LUZERN: Auf seinem Bass werden Welthits gespielt

Seit Peter Scott zum ersten Mal Level 42 hörte, ist er ein Fan. Er begann Bass zu spielen und später welche zu bauen – sogar für sein Idol.

Roger Rüegger
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Bassbauer Peter Scott (46) bei der Arbeit in seiner Werkstatt an der Baselstrasse. (Bild Corinne Glanzmann)

Bassbauer Peter Scott (46) bei der Arbeit in seiner Werkstatt an der Baselstrasse. (Bild Corinne Glanzmann)

In der Werkstatt von Peter Scott (46) schwebt der Duft von Lack, Holz und Leim in der Luft. Wie in jeder Schreinerei sind auf den Tischen und am Boden Werkstücke deponiert. Die verleimten Holzschichten sind mit Schraubzwingen zusammengepresst. In seiner Bude an der Baselstrasse in Luzern jedoch stellt Scott anstelle von Schubladen oder Kommoden Gitarrenkörper oder präzise Basskörper aus edlen Holzarten her. «Das richtige Holz ist für einen Instrumentenbauer wie Gold. Ich bin immer auf der Suche danach.»

Bässe nach Wunsch

Der gebürtige Engländer baut seit 20 Jahren Instrumente. Die meisten nach Kundenwunsch. Er fertigt aber auch eigene Modelle an. Etwa die «Mark King Deluxe» oder die «Scott six string Merlin Deluxe». In seinem Showroom springt ein Instrument mit acht Saiten und Midi-Anschluss ins Auge. Scott greift sich den Bass und erklärt ausführlich die technischen Eigenschaften.

Ausser den Metallteilen stellt er alles selber her. Auch die Elektronik. «Tonabnehmer produziere ich seit 10 Jahren. Ich hatte eine exakte Vorstellung eines Sounds, doch ich wurde nicht fündig auf dem Markt», erzählt Scott, der eine Hochbauzeichner-Lehre in einer Zimmerei absolvierte. Nach zähem Start mit viel Tüftelei sind Scott-Tonabnehmer und die Bässe als Ganzes heute auf qualitativ hohem Niveau. Deshalb sind sie auch nicht ganz billig. Für einen Scott-Bass muss man 2600 Franken und mehr hinlegen. Aber: «Man hört den Unterschied. Bei mir darf jeder mit seinem Bass vorbeikommen und sich persönlich überzeugen, welcher Sound der bessere ist», so Scott selbstsicher.

Instrumentenbauer auf Jobsuche

Während er seine Erlebnisse schildert, betritt ein Bursche aus Deutschland die Werkstatt. Er sei Instrumentenbauer und suche Arbeit. Die Männer unterhalten sich eine Weile. Scott bietet ihm zwar keine Stelle an, aber er gibt dem Handwerker einige Adressen, wo er sein Glück versuchen kann. Scott eignete sich fast alle Kenntnisse mittels Fachbücher über E-Gitarrenbau selber an. Er begann zu basteln. Die Feinheiten lernte er 1992 in einem Praktikum bei Rolf Spuler in Winterthur. «Rolf hat mir die Bundierung beigebracht, die das A und O beim Gitarrenbau ist.» Scott macht auch Service- und Reparaturarbeiten für E-Gitarren und E-Bässe.

Cello gegen Bass getauscht

Abermals greift er sich einen Bass und spielt einige Passagen des Level-42-Hits «Lessons In Love», deren Bass-Riffs wohl zu den bekanntesten überhaupt zählen. Durch einen anderen Song der Britischen Pop-Band ist Scott zum Bassisten geworden. «Ich hörte als Teenager jeweils die englische Hitparade auf Radio Luxemburg. Das Stück ‹The Sun Goes Down – Living It Up› hat mich extrem beeinflusst. Insbesondere das Bassspiel von Mark King.»

Mit sechs nahm Scott bei seiner Stiefmutter Bettina Cello-Unterricht. Als Teenager stellte er das Cello nach einem Streit mit dem Musiklehrer in eine Ecke und wechselte 1984 zum Bass. Sehr zum Verdruss seines Vaters, der in den 1930er-Jahren Flötist bei der Grenadier Guards Band im Buckingham Palace und im London Symphony Orchestra war. «Daddy schmiss mich praktisch aus der Wohnung. So arbeitete ich tagsüber als Lehrling und nachts in einem Hochregallager. Ich wohnte in einem Dachzimmer für 150 Franken und musste die Kosten selber bezahlen.» Zu dieser Zeit nahm er Unterricht auf einem Semi-Akustik-Bass, den ihm ein Kumpel geschenkt hatte, und er gründete seine erste Band. Nun baute Scott seinen ersten E-Bass für sich. «Ich hatte kein Geld und brauchte ein Instrument.»

Umzug nach London – Desaster

Einige Jahre später, nach seinem Praktikum, begann er auf professionellem Niveau Gitarren zu bauen. Damit legte er den Grundstein für seinen Beruf. 1997 zog er nach London und verkaufte seinen ersten Bass an Phil «Soul» Sewell, der damals Bassist bei Keziah Jones war und heute bei der Band Patrice spielt. «Ich ging in eine Musikbar und drückte dem Bassisten der Band in der Pause meinen Bass in die Hand. Dieser spielte tatsächlich das zweite Set damit», erzählt Scott noch sichtlich begeistert. Danach habe ihm Sewell den Bass abgekauft. Heute besitzt dieser zwei Scott-Bässe. Der Kontakt hielt bis heute: Ein Youtube-Video von Scott aus dem Jahr 2010, auf dem er selber eines seiner Instrumente spielt, kommentierte «Soul»: «Sounding better and better over the years...!! Many thanks Pete, you are a true genius ...»

Diesem ersten Erfolg folgte ein Tiefschlag. Scotts Werkstatt in London wurde von Dieben ausgeräumt. Sämtliche Maschinen und Werkzeuge, die er von seinem Vater geerbt hatte, waren weg. «Leider war ich nicht versichert, somit stand ich an dem Punkt, an dem ich begonnen hatte. Ich brauchte fünf Jahre, bis ich mich erholt hatte.» So kehrte er zurück in die Schweiz, arbeitete am Opernhaus Zürich, dann am Luzerner Theater, ehe er sich 2007 in Luzern erneut selbstständig machte.

Unbezahlbares Ereignis

Der Gitarren-Markt sei ein hartes Business, findet Scott. So ist sein bisher grösstes Highlight nicht finanzieller Natur, dafür unbezahlbar. Scott baute für sein Musikervorbild Mark King von Level 42 einen Bass. Mit LED-Leuchten und diversen Specials. Im Oktober 2012 traf er ihn in Brighton. «Level-42-Drummer Pete Ray Biggin lotste mich nach einem Konzert hinter die Bühne, wo ich King den Bass schenkte. Der Typ umarmte mich und war sprachlos.» Scott strahlt: «Ich bin nicht einer, der Bässe verschenkt. Aber ohne King wäre ich nie Bassbauer geworden. Er hat ihn sich verdient.» Mark King zeigte sich begeistert vom Sound der Luzerner Bassgitarre, wie er auf Twitter schreibt. «The Bass is beautiful and I play it a lot in the studio. A really warm woody sound.»

Level 42 spielen am 17. Mai im Hotel Schweizerhof in Luzern. Auf der Bühne nimmt King den Scott-Bass aber nicht zur Hand. Er ist vertraglich an eine Marke gebunden.