LUZERN: Asiatischer Schädling wütet erneut in Luzern

Der Buchsbaum­zünsler ist wieder da und zerstört derzeit ganze Hecken. Bekämpft wird er oft mit einem Bienengift – Experten warnen.

Christian Hodel
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Fritz Bächle, Baumsachverständiger der Stadt Luzern, zeigt eine Raupe des Buchsbaumzünslers. Das Bild entstand am Freitag in der Überbauung Hochrüti in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Fritz Bächle, Baumsachverständiger der Stadt Luzern, zeigt eine Raupe des Buchsbaumzünslers. Das Bild entstand am Freitag in der Überbauung Hochrüti in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Im Jahr 2007 ist der gefrässige Schädling in der Schweiz erstmals gesichtet worden – in Basel. Seither hat er sich rasant ausgebreitet und tritt jetzt erstmals flächendeckend in der ganzen Schweiz auf. Auch im Kanton Luzern wütet der Schädling und vernichtet derzeit innert weniger Tage ganze Hecken.

Die bis zu fünf Zentimeter lange Raupe des aus Ostasien stammenden Buchsbaumzünslers befällt Buchsbäume. Sie frisst die Blätter, was zum Absterben der Bäume führt. Eine einzelne Raupe verzehrt bis zu 40 Blätter täglich.

Stadt spritzt gezielt

Bei der Stadtgärtnerei von Luzern gehen im Moment täglich Meldungen wegen des Schädlings ein, wie Fritz Bächle, Baumsachverständiger der Stadt Luzern, sagt. Dies, obwohl der Zünsler nicht ein meldepflichtiger Schädling ist. Die Stadt kontrolliere die von der Bevölkerung erwähnten Standorte im öffentlichen Raum und wende auch Insektizide an, sagt Bächle. «Wir wollen aber keinen chemischen Rundumschlag machen. Wir spritzen gezielt einzelne Anlagen.» Gespritzt werde vor allem in Parkanlagen, bei historischen Gebäuden oder beim Friedhof Friedental.

Die Stadt ist aber längst kein Einzelfall. Im ganzen Kanton ist der Schädling in den letzten Wochen entdeckt worden, wie Heinrich Hebeisen, zuständig für den Pflanzenschutz bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, auf Anfrage erklärt. Vor allem aus den Seegemeinden rund um Luzern seien bei ihm Meldungen eingegangen.

Bundesamt warnt

Laut Geri Fischer, Geschäftsleiter der Fischer Gartenbau GmbH in Buchrain, können lediglich die Raupen des Schädlings bekämpft werden. «Vorbeugend zu spritzen bringt gar nichts. Im Gegenteil, das fördert nur die Resistenz», sagt er. Zwei bis vier Generationen des Buchsbaumzünslers wachsen pro Jahr heran. «In Buchrain ist die Situation derzeit ganz schlimm», sagt Fischer. Die Raupen würden sich regelrecht durch die Buchsbäume fressen. Für Fischer sind die Schädlinge aber nur ein Aspekt des Problems, der andere sei der Umgang damit, sagt er. «Die Leute wollen etwas gegen die Raupen unternehmen und spritzen das handelsübliche und weitverbreitete Insektizid Kendo der Firma Maag-Syngenta.» Das Problem: Kendo sei ein Bienengift und töte die für die Natur wichtigen Tiere. Das Bundesamt für Landwirtschaft stuft das Mittel als «umweltgefährdend» und «gesundheitsschädigend» ein.

Auch Hebeisen vom Kanton mahnt vor dem Einsatz von chemischen Insektiziden. «Grundsätzlich empfehle ich bei starkem Befall biologische Mittel auf junge bis rund zwei Zentimeter grosse Larven anzuwenden», sagt er.

Biologische Mittel anwenden

Solche Mittel werden auch von den Mitarbeitern der Stadtgärtnerei benützt. Ein solches Insektizid ist etwa das «Delfin». Es stammt von der Firma Andermatt Biogarten aus Grossdietwil und basiert auf einem Bakterium, das über die Nahrung aufgenommen wird und sich erst im Körper der Raupe zu einem toxischen Stoff wandelt. «Sollte sich dennoch jemand für ein chemisches Mittel entscheiden, etwa für Kendo, darf das Insektizid auf keinen Fall in den Wasserkreislauf gelangen, sagt Hebeisen. «Das sind umweltschädliche Holzhammermittel.» Die Geräte zum Spritzen sollen nicht im Lavabo ausgewaschen werden, da das Gift über die Kläranlage in Bäche gelangen kann und den Tieren schadet. Kendo etwa darf nur ausserhalb des Bienenfluges, also abends, frühmorgens oder an kühlen Tagen mit Hecken in Kontakt kommen.