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LUZERN: Baupfusch am Mühlenplatz? Jetzt geht’s um Millionen

Der Vorwurf ist happig: Bei der Sanierung eines Altstadthauses wurden Brandschutzvorschriften massiv missachtet. Nun wird daraus wohl ein Gerichtsfall.
Robert Knobel
Blick in das Gebäude am Mühlenplatz 3/4, das wegen Brandschutzmängeln saniert wird: Neu wurde ein Schacht für Leitungen gebaut. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 25. Januar 2018))

Blick in das Gebäude am Mühlenplatz 3/4, das wegen Brandschutzmängeln saniert wird: Neu wurde ein Schacht für Leitungen gebaut. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 25. Januar 2018))

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Am 1. Februar müssen der Lu­zerner Anwalt Jost Schumacher sowie weitere Personen vor dem Luzerner Friedensrichter erschei­nen. Dabei geht es um viel Geld: Es stehen Forderungen von 1,1 Millionen Franken im Raum. Was war geschehen? Jost Schumacher ist Präsident der Schweizer Umweltstiftung, welche früher ein Gebäude am Luzerner Mühlenplatz 3/4 besass. Dieses wurde 2007 saniert und 2012 an den Zürcher Anwalt Konrad Fischer verkauft.

Doch das über 500-jährige Haus bescherte Konrad Fischer bisher vor allem Ärger und hohe Kosten. Denn bald nach dem Kauf zeigte sich, dass bei der Totalsanierung von 2007 massiv geschlampt worden war. Ein Gutachten der Luzerner Gebäudeversicherung brachte zutage, dass die Brandschutzvorschriften in grober Weise missachtet worden waren (siehe Ausgabe vom 13. Januar 2017). So könnte sich ein Brand innert kürzester Zeit im Gebäude ausbreiten.

Die Mängel seien derart schwerwiegend, dass die Sicherheit der Personen im Haus gefährdet sei, so das Fazit der Gebäudeversicherung aus dem Jahr 2016. Sie verfügte umfangreiche Nachbesserungen, welche der neue Besitzer Konrad Fischer berappen musste. Die Umbauten sind inzwischen grösstenteils abgeschlossen – gemäss Fischer belaufen sich die bisherigen Kosten auf rund 1 Million Franken. Zusammen mit den Anwaltsgebühren kommt Fischer auf 1,1 Millionen, welche er von denen zurückfordert, die in seinen Augen schuld sind an den Mängeln. Dies ist einerseits die Schweizerische Umweltstiftung, vertreten durch ihren Präsidenten Jost Schumacher, sowie diverse Baufirmen, die an der Sanierung von 2007 beteiligt waren.

Weitere Mängel aufgetaucht

Inzwischen sind sogar noch weitere Brandschutzmängel aufgetaucht. Das zeigt ein Schreiben der Gebäudeversicherung vom Januar 2018, das unserer Zeitung vorliegt. Auch diese Mängel muss Konrad Fischer nun umgehend beheben. Da zu erwarten ist, dass seine Kontrahenten mit der Millionenforderung nicht einverstanden sind, wird daraus wohl ein Gerichtsfall.

Unabhängig von dieser Zivilforderung läuft in Sachen Mühlenplatz eine Untersuchung der Luzerner Staatsanwaltschaft. Konrad Fischer hat nämlich gegen Jost Schumacher und mehrere Vertreter von Baufirmen Strafanzeige wegen Verletzung der Regeln der Baukunde und wegen Gefährdung des Lebens eingereicht. «Bei einem innert kürzester Zeit entstehenden Vollbrand wären zumindest die in diesem Gebäude, allenfalls aber auch in angrenzenden Gebäuden, befindlichen Menschen ohne weiteres in Lebensgefahr», schreibt Anwalt Valentin Landmann. Dieser hatte im Auftrag von Fischer ein Rechtsgutachten erstellt.

Jost Schumacher sagt zu den Vorwürfen: «Tatsache ist, dass damals der Umbau in engster Begleitung der Denkmalpflege durchgeführt wurde. Auch die Gebäudeversicherung Luzern und die Baubehörden der Stadt Luzern waren dabei und nahmen laufend Kontrollen vor.» Die Bauherrschaft habe «sicherlich nicht widerrechtlich oder gar böswillig gehandelt». Zudem seien die Mängelrügen verjährt.

Das Strafverfahren läuft zurzeit; die Staatsanwaltschaft forderte Mitte 2017 die Gebäude­versicherung zur Stellungnahme auf. Insbesondere sollte die Versicherung erklären, weshalb die Brandschutzmängel so lange unbemerkt blieben. Die Antwort liegt unserer Zeitung ebenfalls vor. So schreibt die Gebäudeversicherung, vor der Sanierung hätten detaillierte Ausführungspläne vorgelegen, welche umfangreiche Brandschutzmassnahmen vorsahen. Man habe davon ausgehen können, dass diese Massnahmen dann auch korrekt umgesetzt würden. Doch dies war offensichtlich nicht der Fall. Weshalb, bleibt unklar.

Es gab keine Schlusskontrolle

Weiter heisst es im Bericht, es sei bei Sanierungen von historischen Gebäuden zwar üblich, dass die Gebäudeversicherung den Umbauprozess begleitet, um die korrekte Umsetzung der Brandschutzmassnahmen zu überwachen. Die Initiative müsse aber von den Bauherren kommen, was im Fall Mühlenplatz nicht geschehen sei. Auch auf eine umfang­reiche Schlusskontrolle verzichtete die Versicherung, da auch dies nicht zwingend sei. «Die Brandschutzvorschriften gehen von einer hohen Eigenverantwortung der Eigentümer und Nutzer sowie deren beauftragten Personen aus», schreibt die Gebäudeversicherung abschliessend. Eine lückenlose Kontrolle sämtlicher Bauarbeiten sei unmöglich und könne höchstens stichprobenweise durchgeführt werden.

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