LUZERN: Bei diesen Buslinien wird gespart

Der Kantonsrat hat entschieden, dass beim ­öffentlichen Verkehr gespart werden muss. Für einige ­Luzerner heisst das: länger warten, umsteigen oder gar früher heimgehen.

Lena Berger
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Ein VBL-Bus auf der Reussbrücke bei Buchrain: Ab Dezember 2015 wird die Linie 22 am Samstagvormittag nur noch halbstündlich befahren. (Archivbild Pius Amrein)

Ein VBL-Bus auf der Reussbrücke bei Buchrain: Ab Dezember 2015 wird die Linie 22 am Samstagvormittag nur noch halbstündlich befahren. (Archivbild Pius Amrein)

Dem öffentlichen Verkehr im Kanton Luzern stehen nächstes Jahr für seinen Betrieb 4 Millionen Franken weniger zur Verfügung, ab 2016 sind es nochmals 200 000 Franken weniger pro Jahr. Der Entscheid des Kantonsrats fiel diese Woche. Er bleibt nicht ohne Folgen. Besonders die Stadt- und Agglomerationsbewohner bekommen den Leistungsabbau zu spüren. Eine Übersicht unserer Zeitung zeigt erstmals, wie die Massnahmen des Verkehrsverbundes Luzern (VVL) die Passagiere treffen werden:

  • Taktabbau: Auf diverse Busse werden die Passagiere am Bahnhof Luzern ­künftig länger warten müssen. Die Buslinie 9 etwa wird an Nachmittagen und samstags neu nicht mehr alle 15, sondern nur noch alle 30 Minuten in Richtung Bramberg fahren. Die Linien 22/23 fahren am Samstagvormittag im 30- statt im 20-Minuten-Takt nach Ebikon, ­Perlen, Inwil und Root. Die Linien 18/19 bringen Friedhofsbesucher zudem sonntags alle 20 Minutenstatt jede Vier­telstunde ins Friedental. Ärgern dürften sich auch die Bewohner vomObergütsch: Der Takt der Buslinie 10 wird zur ­Haupt- verkehrszeit von7,5 auf 10 Minuten umgestellt. Sonntags wird ihr Bus ­künftig nur noch jede halbe Stunde an den Bahnhof fahren.
  • Kursstreichungen:Seine morgendlichen Gewohnheiten ändern musskünftig, wer von Neuenkirch nach Luzern fahren will. Zur Hauptverkehrszeit am Morgen wird ein Kurs der Linie 72 gestrichen. Als Ersatz fährt die Linie 70 mit Umstieg auf die S 18 nach Luzern. Früher nach Hause muss dagegen, wer abends direkt von der Stadt in die Krienser Quartiere Oberkuonimatt oder ­Grabenhof will. Bus Nummer 14 wird künftig im Nidfeld bereits um 20 Uhr statt um 21.45 Uhr Betriebsschluss machen.
  • Verzicht auf Ausbau: Passagiere, die auf der Linie 19 zum Kantonsspital fahren, müssen ein Jahr länger im teils übervollen Bus stehen. Der geplante Taktausbau und die Vergrösserung der Fahrzeuge werden auf 2016 verschoben. Auch die neue Linie 3, die von Kriens nach Emmenbrücke führen soll, kommt erst 2017 statt 2016 – dies auch wegen desEröffnungstermins des Seetalplatzes. Noch mehr gedulden müssen sich die Littauer: Die auf 2016 geplante Verlängerung der Linie 12 nach Tschuopis wird erst nach 2017 realisiert.
  • Umbau der Angebote: Gespart wird auch, indem Buslinien neu geführt werden. Die Buslinie 61 von Ettiswil wird künftig während der Stosszeiten nur noch halbstündlich direkt zum Luzerner Bahnhof fahren – dafür viertelstündlich bis zum Pilatusplatz. Im Gegenzug wird die Linie 60 von Ruswil nach Rothenburg ausgebaut, damit die Passagiere dort auf die S-Bahn umsteigen und nach Luzern fahren können. Gleiche Pläne hat der VVL für die Passagiere der Buslinie 51, die von Rain in die Stadt wollen: Auch sie sollen künftig in Rothenburg auf die S-Bahn.

Drei Kriterien sind entscheidend

Weitere 5,3 Millionen Franken spart der Kanton in den nächsten drei Jahren bei den Investitionsausgaben. Diverse Infrastrukturmassnahmen – etwa die Verlängerung der Linie1an den Ebikoner Bahnhof – werden deshalb verzögert umgesetzt.

Die Sparbemühungen treffen auch die Luzerner Landschaft: Verschoben wird unter anderem die verbesserte Erschlies­sung der Stadt Sursee, des Städtchens Willisau und des Raums St. Erhard, Nebikon und Dagmersellen. Primär von den Sparmassnahmen getroffen wird jedoch das Zentrum. Die Frage ist legitim: Nach welchen Kriterien hat der Verkehrsverbund entschieden, wo er Einsparungen vornimmt? Sprecher Christoph Zurflüh nennt drei: Wirtschaftlichkeit, Dringlichkeit und prognostizierte Nachfrage. «Die Sparmassnahmen sollen möglichst wenig negative Auswirkungen auf die Mobilität der Bevölkerung haben.»

S-Bahn wird ausgebaut

Die Handlungsstrategie bestehe deshalb aus einer Kombination von Abbau, Umbau und Ausbau. «Beim Abbau des bestehenden Angebots stehen Takt­anpassungen in Rand- und Neben­verkehrszeiten im Fokus.» Die gesetz­liche Grundversorgung werde dabei weiterhin gewährleistet. Mit Umbauten sollen bei ähnlichem Angebot die Kosten gesenkt werden. «Ein Angebotsausbau wird dort stattfinden, wo aufgrund der Siedlungsentwicklung die bestehende Kapazität nicht mehr ausreichen wird.» So werden etwa die S-Bahn-­Linien nach Baar, Sursee und Lenzburg ab 2017 zu Stosszeiten wie geplant mehr Passagiere transportieren können – dank weiteren Doppelzügen.

Umsetzung auf Dezember 2015

Noch gibt es für die Umsetzung der Sparmassnahmen eine Gnadenfrist: Auf den Fahrplanwechsel vom 14. Dezember 2014 wird es noch zu keinen grösseren Änderungen beim ÖV-Angebot kommen. «Wir werden die Sparmassnahmen im ordentlichen Bestellverfahren mit den Transportunternehmen umsetzen», erklärt Zurflüh. Das heisst: Die Transportunternehmen werden in den nächsten Monaten Offerten einreichen, die zeigen werden, wie viel mit den geplanten Taktreduktionen tatsächlich gespart werden kann. Denn bislang beruht das prognostizierte Sparpotenzial lediglich auf Schätzungen. «Es ist also möglich, dass noch weitere Anpassungen des Angebots vorgenommen werden müssen», so Zurflüh. Die Vernehm­lassung zum neuen Fahrplan findet im Juni 2015 statt, umgesetzt wird er dann im Dezember.

Lena Berger