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LUZERN: Behinderte erhalten Hilfe bei Lohn-Fragen

Mitarbeiterbefragungen stellen Behindertenwerkstätte vor Probleme. Nun hat die Hochschule Luzern einen vereinfachten Fragebogen entwickelt. Dieser soll Schule machen.
Niels Jost
Blick in eine Werkstätte der Stiftung Brändi. (Archivbild: Manuela Jans-Koch)

Blick in eine Werkstätte der Stiftung Brändi. (Archivbild: Manuela Jans-Koch)

Jeder Arbeitnehmer kennt es: Regelmässig bekommt man von der Chefetage einen Umfragebogen zugestellt, in dem man sich über die Zufriedenheit im Job äussern kann. «Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Lohn? Und wie steht es um die Arbeitszeit?», heisst es darin etwa. Nicht anders geht das in Werkstätten für Menschen mit Behinderung vonstatten. Die Stiftung Brändi etwa ist sogar gesetzlich dazu verpflichtet, unter ihren 1800 Mitarbeitern eine solche Befragung durchzuführen, da sie vom Kanton Luzern finanziell unterstützt wird.

Nur: Mit den herkömmlichen Befragungsinstrumenten war die Stiftung, wie viele andere Institutionen auch, nicht zufrieden. «Die Herausforderung ist, dass Menschen mit Behinderung ihre Arbeitszufriedenheit teilweise nicht gleich ausdrücken oder anders verständlich machen als Menschen ohne Behinderung», sagt René Stalder, Projektleiter und Verantwortlicher im Kompetenzzentrum Behinderung und Lebensqualität der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Die Probleme der Mitarbeiter mit den herkömmlichen Instrumenten seien sehr individuell und würden sich stark unterscheiden. Doch die Resultate aus den bisherigen Befragungen waren teilweise wenig aussagekräftig. Folglich konnte der Betrieb auch nicht allen Bedürfnissen gerecht werden und sich entsprechend verbessern.

Deshalb hat die HSLU nun gemeinsam mit acht Institutionen einen neuen Fragebogen entwickelt. Konzipiert ist er für Menschen mit leichter bis mittlerer Beeinträchtigung. Es gibt ihn in zwei Ausführungen: Einmal für Personen, die ihn selbstständig ausfüllen können, und einmal für die Betreuer, welche dann die Mitarbeiter befragen. Verfasst wurde das Ganze in leicht verständlicher Sprache, so Stalder.

Test mit 750 Personen

Ein Testdurchlauf mit 750 Personen verlief bereits erfolgreich. Bei der Stiftung Brändi, welche ihre Mitarbeiter schon seit Jahren regelmässig befragt, bliebt die grosse «Revolution» zwar aus. Denn man habe bisher schon versucht, die Rückmeldungen im weiteren Handeln zu berücksichtigen. Doch Mediensprecher Roger Aeschlimann sagt: «Mit der neuen Fragetechnik werden die Anliegen zusätzlich nach Wichtigkeit bewertet. Daraus können wir Prioritäten in der Handlung ableiten.»

Über alle acht Testinstitutionen hinweg zeigten die ersten Befragungen, dass die Mitarbeiter in den Werkstätten grundsätzlich sehr zufrieden sind. Besonders wichtig schien ihnen die Möglichkeit mitzureden und sich im Arbeitsprozess einbringen zu können. Es kam aber auch Überraschendes dabei heraus: «Im Unterschied zu vielen Menschen ohne Behinderung ist etwa die Job-Rotation, also viel Abwechslung im Alltag, nicht gefragt», sagt Projektleiter René Stalder. Auch der Lohn sei – wider erwarten – ein grosses Thema: «In herkömmlichen Fragebogen wurde gar nicht nach dem Lohn gefragt, da dieser grundsätzlich gesetzlich vorgegeben ist und nicht existenzsichernd, sondern als Zustupf gedacht ist», erklärt Stalder. Gewisse Anpassungen seien hier deshalb durchaus zu prüfen.

Die meisten der beteiligten Institutionen wollen den neuen Fragebogen weiterhin einsetzen. Bei der Stiftung Brändi ist dieser Entscheid noch nicht gefällt worden, so Aeschlimann.

Schweizweite Anwendung ab Herbst 2018

Ohnehin: Ganz fertig entwickelt ist das neue Instrument zur Mitarbeiterbefragung nicht. Denn noch können die Behinderteninstitutionen den Fragebogen nicht selber auswerten. Diese Entwicklung soll in den nächsten Monaten folgen. «Wir möchten eine Onlineauswertung ermöglichen», sagt René Stalder. Ziel ist es zudem, den Fragebogen nicht nur in der Zentralschweiz anzubieten. «Das Befragungsinstrument soll bereits im kommenden Herbst schweizweit zur Anwendung kommen.»

Damit nicht genug: Stalder und sein Team planen, einen Fragebogen auch für jene Menschen zu entwickeln, welche schwer beeinträchtigt sind und sich schlecht artikulieren können – damit auch sie einfacher mitteilen können, womit sie zufrieden sind oder wo der Schuh drückt.

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

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