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LUZERN: Badeunfall im Lido: Es geht nicht nur um Strafe, sondern auch um Schadenersatz

Die Staatsanwaltschaft muss den Fall um den fatalen Sprung eines Familienvaters gegen ihren Willen aufrollen. Ob es zu einem Schuldspruch kommen wird oder nicht, ist offen. Sicher ist aber, dass im Verfahren die finanzielle Frage zentral sein wird.
Auf dem Steg beim Lido ist es verboten, kopfvoran ins Wasser zu springen. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 18. Juli 2017))

Auf dem Steg beim Lido ist es verboten, kopfvoran ins Wasser zu springen. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 18. Juli 2017))

So viel ist für das Bundesgericht klar: Der tragische Badeunfall, der sich am 9. Juni 2014 ereignet hat und einen Familienvater zum kompletten Tetraplegiker gemacht hat, braucht eine strafrechtliche Aufarbeitung (Ausgabe vom 18. Juli). Für «Lausanne» steht fest: Ein strafrechtlich relevantes Verhalten des Badi-Betreibers kann nicht ausgeschlossen werden. Und deshalb muss sich die Luzerner Staatsanwaltschaft den Fall noch einmal vornehmen.

Das heisst: Er wird aufgrund einer Anklage vor Gericht verhandelt werden. Mit Blick auf den Tatbestand ist für das Bundesgericht unbestritten, «dass mit Bezug auf den Kopfsprung ins Wasser und dessen gesundheitliche Folgen der objektive Tatbestand der schweren Körperverletzung erfüllt ist». Fragt sich nur, ob seitens des Badi-Betreibers eine Sorgfaltspflichtverletzung stattgefunden hat, die eine Strafbarkeit begründen würde. Fakt ist: Es gab zwar allgemeine, aber keine expliziten Hinweise auf die Risiken. Ein Mangel, der erst lange nach dem Unfall mit einem ausdrücklichen Hinweis auf dem Steg behoben wurde.

Wie auch immer das Strafverfahren ausgehen wird: Die Frage nach dem Schadenersatz stellt sich ohnehin.

Es wird in jedem Fall um viel Geld gehen

Umso erstaunlicher ist, dass es die Staatsanwaltschaft versäumt hat, den klagenden Familienvater darauf hinzuweisen, er habe sich auch als Privatkläger im Zivilverfahren am Strafverfahren zu beteiligen. Das ist deshalb von Belang, weil die vollständige Tetraplegie Auswirkungen auf die Erwerbsmöglichkeiten hat – solche auch, die von den Sozialversicherungen nicht gedeckt sind. Und diese sind aus dem Strafverfahren abzuleiten. Daran ändert laut Bundesgericht auch die Tatsache nichts, «dass der Zivilrichter nicht an die strafrechtliche Würdigung gebunden ist».

Das Bundesgericht hat vor diesem Hintergrund nicht nur das Strafverfahren neuerlich in die Gänge gebracht, sondern auch sichergestellt, dass die vom Familienvater geltend gemachten Schadenersatz- sowie Genugtuungsansprüche quasi im Schlepptau anhängig gemacht werden können. Die seit 2011 geltende Strafprozessordnung hat in dieser Hinsicht wesentliche Vorteile für die Beschwerdeführer gebracht, die auch im Lido-Fall von Bedeutung sind.

Aufschlussreich dabei: Dem Urteil des Bundesgerichts ist zu entnehmen, dass der Familienvater sowohl Schadenersatzansprüche gegen die Badi-Betreiber geltend machen will, als auch vertragliche Ansprüche gegen Dritte ins Auge fasst. Der erste Anspruch leitet sich aus Artikel 41 des Obligationenrechts ab, der zu Schadenersatz verpflichtet, wer einen andern mit Absicht oder aus Fahrlässigkeit schädigt. Die Vertragshaftung gemäss Artikel 97 umfasst unter anderem Tatbestände, bei denen Sorgfalts-, Treue- und Schutzpflichten verletzt werden.

Konkret bedeutet dies: Die Ansprüche können auf zwei Wegen geltend gemacht werden, aber nur einer wird am Ende beschritten. Teuer dürfte es dabei allemal werden. Und dauern wird es auch.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch

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