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LUZERN: «Bei Wärme schlägt es Alarm»

Vor 20 Jahren brannte die Kapellbrücke nieder. Um die Sicherheit steht es heute besser. Doch der Feuerwehr fehlt es noch immer an einsatzfähigen Löschbooten.
Christian Hodel
Theo Honermann, Feuerwehrkommandant der Stadt Luzern, hält einen Brand auf der Kapellbrücke wie 1993 für kaum mehr möglich. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Theo Honermann, Feuerwehrkommandant der Stadt Luzern, hält einen Brand auf der Kapellbrücke wie 1993 für kaum mehr möglich. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Am Sonntag vor 20 Jahren brannte die Kapellbrücke lichterloh. Was sich in der Brandnacht auf den Mittwoch, 18. August 1993, genau abgespielt hat, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Behörden gehen davon aus, dass ein Zigarettenstummel auf eines der Boote fiel, das unter der Kapellbrücke vertäut war. Doch Gerüchte und Mutmassungen halten sich bis heute. Fest steht: Nur wenige Tage danach erliess der damalige Stadtrat ein Verbot – unter der Kapellbrücke gibt es seither keine vertäuten Boote mehr.

«Die Kapellbrücke ist seit 1996 feuertechnisch gut gesichert», sagt Theo Honermann, Feuerwehrkommandant der Stadt Luzern. Die Brücke wurde mit 23 Rauchmeldern bestückt. Ebenso hat man durchgängig ein Wärmekabel verlegt, analog jenen bei Strassentunnels. «Wird eine grosse Wärme festgestellt, schlägt dies bei der Einsatzleitzentrale der Luzerner Polizei sofort Alarm.»

Brandschutzglas eingebaut

Zudem wird die Brücke ständig videoüberwacht, und in den Giebeln wurde Brandschutzglas eingebaut, welches die Brücke in 19 Abschnitte unterteilt. «Kommt es auf der Brücke zu einem Brand, wissen wir bereits bei der Alarmierung genau, wo der Brandherd ist», sagt Honermann. Das Brandschutzglas verhindert, dass sich ein allfälliges Feuer so rasch ausbreiten kann, wie dies vor 20 Jahren der Fall war. Damals stand Honermann selber im Einsatz, beim Atemschutz. Er sagt: «Vor allem die Funkausrüstung und Brandschutzbekleidung der Feuerwehrleute haben sich in den letzten Jahren verbessert.»

Doch ist die Feuerwehr auf einen Ernstfall überhaupt vorbereitet? «Bei einem Alarm sind die ersten Einsatzkräfte innert drei bis fünf Minuten vor Ort. Dies zeigen die Erfahrungen bei Alarmierungen durch die Brandmeldeanlage.»

Zu viel Wasser für das Löschboot

Beim Brand vor 20 Jahren stand auch ein Boot der Feuerwehr im Einsatz: das Ölwehrboot «Blitz». Es war das einzige reusstaugliche – das wesentlich besser ausgerüstete Löschboot «Donner» konnte aufgrund des hohen Wasserstandes die Seebrücke nicht unterqueren. Der Einsatz des Bootes wurde kritisiert, zumal der «Blitz» mit keiner Motorspritze ausgerüstet war. Das Boote diente in der Brandnacht hauptsächlich dazu, die Reuss abzusichern. Die beiden Feuerwehrboote waren und sind noch heute bei der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) AG beim Inseli stationiert. Nach dem Brand hat der damalige Feuerwehr-Einsatzleiter bei den Behörden einen Beschaffungsantrag gestellt. Das Ölwehrboot «Blitz» soll mit einer Motorspritze und einem mobilen Wasserwerfer ausgerüstet werden, um reussseitig effizient in die Brandbekämpfung eingreifen zu können.

Aufgerüstet wurde das Boot aber bis heute nicht. Das Boot ist lediglich mit einer Plattform für die Befestigung der Motorspritze des Löschboots «Donner» ausgestattet worden. Die Spritze kann so vom einen auf das andere Boot gewechselt werden. «Sowohl die Boote als auch das Material sind noch immer dieselben wie vor dem Brand der Kapellbrücke», sagt Honermann. «Bei der Brandbekämpfung auf dem See haben wir tatsächlich ein Defizit. Für Schiffs- und Bootsbrände sind wir nicht angemessen ausgerüstet.»

Man sei mit dem Kanton seit Jahren in Gesprächen, die Boote zu ersetzen. Denn die Verantwortung für die Seerettung auf Luzerner Gewässern hat der Kanton. «Er hat das Problem erkannt», sagt Honermann. Dies, nachdem die Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons bereits 2009 eine Studie in Auftrag gab, Varianten zur Neuanschaffung zu prüfen.

Vincenz Blaser, Sekretär des Justiz- und Sicherheitsdepartements des Kantons Luzern: «Vor den Herbstferien wollen wir beim Regierungsrat vorstellig werden, um die Ersatzbeschaffung zu beantragen.» Dann könnten die Boote für das Jahr 2014 budgetiert werden.

«Boote spielen ergänzende Rolle»

Lag es also letztlich an den fehlenden Löschbooten, dass in der Nacht vom 17. auf den 18. August die Kapellbrücke niederbrannte? «Bei einem Brand an der Kapellbrücke können Boote eine wichtige ergänzende Rolle spielen», so die Antwort von Honermann. «Um einen solchen Grossbrand wie 1993 aber zu bekämpfen, ist vor allem der Einsatz des Atemschutzes entscheidend.» Käme es zu einem erneuten Brand, würde die Feuerwehr auch heute taktisch gleich vorgehen. Ueli Habegger, ehemaliger städtischer Denkmalpfleger, beurteilt die Löscharbeiten anders. Er sagt: «Der Brand der Brücke vor 20 Jahren hätte mit dem richtigen Löschboot kaum dieses Ausmass angenommen.» Er ist sich sicher, dass man letztlich mehr als 31 der gesamthaft 111 historisch wertvollen Bilder hätte retten können. Dem widerspricht Peter Frey, ehemaliger Kommandant der städtischen Feuerwehr, der in der Brandnacht im Einsatz stand: «Löschboote hätten beim Kapellbrückenbrand für die Rettung der Bilder nicht viel gebracht», sagt er. «Das Feuer ging bei den Giebeln durch.»

MEHR ZUM THEMA

Wie es am 18. August 1993 zum Brand der Brücke kam und was Zeitgenossen dazu sagen, lesen Sie am Freitag im Dossier der «Neuen Luzerner Zeitung».

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