LUZERN: Badi Reiden droht der Konkurs

Für eine Sanierung der Badi fehlt der Gemeinde das Geld. Auch die Nachbargemeinden wollen sich finanziell nicht beteiligen. Jetzt liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, der aber den Segen des Volks braucht.

Ernesto Piazza
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Soll gerettet werden: die Badi Reiden. (Bild: Corinne Glanzmann (Reiden, 2. März 2017))

Soll gerettet werden: die Badi Reiden. (Bild: Corinne Glanzmann (Reiden, 2. März 2017))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

 

«Badi Reiden – Zukunft oder Konkurs?» An diesem Projekt arbeitete im vergangenen halben Jahr eine vom Gemeinderat eingesetzte Task-Force. Dafür hatten die Reider Stimmbürger 200 000 Franken gesprochen (Ausgabe vom 17. Juni). Jetzt liegt ein Vorschlag auf dem Tisch. Wie Recherchen unserer Zeitung zeigen, droht der aus Frei- und Hallenbad bestehenden Badi-Genossenschaft der Konkurs. Denn mittlerweile dürfte das Genossenschaftskapital von einst rund 700 000 Franken aufgebraucht sein. Lediglich eine bis maximal Ende 2017 befristete Finanzspritze der Gemeinde für den Betrieb von 1,05 Millionen Franken hält die überschuldete Reider Badi momentan noch am Leben.

Die Revisionsstelle der Badi-Genossenschaft beurteilt die wirtschaftliche Zukunft ebenso negativ wie die Task-Force und wird die Weiterführung für weitere zwölf Monate wohl nicht mehr bestätigen. Das heisst auch: Es liegt in der Kompetenz des Gemeinderates, ob Reiden bis zum Ende des Schuljahres das Geld weiterhin zur Verfügung stellt. Davon hängt jedoch ab, ob das Schulschwimmen in Reiden bis zu diesem Zeitpunkt noch gewährleistet ist.

Gemeinde verliert bei Konkurs bis zu 5,2 Millionen

Doch was heisst es konkret, wenn die Badi in Konkurs gehen sollte? Beim angestrebten ordentlichen Verfahren verlieren die Genossenschafter ihr gesamtes Kapital. Dazu zählt auch die Gemeinde mit ihren 200000 Franken. Weiter müssen etwa die Lieferanten ihre ausstehenden Forderungen abschreiben. Noch unklar ist, was mit den Hypotheken von rund 2,3 Millionen Franken passiert. Hier tritt die Gemeinde teilweise als Bürge auf. Mit den Gläubigerbanken wurden Gespräche geführt. Entscheide stehen noch aus.

Die Badi-Immobilien – sie standen beim Zwischenabschluss per 30. September 2016 mit 2,85 Millionen in den Büchern – hätten wohl schon zu diesem Zeitpunkt zu Liquidationswerten bilanziert werden müssen. Das heisst: Die Bauten wären bereits Ende des dritten Quartals 2016 wertlos gewesen, und der Konkurs hätte schon damals eröffnet werden sollen.

Im Zusammenhang mit der Badi muss die Gemeinde auch auf ein Darlehen gegenüber der Genossenschaft von 260 000 Franken verzichten. Weiter kostet der Rückbau der Anlage rund 2 Millionen Franken. Weil für 2023 ein sogenannter Heimfall der Grundstücke an die Gemeinde vertraglich vereinbart ist, muss sie für diesen Betrag ebenfalls aufkommen. Das finanzielle «Worst-­Case-Szenario» für die Kommune bedeutet, dass sie rund 5,2 Millionen Franken ans Bein streichen müsste: 200 000 Franken Genossenschaftskapital, 2,3 Millionen Hypotheken, 260 000 Franken Darlehen, 2 Millionen für den Rückbau und weitere Gelder für den laufenden Betrieb.

Bis ein ordentlicher Konkurs über die Bühne gegangen ist, dürften aber Monate, wenn nicht Jahre vergehen. Daher plant die Task-Force die Gründung von zwei neuen Gesellschaften. Zum einen ist dies eine Badi-Betriebsgesellschaft. Diese soll künftig ausschliesslich die laufende Geschäftstätigkeit der beiden Bäder beinhalten. Positiv zum Ergebnis der Betriebsgesellschaft beitragen sollen zu den Eintritten auch Einnahmen aus dem Restaurant und den Saunas. Neben den Schülern von Reiden kommen auch neun Nachbargemeinden zum Schwimmunterricht. «Diese haben uns zugesichert, das Hallenbad weiter zu nutzen und für die Dienstleistung zu zahlen», betonte der interimistische Gemeindepräsident Bruno ­Aecherli (parteilos) an der Gemeindeversammlung im Dezember. Was die finanzielle Un­ter­stüt­zung dieser Kommunen für eine Sanierung betrifft, hat Reiden nur negative Antworten erhalten.

Idee: Investor soll Areal kaufen

Während beim Hallenbad Sanierungsmassnahmen anstehen, könnte das Freibad aus technischer Sicht ohne grössere Investitionen wohl noch einige wenige Jahre weiter betrieben werden. Eine Wiederinstandstellung der kompletten Badi dürfte die Gemeinde einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Aufgrund des Finanzleitbildes und früheren Aussagen vom zuständigen Gemeinderat Bruno Aecherli kann der aktuelle Reider Schuldenberg von mehr als 40 Millionen Franken nicht mehr erhöht werden.

Die zweite Gesellschaft betrifft einen sogenannten Mantel. Diesen würde ein Investor übernehmen, sofern sich einer finden lässt. Markus Schwander (IG Reiden), der Vater dieser Idee, könnte sich vorstellen, dass das 23 000 Quadratmeter grosse Areal «durch eine intelligente Nutzung letztlich der ganzen Bevölkerung einen Mehrwert bieten könnte». Diese Fläche beinhaltet auch Grundstücke, die nördlich der Badi liegen und der Gemeinde gehören.

Damit diese Idee umgesetzt werden kann, braucht es eine Umzonung von der öffentlichen Zone in eine Bau-, Gewerbe- oder andere Zone. Neben Abparzellierung und Umzonung – hierfür ist die Genehmigung durch den Regierungsrat erforderlich – wird für die Mantelnutzung die Zustimmung der Gemeindeversammlung nötig. An der nächsten vom 4. Mai informiert der Gemeinderat über die Ergebnisse der Task-Force. Zugleich müssen die Bürger entscheiden, ob sie der Gründung einer Betriebsgesellschaft zustimmen wollen.