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Luzern benötigt weniger Praktikumsplätze für Flüchtlinge als gedacht

Der Kanton bietet mehrere Programme an, um jugendliche Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und in diesen zu integrieren. Doch nun zeigt sich: Der Bedarf an solchen Plätzen ist kleiner als angenommen. Der Kanton lässt die Kampagne «150 Praktikumsplätze - 300 Chancen» deshalb auslaufen und wechselt zu einem altbekannten Modell.
Martina Odermatt
Die Integrationsvorlehre (INVOL) richtet sich an anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Jugendliche, welche bereits einen spezifischen Berufswunsch haben. (Bild: PD)

Die Integrationsvorlehre (INVOL) richtet sich an anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Jugendliche, welche bereits einen spezifischen Berufswunsch haben. (Bild: PD)

Wie integriert man Flüchtlinge am besten in den Arbeitsmarkt? Im Kanton Luzern gibt es mehrere Optionen. Einerseits lancierte der Kanton im Sommer Januar 2018 die Kampagne «150 Praktikumsplätze - 300 Chancen». Diese startete im Sommer und hat zum Ziel, dass Jugendliche durch die Praktika in Luzerner Betrieben Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln und auf eine Lehre vorbereitet werden. Das Programm ist vor allem für Jugendliche, die bereits ein Integrationsbrückenprogramm besuchen, gedacht. Und in Deutsch das Sprachniveau A2 erreicht haben.

Ein halbes Jahr nach dem Start der Kampagne zieht der Kanton ein ernüchterndes Fazit: 150 Praktikumsplätze hätten ursprünglich insgesamt für die Flüchtlinge angeboten werden sollen. Der Bedarf an solchen Praktikumsplätzen sei jedoch tiefer als zu Beginn angenommen. Schliesslich konnten 75 Lernende ein Praktikum starten. 40 angebotene Plätze wurden durch die oben angesprochene Kampagne generiert. Doch nur 10 dieser Plätze wurden auch besetzt. «Interessen und Fähigkeiten der Jugendlichen stimmen nicht immer mit dem bestehenden Angebot überein», sagt Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung auf Anfrage.

Weiter müsse auch die Passung zwischen Betrieb und Lernenden stimmen. Manchmal seien die Plätze nicht gut erreichbar oder der Beruf nicht besonders gefragt gewesen. Ein Flop sei das Projekt deshalb aber nicht, denn ab Februar kämen nochmals 25 Jugendliche hinzu, die ein Praktikum suchen. Der Bedarf an solchen Praktikumsplätzen sei tiefer als zu Beginn angenommen. Und: «Die Kampagne hat vor allem die Wirtschaft dafür sensibilisiert, dass man bei Praktika auch Flüchtlinge in Betracht ziehen soll», sagt Spöring. Nichtsdestotrotz: Der Kanton lässt die Kampagne auslaufen. «Ich glaube, dass wir im Moment genug Praktikumsplätze zur Verfügung haben.» Denn das Projekt habe auch Optimierungspotenzial aufgezeigt. «Es ist zielführender, wenn die Lehrpersonen aus den Integrationsbrückenangeboten direkt mit den jeweiligen Flüchtlingen auf Betriebe zu gehen und nach Praktika fragen, als wenn man diese Plätze allgemein akquiriert.»

Luzern und Zug mit höchstem Bedarf

Weiter gibt es die Integrationsvorlehre (Invol), ein schweizweites Projekt des Bundes. 54 Millionen Franken investiert er in die vierjährige Pilotphase. Pro Ausbildungsplatz und Jahr erhalten die Stände 13'000 Franken. Die Stände sind denn auch für die Umsetzung des Programms verantwortlich. 50 Plätze liess der Bund in der Zentralschweiz für anerkannte und vorläufig angenommene Flüchtlinge mit spezifischem Berufswunsch finanzieren. Im Unterschied zur Kampagne des Kantons erhalten die Invol-Teilnehmer im Praktikum noch an zwei Tagen allgemeinen und berufsbildenden Unterricht. Der Startschuss erfolgte im August diesen Jahres. Auch hier zeigt sich: Längst nicht alle angebotenen Praktikumsplätze konnten besetzt werden. 36 Plätze stehen momentan im Kanton Luzern zur Verfügung. Von diesen sind nur 19 besetzt, 17 sind noch offen. Auch wenn das Programm ursprünglich für die ganze Zentralschweiz gedacht war, zeigt sich drei Monate nach Beginn, dass der Bedarf in den Kantonen Zug und Luzern am grössten ist.

Als Grund für die niedrige Besetzung der Plätze gibt der Kanton wiederum die fehlende Passung von Angebot und Nachfrage sowie die fehlende Sprachkompetenz an. «Es braucht Zeit, bis sprachlich ein gewisses Niveau aufgebaut ist», erklärt Spöring und weist auch auf die Umstände der Jugendlichen hin. «Sie kommen vielfach alleine, sind in der Pubertät, in einem fremden Land mit fremder Kultur und haben teilweise traumatische Erfahrungen gemacht. Da braucht es einfach Zeit, bis man eine Sprache erlernt hat oder sich über seine berufliche Zukunft sicher ist.»

Flexiblerer Unterricht

Doch die drei Monate Erfahrung mit Invol haben auch hier Verbesserungsmöglichkeiten aufgedeckt. So hat der Kanton Luzern die Flüchtlinge bis anhin in spezifischen Fachkursen unterrichtet. Etwa durch Peter Lachmaier vom Gastgewerblichen Ausbildungszentrum Reussport Luzern. Er leitet den Fachkurs im Berufsfeld Koch/Köchin. Der Start sei sehr zufriedenstellend verlaufen, sagt er. «Ich habe ganz tolle, motivierte und sehr interessierte Menschen kennen gelernt. Ihre Leistungsstärke überraschte mich: Wir konnten Gerichte kochen, von denen ich vorher selber nicht geglaubt habe, dass das möglich ist.» Das angestrebte Ziel des eidgenössischen Berufattests sei durchaus erreichbar. «Ich freue mich auf den 2. Fachkurs im Februar», sagt Lachmaier.

An den bestehenden Fachkursen wird festgehalten. Doch soll In Zukunft die Möglichkeit geschaffen werden, Lernende aus mehreren Branchen gemeinsam zu beschulen. Damit soll laut Spöring der Unterricht flexibler gestaltet werden.Die Erfahrung habe gezeigt, dass man auch dann noch vom Bund unterstützt werde. Und es gibt noch weitere Zukunftspläne: Nebst der Gastrobranche, die bereits sehr viele Plätze anbietet, wolle man die Autobranche und die Gleisbauer mit ins Boot holen. Bei letzteren sind die Pläne bereits konkret: Ab dem neuen Schuljahr 2019/20 werden Praktikumsplätze im Beruf der Gleisbauer angeboten.

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