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LUZERN: Bauer Daniel Muff: «Swisscom hat mich ‹verseckelt›»

Gerade mal 2000 Franken jährlich zahlt die Swisscom einer Bauernfamilie für eine Antenne auf ihrem Land. Pikant daran: Andere bekommen das Zehnfache.
Lena Berger
Der Bauer Daniel Muff vor einer Antenne der Swisscom, die auf seinem Gelände steht. Fotografiert am 15. September 2016 in Schlierbach. (Bild: Eveline Beerkircher / LZ)

Der Bauer Daniel Muff vor einer Antenne der Swisscom, die auf seinem Gelände steht. Fotografiert am 15. September 2016 in Schlierbach. (Bild: Eveline Beerkircher / LZ)

Lena Berger

Bauer Daniel Muff ist ein überaus freundlicher junger Mann. «Seien Sie so gut», sagt er, als er seine Besucher an diesem Donnerstagnachmittag in sein Haus bittet. Er lächelt, bietet Kaffee an und kalte Getränke. Nichts an ihm verrät, wie schwer die letzten Monate für ihn gewesen sein müssen. Im Februar letzten Jahres starb der Vater des 26-Jährigen. Seither führt er den Bauernhof im Alleingang. Auch wenn seine Familie ihn unterstützt – der junge Mann hat rund um die Uhr zu tun, das 22 Hektaren grosse Land zu bewirtschaften. Doch das ist es nicht, was dem Jungbauern Sorgen macht.

An diesem Morgen hatte er ein Treffen der eher unangenehmen Art, wie er erzählt. «Sehr lehrreich» sei das gewesen. Es passt zu ihm, das so positiv zu formulieren. In Tat und Wahrheit war es wohl eher ein Krisengespräch, zu dem sich der Schlierbacher Gemeindepräsident, der Gemeindeammann, zwei Vertreter der Swisscom, Daniel Muff und sein Mobilfunkmakler Daniel Gruber eingefunden hatten.

Zuerst klang es ganz gut

Der Grund: Anfang Monat hatte die Swisscom ein Schreiben an alle Schlierbacher Haushalte verschickt. Man müsse damit rechnen, dass die Mobilfunktelefonie und die Nutzung mobiler Daten ab dem 3. Oktober nur noch eingeschränkt möglich sei. Trotz «intensiver Verhandlungen» mit dem Grundstückbesitzer der Mobilfunkantenne in Schlierbach – also Daniel Muff – sei es nicht möglich gewesen, mit diesem eine Einigung betreffend eine Mietvertragsverlängerung zu erzielen.

Glaubt man Daniel Muff, klingt das freilich anders. Fakt ist: Sein Vater hatte 2002 mit Swisscom einen Mietvertrag abgeschlossen. «Wir bekamen 2000 Franken jährlich – dafür stellte der Provider auf unserem Gelände eine Antenne auf. Das klang nach einem guten Geschäft.» Erst Jahre später erfuhr Muff von einem befreundeten Landwirt, dass dieser von Swisscom für die Nutzung seines Grundstücks das Zehnfache bezahlt bekommt. Nämlich 20 000 Franken. «Da sind wir natürlich stutzig geworden.»

Die Familie Muff kam in Kontakt mit Daniel Gruber. Dieser betreibt das Ingenieurbüro W-Com Wireless Communications AG, das nach eigenen Angaben bei 750 Antennenanlagen die Interessen der Grundeigentümer vertritt. Für Gruber ist klar: Das Telekomunternehmen hat den Bauern über den Tisch gezogen. «Es kommt öfter vor, dass sich Landwirte mit einem Taschengeld abspeisen lassen. Man glaubt, das werde schon seine Richtigkeit haben – und diese Naivität wird ausgenutzt.»

Seine Firma habe Kenntnis von rund 2000 Verträgen, sagt Gruber. Daher wisse man, dass die besagte Antenne in einem Gebiet liege, in dem üblicherweise ein Mietzins von 12 000 bis 18 000 Franken jährlich bezahlt werde. «Entsprechend haben wir Herrn Muff geraten, dies einzufordern.» Der Mietvertrag wurde daraufhin Ende 2014 fristgerecht auf den 31. Dezember 2016 gekündigt, und Gruber wurde beauftragt, neue und ausgewogene Vertragsbedingungen auszuhandeln.

«Swisscom konstruiert falsches Bild»

Swisscom behauptet in ihrem Schreiben an die Nachbarschaft der Muffs denn auch, man habe «intensive Verhandlungen» geführt. Tatsächlich aber schloss man solche aber explizit aus, wie ein Schreiben des Providers vom September 2015 belegt. «Swisscom ist nicht bereit, über erprobte und ausgewogene Mietverträge (...) langwierige Verhandlungen zu führen», ist da wörtlich zu lesen. In diesem Sinne übermittle man einen überarbeiteten Mietvertrag mit einem jährlichen angepassten Mietzins von 6500 Franken. «Wobei wir diesen als oberstes Angebot von unserer Seite betrachten.»

Daniel Gruber ist überzeugt: «Mit der Behauptung, es habe intensive Verhandlungen gegeben, versucht Swisscom gezielt, ein falsches Bild zu konstruieren und indirekt über die Dorfgemeinschaft Druck auf Herrn Muff auszuüben.» Der junge Mann räumt ein, dass die Situation für ihn schwierig sei. Bereits seien ihn Nachbarn deswegen angegangen. «Als Laie weiss man schlicht nicht, was man fairerweise verlangen kann.» Aber nachdem man beim Abschluss des ursprünglichen Vertrages diese Unwissenheit ausgenutzt habe, sei das Vertrauen nun dahin. «Die Swisscom hat mich auf Deutsch gesagt ‹verseckelt›.» Er verlasse sich daher auf die Empfehlungen von Daniel Gruber und seiner Firma.

Dies allerdings wird von Swisscom nicht gern gesehen. Beim erwähnten Krisengespräch am Donnerstagmorgen bestanden deren Vertreter darauf, dass Gruber den Raum verlasse. Vom ursprünglichen Angebot wollte man nicht abrücken. Daraufhin brach Daniel Muff auf Anraten seines Maklers die Verhandlungen ab.

Swisscom dreht den Spiess um

Swisscom betont in einer schriftlichen Stellungnahme zu dem Fall, dass man faire, marktübliche Mietzinse bezahle. Der Vertrag aus dem Jahr 2002 sei zu den damals gültigen Konditionen unterschrieben worden. Man halte sich bei Neuverhandlungen an ein Mietzinsmodell, das von einer renommierten Firma indexiert worden sei. Dieses berücksichtige viele Einflüsse wie Standort, Grundstückpreise und nötige Mobilfunkkapazität. Genaue Zahlen gebe man aber nicht bekannt.

Aus Sicht von Swisscom sind es vielmehr Makler wie Daniel Gruber, welche die Gutgläubigkeit ihrer Kunden ausnutzen. «Seit mehreren Jahren versuchen Zwischenhändler – wie auch in diesem Fall –, sich zwischen Swisscom und ihre Vertragspartner, die Standortgeber, zu stellen. Letzteren versprechen sie, höhere Mietpreise durch harte Verhandlungen mit Swisscom herausschlagen zu können», teilt das Unternehmen mit. Weiter heisst es: «Oft werden von den genannten Zwischenhändlern jedoch Summen verlangt, die plausiblen Indexierungen entbehren und im regionalen Vergleich als exorbitant zu betrachten sind.» Solchen Forderungen komme man nicht nach. Das gelte auch im Fall Muff. «Nach Verhandlungen, die leider ohne Erfolg verliefen, musste Swisscom die Kündigung entgegennehmen und wird nun den Abbau in Angriff nehmen.» Die Information an die Haushalte sei in diesem Zusammenhang ein normales Vorgehen.

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