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LUZERN: Ausufernde Partys ärgern Mieter

Der Sentipark gleicht einem Tollhaus: Studenten aus aller Welt belästigen Mieter. Eine Studentin hat sich sogar in das Ehebett des Nachbarn gelegt.
Raphael Gutzwiller
Im Wohnhaus Sentipark im Luzerner Bruchquartier kommt es immer wieder zu wilden Partys. (Bild Dominik Wunderli)

Im Wohnhaus Sentipark im Luzerner Bruchquartier kommt es immer wieder zu wilden Partys. (Bild Dominik Wunderli)

Raphael Gutzwiller

Im Luzerner Bruchquartier zwischen Bruch-, Basel- und Gibraltarstrasse steht der imposante Sentipark. Für rund 42 Millionen Franken wurde das Gebäude auf dem Areal, wo früher auch das «Luzerner Tagblatt» gedruckt wurde, von der Luzerner Pensionskasse erbaut und 2012 fertiggestellt. Die Mieten bewegen sich zwischen 2500 Franken (3?-Zimmer-Wohnung) und 3500 Franken (5-Zimmer-Wohnung).

Doch seit 2013 sind in den 62 Wohnungen des Blocks nicht nur gewöhnliche Mieter wohnhaft, sondern auch rund ein Dutzend Studenten der Business & Hotel Management School (BHMS). Das stört manche Mieter, die schon länger im Sentipark wohnen. «Ich wohne praktisch in einem Studentenwohnheim: Partys, Alkohol und Rauchen im Gebäude sind an der Tagesordnung», weiss ein Mieter zu berichten. Dafür bezahle er schlicht eine zu hohe Miete, findet er.

Fast jedes Wochenende Partys

Vor beinahe drei Jahren zog er in das damals ruhige Wohnhaus im Zentrum der Stadt Luzern. Doch ruhig ist es im Haus längst nicht mehr: «Fast jedes Wochenende finden Partys bis tief in die Nacht statt», sagt der Mieter. «An den Partys sind viel mehr Studenten anwesend als nur diejenigen, die im Gebäude wohnen.» Im Treppenhaus werde zudem auch geraucht. Davon wisse auch die Verwaltung, die Luzerner Pensionskasse. Die habe gegen das Rauchen nun auch etwas gemacht: «Es wurden Schilder mit der Aufschrift ‹Rauchen verboten› aufgestellt», so der Mieter. Das kümmert die Studenten allerdings herzlich wenig: Sie rauchen ihre Zigaretten nun im Hauseingang bei offener Haustür, sodass es den Rauch durchs Treppenhaus zieht. «Es stinkt jetzt im ganzen Haus», sagt der Mieter.

Der unrühmliche Höhepunkt wurde im letzten August erreicht. An einem Samstagabend klingelte es mitten in der Nacht an der Tür eines Hausbewohners. «Vor der Tür waren ein weiblicher und ein männlicher Student, beide wirkten betrunken», sagt ein Augenzeuge. Als der Mieter die Tür geöffnet habe, stürmte die Studentin am Mieter vorbei, durchquerte die Wohnung und sackte auf dem Ehebett zusammen. «Sie war offensichtlich schwer alkoholisiert», so der Augenzeuge. Der junge Mann, wohl ebenfalls betrunken, sei der Studentin in die Wohnung gefolgt und habe nach einer Weile versucht, diese wieder in ihre Wohnung zu tragen. Der Versuch scheiterte kläglich: Sie sei daraufhin in der Wohnung am Boden gelegen. Erst als weitere Studenten in die Wohnung kamen, die das Schauspiel vom Treppenhaus aus mitverfolgt hatten, wurde die junge Frau aus der Wohnung getragen.

Schulleiter entschuldigte sich

Recherchen unserer Zeitung zeigen, dass sich die junge Frau am Tag darauf persönlich entschuldigte. Der Schuldirektor der BHMS hinterliess dem Mieter Schokolade und eine kleine Mitteilung: «Sorry für die Umstände». Die junge Studentin, die aus Asien stammt, musste den Sentipark noch am folgenden Tag verlassen.

Nachdem wegen Nachtruhestörungen auch schon die Polizei gerufen werden musste, wird das Gebäude nun von Mitarbeitern der Schule regelmässig kontrolliert. Sogar der Schulleiter wohnt im Sentipark – unter anderem auch, um bei Problemen rasch zum Besten schauen zu können.

Die Ironie der Geschichte: In den Wohnungen im Sentipark sind diese Studenten untergebracht, die bereits positiv als Mieter in anderen Wohnungen der Schule aufgefallen sein sollen. Somit handelt es sich bei den «Musterschülern» jeweils um Studenten, die schon länger in der Schweiz studieren. Die Schüler der BHMS lassen sich zu «zukünftigen Führungspersonen in der Hotellerie und Gastronomie» ausbilden, wie es auf der Website der Schule heisst. Die BHMS gab gegenüber unserer Zeitung zuerst Auskunft und bestätigte, dass es zu Problemen mit den Studenten im Sentipark gekommen sei. Die Schule zog ihre Aussagen allerdings wieder zurück.

Auf Studenten angewiesen?

Die Wohnungen der Luzerner Pensionskasse hätten anfangs beinahe zur Hälfte leer gestanden, sagt ein Mieter. «Um die Wohnungen vollzukriegen, hat man wohl diesen Vertrag mit der Schule abgeschlossen», mutmasst er. «Nun will man sie nicht rauswerfen, da man auf sie angewiesen ist.» Thomas Zeier, Geschäftsführer der Luzerner Pensionskasse, widerspricht dem Mieter: «Wir sind nicht auf die Studenten angewiesen.» So seien Mieter immer Kunden, ganz egal, ob sie Studenten, Familien, Berufstätige oder Rentner seien. «Die Wohnungen stiessen ab Erstvermietung auf gutes Interesse. Aber die Vollvermietung eines Neubaus braucht erfahrungsgemäss seine Zeit», sagt Zeier weiter. Es habe von der Schule ein Interesse bestanden, sich einzumieten, da man im Gewerbeteil des Gebäudes bereits eingemietet gewesen sei. «Die Lösung war im beidseitigen Interesse. Insgesamt erreichen wir im Sentipark nun einen guten Mietermix», findet Zeier. Als ruhig seien die Wohnungen nie verkauft worden, sagt der Geschäftsführer. «Dass das Bruchquartier zu den aufstrebenden, pulsierenden Gegenden der Stadt Luzern gehört, ist bekannt», so Thomas Zeier. «Dass da gewisse Lärmemissionen nicht zu verhindern sind, muss in Kauf genommen werden.» Zeier bestätigt, dass es schon zu Problemen mit den Studenten gekommen sei. «Diese haben wir aber direkt mit der BHMS geklärt.»

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