LUZERN: Bäckermeister hat sein Spendenziel erreicht

Walter Stadelmann von der Bäckerei Merz kann einen Nachfolger in die Ausbildung schicken. Seine Internetsammelaktion hat 60 000 Franken eingebracht.

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Die Bäckerei von Walter Stadelmann hat wieder bessere Zukunftsaussichten. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Bäckerei von Walter Stadelmann hat wieder bessere Zukunftsaussichten. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Für die Regelung seiner Nachfolge wählte Walter Stadelmann (58) einen ungewöhnlichen Weg. Er machte die Aus- und Weiterbildung eines Nachfolgers zum Projekt, setzte den Betrag dafür auf 60 000 Franken fest und startete via Internet mit der Geldsammlung. Das nennt sich Crowdfunding. Und die Spielregeln sind einfach wie bestechend. Innert 100 Tagen muss die festgesetzte Summe beisammen sein, sonst ist das Projekt gescheitert, und die zugesagten Gelder gehen an die Spender zurück (Ausgabe vom 26. Oktober).

Walter Stadelmanns Frist läuft heute um Mitternacht ab. Als sich die 100 Tage dem Ende zuneigten, fehlten noch knapp 10 000 Franken. Es begann eine Zitterpartie. Die erlösende Zusage kam dann vor ein paar Tagen, so Stadelmann, und er konnte es kaum fassen, als er von dieser «lieben Person» erzählte, die namentlich nicht erwähnt werden will: «Von dieser Person habe ich die sichere Zusage über einen sehr hohen Geldbetrag bekommen. Damit konnte ich mir sicher sein, dass es klappen wird.» Das versprochene Geld wird Stadelmann vor Ablauf der Frist dem Projekt zuführen.

Auch Konkurrenten spendeten

Der umtriebige Bäckermeister setzte in den letzten 99 Tagen praktisch alles in Bewegung, um auf sein Projekt aufmerksam zu machen. So verteilte er Grittibänzen in der Luzerner Altstadt, informierte seine Kundschaft und auch die Passanten am Wochenmarkt. Die Reaktionen waren durchwegs positiv, wie er sagt. «Was ich in den letzten 99 Tagen an Unterstützung erleben durfte, war einfach überwältigend», erzählt der sichtlich gerührte Walter Stadelmann.

Das Geld sei das eine, so Stadelmann weiter, doch wie sich all die Menschen mit der Bäckerei auseinandersetzten und sich aktiv für das Weiterbestehen einsetzten, war genauso beeindruckend. «Manchmal musste ich einen Spender im Internet googeln, weil ich vom Namen her nicht wusste, um wen es sich handelte. Sah ich dann das Bild, wusste ich, dass es sich um diesen oder jenen Kunden handelte.» Doch nicht nur die Kunden, auch die Konkurrenz griff ins Portemonnaie und spendete. So etwa die Bäckereien Heini, Hug und Bachmann. Man wolle mit Berufsgenossen solidarisch sein, wurden die Inhaber dieser Bäckereien in unserer früheren Berichterstattung zitiert (Ausgabe vom 17. Dezember 2015). Stadelmann sagt dazu: «Für mich ist mein Beruf auch eine Berufung. Damit bin ich sicher nicht alleine. Und eine solche Person wünschte ich mir als Nachfolger. Bäckersein ist eine Herzenssache, sonst funktioniert es nicht als Kleinbetrieb.»

Betriebswirtschaftliche Ausbildung

Die 180 Unterstützer, sogenannte Booster, spendeten meist Geldbeträge zwischen 20 und 5000 Franken – einzelne sogar mehr. Bei jedem einzelnen bedankte sich Bäckermeister Stadelmann persönlich oder auf der Sammelplattform. Die 60 000 Franken werden nun in die betriebswirtschaftliche Aus- und Weiterbildung seines Nachfolgers oder seiner Nachfolgerin investiert.

Denn nebst einer soliden Fachausbildung braucht es auch ein grosses Wissen über das Lebensmittelrecht und vertiefte Kenntnisse im dualen Berufsbildungssystem. Diese Zusatzausbildung dauere in etwa nochmals drei Jahre. Stadelmann: «Diese Zusatzausbildung hat viele abgeschreckt. Nicht nur der Zeitaufwand bremste das Interesse, sondern auch die Verdienstmöglichkeiten, die während der Ausbildungszeit eher knapp sind, schreckten ab.»

Nun beginnt Suche nach Nachfolger

Jetzt gehe es an die Umsetzung, erklärt Walter Stadelmann – ein Nachfolger kann jetzt gesucht werden. Dazu werde er im Branchenblatt junge Berufsleute gezielt ansprechen. «Ich denke, das ist persönlicher, als einfach eine Stellenausschreibung zu machen. Ich bin gespannt.»