LUZERN: Asylzentrum Eichwald: Projekt gestoppt

Im nächsten Jahr hätte das Asylzentrum Eichwald eröffnen sollen. Doch jetzt sucht der Kanton einen neuen Standort. Dieser soll billiger und weniger umstritten sein.

Drucken
Teilen
Auf dem Areal Eichwald bei der Luzerner Allmend war ein Asylzentrum mit 120 Plätzen geplant (Archibild) (Bild: Pius Amrein)

Auf dem Areal Eichwald bei der Luzerner Allmend war ein Asylzentrum mit 120 Plätzen geplant (Archibild) (Bild: Pius Amrein)

Robert Knobel

Der Kanton Luzern will im Eichwald, in der Nähe der Luzerner Allmend, ein Asylzentrum bauen. 5,7 Millionen Franken soll dieses kosten, 120 Personen sollen darin Platz haben. Der Bau sollte noch in diesem Jahr beginnen, ein entsprechender Antrag der Regierung an den Kantonsrat liegt vor. Eigentlich hätte das Parlament im vergangenen Dezember über den Baukredit befinden sollen. Doch das Geschäft wurde bis auf weiteres aufgeschoben.

Offenbar will man in Sachen Asylzentrum nochmals grundsätzlich über die Bücher. So wird bereits nach einem neuen Standort gesucht. Das erstaunt, ist doch das Asylzentrum Eichwald schon seit langem in der Asylstrategie des Kantons eingeplant. Es soll das provisorische Zentrum Hirschpark beim Kantonsspital in Luzern ablösen, das 2017 geschlossen wird.

Widerstand im Quartier

Doch nun haben sich offenbar neue Möglichkeiten mit bereits bestehenden Gebäuden ergeben. Welche alternativen Objekte der Kanton genau im Visier hat, darüber ist beim Sozialdepartement keine Auskunft zu erhalten. Der kantonale Asylkoordinator Ruedi Fahrni sagt aber: «Wenn wir eine Alternative finden, wäre das für uns eine gangbare Option.» Die Umnutzung von bestehenden Gebäuden, wie jüngst beim Hirschpark, kommt nämlich wesentlich günstiger als ein Neubau. Kommt hinzu, dass der Neubau im Eichwald nur während 10 bis maximal 20 Jahren betrieben werden könnte. Klar scheint gleichzeitig, dass eine Verlängerung des Betriebs des provisorischen Asylzentrums Hirschpark keine Option ist. Dieses soll wie geplant im Mai 2017 geschlossen werden.

Neben den Kosten hat wohl auch der Widerstand im Quartier dazu beigetragen, dass der Kanton nochmals über die Bücher geht. An der Eichwaldstrasse haben mehrere Anwaltskanzleien, Treuhandbüros sowie andere Firmen ihren Sitz. Auch der Luzerner Gewerbeverband ist dort zu Hause. Gaudenz Zemp, Direktor des Gewerbeverbands, ärgert sich über die Asylpläne: «Wir haben viele Kundenbesuche bei unserer Tochterfirma, der Gewerbetreuhand Luzern. Ein Asylzentrum wäre da sicher nicht günstig.» Zemp betont, dass der Gewerbeverband nicht grundsätzlich gegen Asylzentren sei. Er stellt aber den Standort in Frage. «Das Areal liegt an bester Lage zwischen Autobahn, S-Bahn und Allmend. Da gäbe es Nutzungen, die für die Stadt viel lukrativer wären. Wir haben sogar selber unser Kaufinteresse angemeldet.»

Das Grundstück des geplanten Asylzentrums gehört der Stadt Luzern. Diese hat mit dem Kanton bereits einen Baurechtsvertrag abgeschlossen. Gäbe es an der Eichwaldstrasse für die Stadt nicht wertschöpfungsintensivere Nutzungen als ein Asylzentrum? Die städtische Baudirektorin Manuela Jost gibt zu bedenken, dass das Grundstück als Freihaltefläche für den Südzubringer reserviert sei. «Deshalb darf es nicht bebaut werden, es sei denn, es handle sich um eine Zwischennutzung. Als solche würde auch ein zeitlich limitiertes Asylzentrum gelten.» Eine langfristige Ansiedlung etwa von Firmen ist im Moment nicht möglich.

Wie es nun in Sachen Eichwald weitergeht und bis wann der Kanton auch mit Hilfe der Stadt – eine Alternative gefunden haben will, ist unklar. Der städtische Sozialdirektor Martin Merki sagt: «Die Stadt Luzern hat schon im Sommer intensiv nach möglichen Standorten für ein Asylzentrum gesucht.»

Zentrum Grosshof: Klage abgelehnt

Etwas Luft erhält der Kanton durch das jüngste Urteil des Kantonsgerichts. Wie Radio Pilatus berichtete, hat dieses die Klage gegen das geplante Asylzentrum Grosshof in Kriens abgelehnt. Der Bau des Zentrums, das ganz in der Nähe des Eichwalds zu stehen kommt, kann nun doch schon in diesem Jahr begonnen werden. Damit werden auch die rund 90 Asylplätze im Grosshof früher zur Verfügung stehen.