LUZERN: Auf dem Weg zum Einsatz lauern Radarfallen

Immer mehr Tempo-30-Zonen entstehen in der Stadt. Für die Feuerwehrleute ist das eine Herausforderung – wie der Kommandant vor grünen Politikern betont.

Pascal Imbach
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Radarkästen bereiten der Feuerwehr der Stadt Luzern Mühe (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Radarkästen bereiten der Feuerwehr der Stadt Luzern Mühe (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Wenn es brennt, zählt jede Minute. Niemand weiss das besser als die vielen freiwilligen Feuerwehrleute, die zum Einsatz gerufen werden, wenns irgendwo brenzlig wird. Geht bei ihnen zu Hause der Alarm ein, setzen sie alles daran, möglichst schnell im Feuerwehrdepot zu sein. Dort sind die Löschfahrzeuge und das ganze Equipment stationiert. Auch erfahrene Feuerwehrleute stehen bei jedem Einsatz unter Adrenalin – schliesslich weiss man auch nach Jahren nie so recht, was einen erwartet, bevor man am Einsatzort eintrifft.

Der Weg zum Feuerwehrdepot kann für die freiwilligen Helfer aber ein unangenehmes Nachspiel haben. Denn je nachdem, aus welchem Quartier man ins Depot eilen muss, hat man in der Stadt diverse Tempo-30-Zonen zu durchfahren. Da ist es schnell passiert, dass man in der Hitze des Gefechts den Tacho aus den Augen verliert. «Da braucht es viel Disziplin», sagt Theo Honermann auf Anfrage. Als Kommandant der Luzerner Feuerwehr weiss er, wovon er spricht. Und selbstverständlich weiss er auch, dass es die Politikerinnen und Politiker sind, welche punkto Verkehr in der Stadt den Ton angeben. Honermann packte deshalb vor kurzem die Chance, als die städtischen Grünen im Feuerwehrdepot ihre Fraktionssitzung abhielten: In einer kurzen Ansprache zeigte er das Spannungsfeld auf, in welchem sich die Feuerwehrleute befinden – und sprach dabei bewusst über die Tempo-30-Zonen, von denen es immer mehr gibt. «Auf der einen Seite sprechen Politiker gern von verkehrsberuhigenden Massnahmen oder sicherheitsrelevanten Aspekten. Das ist natürlich nachvollziehbar», sagt er. «Auf der anderen Seite aber ist ihnen kaum bewusst, dass jede Medaille auch eine Kehrseite hat.» Was er damit meint, ist klar: Fährt ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau bei einem Alarm möglichst schnell ins Depot, um unter Umständen Menschenleben zu retten, hat es einen fahlen Beigeschmack, dass er im Nachhinein noch dafür zahlen muss, wenn er in einer Tempo-30-Zone geblitzt wird.

Nur bei Alarmfahrten geschützt

Wie oft seine Leute schon solche Bussen erhalten haben, weiss Honermann nicht genau. Denn bei der Feuerwehr gilt die Regel: Wer im Privatauto auf dem Weg ins Depot gebüsst wird, der hat die Rechnung selber zu zahlen. Anders sieht es während des Einsatzes aus: Missachtet ein Feuerwehrfahrzeug ein Rotlicht, einen Vortritt oder eine Sicherheitslinie, dann geht die Rechnung dafür an die Feuerwehr.

In diesem Fall gibt es zwei Szenarien: «Wenn die Fahrzeuge mit Lichtsignal und/oder Martinshorn in dringender Einsatzfahrt unterwegs waren, dann wird die Busse rückwirkend hinfällig», so Honermann. Da gibt es ein standardisiertes Verfahren, in dem man schriftlich nachzuweisen hat, dass das Fahrzeug sich zur Zeit der Kontrolle im dringenden Einsatz befunden hat. So etwas kommt regelmässig vor – «natürlich nicht, weil Polizisten Einsatzfahrzeuge büssen, aber Blitzkästen oder Ampelkameras können halt nicht zwischen normalen Autos und Einsatzfahrzeugen unterscheiden.» Ist ein Feuerwehrfahrzeug jedoch ohne Sondersignale unterwegs und missachtet die Verkehrsregeln, haftet in aller Regel der Fahrer. Einen «Schutz» vor Busse gibt es in diesem Fall nicht.

Honermann versteht den Ärger, wenn einer seiner Leute auf dem Weg zum Einsatz im Privatauto gebüsst wird. Trotzdem lehnt er es ab, dass solche Bussen von der Feuerwehr übernommen werden. «Das wäre ein falsches Signal», findet Honermann. «Denn das würde womöglich dazu verleiten, bewusst zu schnell zum Feuerwehrdepot zu fahren – und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer gefährden und Unfallrisiken erhöhen. Zudem wäre es eine Missachtung der Gesetzgebung.» Honermann hält darum fest: «Auch für die Feuerwehr gilt: Die Sicherheit der eigenen Leute und Drittpersonen – also auch von Fussgängern und anderen Verkehrsteilnehmern – geht immer vor.»

Ausnahmen sind möglich

Die grünen Politiker hätten seine Ausführungen – auch die kritischen Anmerkungen zu Tempo 30 – «interessiert» zur Kenntnis genommen, sagt Honermann. «Aber natürlich ist uns bewusst, dass sie nur wegen der Feuerwehr nicht auf weitere Tempo-30-Zonen verzichten werden.» Sein Ziel sei es gewesen, zu sensibilisieren. Beispielsweise für zeitliche Einschränkungen. Honermann nämlich glaubt, dass an gewissen Orten eine Zwischenlösung sinnvoll wäre. «Tempo 30 macht tagsüber vielerorts Sinn, gerade in Gebieten, wo viele Kinder unterwegs sind», erklärt er. «Nachts aber ist es bisweilen schon befremdlich, wenn man zu einem Brandeinsatz eilt und dann mit Tempo 30 durch völlig menschenleere Strassen fahren muss. Hier würde eine zeitliche Lockerung von Tempo 30 Sinn machen.»

Ob die Feuerwehr dafür je Gehör finden wird, ist fraglich. Die Feuerwehr macht sich deshalb auch Gedanken zu weiteren, dezentralisierten Standorten für das Einrücken im Alarmfall. Fest steht: In Ausnahmefällen können Feuerwehrleute auf die Unterstützung des Kommandanten zählen. Honermann erzählt dazu eine Anekdote: «Es gab den Fall, als einer unserer Leute am Ende eines Einsatzes eine Frau mit psychischen Problemen ins Spital fuhr. Eine Ausnahmesituation. Er fuhr ohne Sondersignale zu schnell durch eine 30er-Zone und wurde prompt gebüsst. Dank ihm konnte der Frau schnell geholfen werden. Ihm haben wir die Busse dann bezahlt.»