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LUZERN: Auf Arztvisite mit dem Tablet

Computer statt Papier: Das Luzerner Kantonsspital investiert gut 65 Millionen Franken in ein neues Klinikinformationssystem. Dieses verändert auch den Kontakt mit den Patienten.
Roseline Troxler
Balthasar Hug, Chefarzt Innere Medizin, und Pflegeexpertin Cornelia Küttel auf Patientenvisite nach neuer Manier. Im Herbst 2019 stellt das Luzerner Kantonsspital auf elektronische Patientendossiers um. (Bild: Pius Amrein (20. April 2018))

Balthasar Hug, Chefarzt Innere Medizin, und Pflegeexpertin Cornelia Küttel auf Patientenvisite nach neuer Manier. Im Herbst 2019 stellt das Luzerner Kantonsspital auf elektronische Patientendossiers um. (Bild: Pius Amrein (20. April 2018))

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Freitagnachmittag, Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals (Luks). Junge Mütter fahren ihre Neugeborenen spazieren, Besucher bringen frische Blumen, Hochschwangere nehmen einen Kontrolltermin wahr. Es herrscht viel Betrieb. Mitten auf dem Flur demonstrieren Balthasar Hug, Chefarzt Innere Medizin, und Pflegeexpertin Cornelia Küttel für den Fotografen, wie die Arztvisite im Luzerner Kantonsspital ab Herbst 2019 aussehen wird. Ärzte und Pflegefachpersonen sind mit Tablets unterwegs, können damit direkt aktuellste Laborergebnisse abrufen oder dem Patienten im Zimmer ein Röntgenbild erklären. Ordner mit Akten sind dann passé.

«Wie halte ich das Tablet am besten, damit es nicht blendet?», fragt Balthasar Hug und kippt das Tablett so, dass seine Kollegin Cornelia Küttel auch einen Blick darauf werfen kann. Gleichzeitig will sie von Hug wissen, ob die Ärzte dem Patienten die Behandlungsschritte künftig direkt am Tablet aufzeigen oder an einem anderen Bildschirm. Fragen für die praktische Umsetzung im Spitalalltag gibt es noch einige.

Neues System wird im Herbst 2019 eingeführt

Doch im Hintergrund tut sich vieles. Im Herbst 2019 führt das Luks ein neues Klinikinformationssystem ein. Kosten: 65,8 Millionen Franken für die Software und den Unterhalt während acht Jahren. «Es handelt sich um das bisher grösste Informatikprojekt am Luks», sagt Xaver Vonlanthen, Projektleiter von LUKiS, wie das neue System genannt wird. Die Vergabe hatte für Kritik gesorgt. Denn das Luks hat sich für das mit Abstand teuerste Angebot entschieden. Dieses erfülle die ausgeschriebenen Kriterien am besten, hiess es. Unterlegene Anbieter hatten Beschwerde eingereicht, sind aber vor Gericht abgeblitzt (wir berichteten).

Vonlanthen ist vom Anbieter Epic überzeugt, der im US-Bundesstaat Wisconsin beheimatet ist. «Epic ist Marktführer und hat das System bereits bei mehr als 1000 Kliniken eingeführt», betont der Projektleiter. Allerdings ist das Luks das erste Spital im deutschsprachigen Raum, welches auf diesen Anbieter setzt.

Dass Ärzte und Pflegefachpersonen in naher Zukunft mit Tablets oder Laptops auf Visite gehen, ist nur ein Aspekt des neuen Systems. «Die ganze Dokumentation des Patienten wird künftig rein elektronisch geführt – von Röntgenbildern über Blutdruckdaten bis zu Berichten», sagt Vonlanthen. Das vereinfache die Zusammenarbeit und sei wichtig für schnelle und richtige Entscheidungen. «Unser Ziel ist es, dass wir in wenigen Jahren ein papierloses Spital sind. Schweizer Spitäler haben bei der Digitalisierung im Vergleich zum Ausland Nachholbedarf», führt der Projektleiter aus. Das Luks übernehme mit dem neuen System nun eine Vorreiterrolle. Ist dies nicht ein Risiko für das grösste Zentralschweizer Spital? «Wenn man sich in einer neuen Landschaft bewegt, gibt es immer gewisse Risiken», sagt er, unterstreicht jedoch: «Wir minimieren diese, indem wir auf ein erprobtes System setzen und unsere Mitarbeiter gut ausbilden.»

«Ärzte sind nicht mehr einzige Wissensträger»

Balthasar Hug vertritt beim Projekt die Ärzteschaft und sagt: «Das neue Klinikinformationssystem bedeutet für die Ärzte einen Paradigmawechsel. Wir sind nicht mehr die einzigen Wissensträger.» Künftig sollen Patienten mittels eines Patientenportals Zugriff auf all ihre Daten haben, welche am Luks gespeichert sind. «Wir stellen fest, dass Patienten gerne mehr Daten hätten und diese schneller verfügbar sein müssen.» Hug betont allerdings: «Gemeinsam mit den Hausärzten lassen wir unsere Patienten auch künftig mit einer Diagnose nicht allein.» Das Spital ist momentan mit Zuweisern und der Ärztegesellschaft in Kontakt, um die bestehende Hausarzt- und Zuweiserkommunikation abzulösen.

Die Frage, ob Patienten überhaupt das Bedürfnis nach mehr Daten haben, bejaht Hug sofort: «In Dänemark, wo das gleiche System im Einsatzist und das Patientenportal genutzt wird, war das Interesse nicht nur bei jüngeren Generationen viel grösser als erwartet.» Den Hauptvorteil im neuen System sieht er in der Erhöhung der Transparenz. Die Patienten können laut Luks aber selber bestimmen, ob sie einen Zugang zum Portal haben möchten.

Elektronische Daten könnten Hacker anziehen

Sind mehr Daten elektronisch verfügbar, könnte dies aber auch Hacker anziehen. Vonlanthen: «Im Rahmen der Digitalisierung gewinnt Cybersecurity immer mehr an Wichtigkeit – unabhängig in welcher Branche. Auch am Luks wird in diesem Bereich weiter ausgebaut.» Das Luks sei gewappnet, damit auch bei einem Ausfall des Systems weitergearbeitet werden kann.

Derzeit werden die Inhalte des neuen Klinikinformationssystems gemeinsam mit Epic-Mitarbeitern aufgesetzt. Ab dem Spätherbst wird das System dann auf Herz und Nieren geprüft, bevor es in den Alltag übernommen wird.

Hinweis

Mehr Informationen zum Klinikinformationssystem finden Sie unter www.luks.ch/lukis

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