Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: BDO Steuertag: Wenn Computer die Steuern prüfen

Am Steuertag der Wirtschaftsprüferin BDO in Luzern diskutierte die Politprominenz über Chancen und Risiken der Digitalisierung für Steuerzahler. Hitzig wurde die Debatte beim Thema Steuerreform.
Alexander von Däniken
Eine Frau füllt die Steuererklärung aus; hier noch ganz 'analog'. (Bild: Keystone, Zürich, 03.02.2016)

Eine Frau füllt die Steuererklärung aus; hier noch ganz 'analog'. (Bild: Keystone, Zürich, 03.02.2016)

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

Wer in England seine Steuererklärung ausfüllt, dem hat der Staat bereits auf die Finger geschaut. Ein Computersystem sammelt nämlich allerlei Daten, um sie dann mit den eingereichten Steuerunterlagen zu vergleichen. Dies sagte Heinz Vogel, Leiter der Regionaldirektion Zentralschweiz der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. Die BDO lud am Donnerstag zum elften Steuertag ins Luzerner Verkehrshaus. Knapp 500 Gäste sind der Einladung gefolgt; darunter der Krienser CVP-Ständerat und BDO-Verwaltungsrat Konrad Graber sowie der Luzerner Finanzdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos). Das weitgreifende Thema: Daten statt Worte.

So weit wie in England sind die Schweizer Behörden (noch) nicht. Allerdings kann schon heute in mehreren Kantonen wie Luzern die Steuererklärung online eingereicht werden – in Obwalden geschieht dies sogar noch konsequenter. Die Digitalisierung macht indes nicht an der Landesgrenze Halt. Wie die BDO-Steuerexperten Erich Ettlin und Peter Vollenweider ausführten, diskutieren die OECD (Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit) und die EU unabhängig voneinander, wie Unternehmen wie Facebook oder Google besser besteuert werden können.

Das Problem bei diesen Firmen ist für den Staat nämlich, dass die Wertschöpfung – Daten gegen Werbung – weltweit im digitalen Raum stattfindet – und nicht dort, wo der Firmenstandort ist. Das gelte auch für Amazon und Apple. Bis 2020 will die OECD eine Lösung bereithaben; der Bundesrat beabsichtigt, sich dieser Lösung anzuschliessen.

Zahlt sich Steuervorlage 17 für den Bund aus?

Ebenfalls 2020 will der Bundesrat aufgrund des Drucks von EU und OECD die Steuerprivilegien für Holdinggesellschaften aufheben. Nach dem Scheitern der Unternehmenssteuerreform III soll es nun die Steuervorlage 17 richten, die der Bundesrat kürzlich präsentiert hat, und die demnächst den eidgenössischen Räten vorgelegt wird.

Die Steuervorlage 17 sieht unter anderem vor, die Kantone mittels Erhöhung des Anteils an der direkten Bundessteuer von jetzt 17 auf 21,2 Prozent zu entlasten. Für den Bund selbst sollten je nach Szenario mittel- bis langfristig eine Milliarde Franken verlorengehen oder ein Plus resultieren.

Daran wollte die Rothenburger SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo bei der von SRF-Moderator Franz Fischlin geleiteten Podiumsdiskussion nicht glauben: «Auch im Kanton Luzern wurde bei der Steuerreform 2012 versprochen, dass sich die Steuersenkung langfristig auszahlen wird. Das Gegenteil ist der Fall. Seither werden Sparpakete geschnürt, die unter anderem auf Kosten der Prämienverbilligung gegangen sind.» Die Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger konterte: «Eine Mehrheit im Kantonsrat wie die der Bevölkerung hat die kantonale Steuerstrategie bestätigt. Von Anfang an hat die SP diesen Mehrheitswillen missachtet und schiesst bei jeder Gelegenheit gegen die Strategie.»

Der Zuger SVP-Nationalrat und -Fraktionschef Thomas Aeschi betonte, dass die Steuervorlage 17 keine Steuersenkung, sondern eine Steuererhöhung vorsieht: «Die Unternehmen, die jetzt von Steuerprivilegien profitieren, werden mehr bezahlen müssen.»

Eine Massnahme der nationalen Steuerreform ist das Anheben der Dividendenbesteuerung auf 70 Prozent. Während dieser Satz für SP-Nationalrätin Birrer-Heimo zu tief ist, plädierte CVP-Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger für eine flexible Umsetzung: «Wenn alle Kantone gezwungen werden, die 70 Prozent anzuwenden, werden viele KMU bestraft. Darum braucht es eine Anpassung über den Finanzausgleich.» Dem stimmte SVP-Nationalrat Thomas Aeschi zu: «Der Zwang, die Dividendenbesteuerung überall gleich umzusetzen, bedeutet einen Eingriff in den Föderalismus.» Letztlich gehe es aber darum, ein mehrheitsfähiges Paket vorzulegen.

Denn, das war seitens SP bis SVP klar, gegen die Steuervorlage 17 wird das Referendum ergriffen: Es wird also zu einer Abstimmung kommen. Einig sind sich Birrer-Heimo, Gmür-Schönenberger und Aeschi auch im folgenden Punkt: Die Steuerprivilegierung gehört abgeschafft. Über die Höhe des Preises werden National- und Ständerat dieses Jahr verhandeln.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.