicht. «Ich liebe den Sport und will so lange wie möglich ungeschlagen bleiben», sagt die 29-Jährige, die in Luzern von einem neuseeländischen TV-Team begleitet wird. Seit 51 Wettkämpfen ist Adams ungeschlagen.

OK-Präsident Plüss sprach vom «besten Meeting in der 27-jährigen Geschichte von Spitzenleichtathletik Luzern». Die Athleten kämpfen in ihren Disziplinen um einen Diamanten, bei entsprechender Leistung können sie Ende des Abends zusätzlich an einem Jackpot von 20'000 Franken partizipieren. Das Meeting wird von Eurosport 2 live in 51 Länder übertragen, in der Schweiz berichtet der Sender TV24 von der Allmend. Verhandlungen laufen, dass der Event im nächsten Jahr auch in den USA zu sehen sein wird.

Gute Plattform für Schweizer Athleten

Für die Schweizer Athleten ist das Meeting einen Monat vor der EM in Zürich eine Standortbestimmung oder eine weitere Möglichkeit, die Limite für die Titelkämpfe im eigenen Land doch noch zu schaffen. Angeführt werden die Athleten von Swiss Athletics von Nicole Büchler und Mujinga Kambundji. Auch Irene Pusterla (Weit), Lisa Urech (100 m Hürden) und Marisa Lavanchy (100 m/200 m) sind unter anderen am Start.

Büchler ist Stammgast in Luzern, wo sie im vergangenen Jahr mit 4,61 m Schweizer Rekord aufstellte. Die Formkurve der 30-jährigen Bernerin zeigt aufwärts. Nachdem sie sich vor wenigen Wochen von ihrem deutschen Trainer Herbert Czingon getrennt hatte, sprang sie zuletzt in Olten (4,55 m) und Rottach-Egern (4,53 m) stark. Mit der Olympiasiegerin Jennifer Suhr aus den USA trifft Büchler heute auf starke Konkurrenz. Die 32-jährige Amerikanerin ist mit 4,71 m die aktuelle Nummer 2 im Jahresranking. Die frühere Basketballerin ist die Weltrekordhalterin in der Halle. Im März 2013 hatte sie in Albuquerque mit 5,02 m Jelena Isinbajewa abgelöst.

In blendender Verfassung ist die schnellste Schweizer Sprinterin Mujinga Kambundji. Die 22-jährige Bernerin verbesserte vor einem Monat in Genf mit 11,33 Sekunden den 13 Jahre alten Schweizer Rekord von Mireille Donders, ehe sie in Lausanne mit 11,34 Sekunden diese Leistung bestätigte. «Es liegt noch mehr drin. Das Ziel ist es, den Rekord in Luzern noch einmal zu verbessern», so Kambundji.

Auf der Allmend trifft Kambundji über 100 m auch auf Michelle-Lee Ahye aus Trinidad und Tobago. Die 22-Jährige, die in Houston lebt, ist im Sprint die Aufsteigerin dieser Saison. 2014 lief sie erstmals überhaupt in ihrer Karriere unter elf Sekunden, vor drei Wochen in ihrer Heimatstadt Port of Spain stellte Ahye die aktuelle Jahresweltbestzeit von 10,85 Sekunden auf.

Hinweis: Luzernerzeitung.ch berichtet ab 19.15 Uhr vom Leichtathletik-Meeting auf der Allmend.

Der Zeitplan

Nationales Programm ab 16.24 Uhr. - Internationales Programm. 19.13 Uhr: 800 m Männer. - 19.24 Uhr: 100 m Männer. - 19.43 Uhr: Speer Frauen. - 19.48 Uhr: 100 m Frauen. - 20.04 Uhr: 100 m Hürden Frauen. - 20.17 Uhr: Kugel Frauen. - 20.22 Uhr: 110 m Hürden Männer. - 20.40 Uhr: 200 m Männer, B-Serie. - 20.45 Uhr: Weit Frauen. - 20.50 Uhr: 200 m Männer, A-Serie. - 20.58 Uhr: 200 m Frauen. - 21.01 Uhr: Speer Männer. - 21.07 Uhr: 3000 m Steeple Männer. - 21.24 Uhr: 400 m Hürden Frauen. - 21.34 Uhr: 400 m Hürden Männer. - 21.37 Uhr: Kugel Männer. - 21.42 Uhr: 5000 m Frauen.

Sperren von Powell verkürzt

Die 18-monatigen Sperren der jamaikanischen Sprinter Asafa Powell und Sherone Simpson wurden auf sechs Monate verringert, wie der Internationale Sportgerichtshof (CAS) am Montag bekannt gab. Eine Begründung für die Reduktion der Sperre werde in den nächsten Wochen erfolgen.

Powell und Simpson waren im Juni 2013 bei den nationalen Meisterschaften positiv auf das Stimulanzium Oxilofrin getestet und anschliessend vom jamaikanischen Leichtathletikverband für eineinhalb Jahre gesperrt worden. Beide legten vor dem CAS Berufung ein und hatten damit zumindest teilweise Erfolg.

Das Interview mit Asafa Powell lesen Sie<br /> am 15. Juli in der Neuen LZ und im E-Paper.

Christian Finkbeiner (Si), Luzern