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LUZERN: Berufsziel katholische Pfarrerin

Jacqueline Straub studiert an der Universität Luzern Theologie. Sie setzt sich für ein neues Frauenbild in der katholischen Kirche ein.
Charmant und gebildet: Jacqueline Straub – hier in der Jesuitenkirche Luzern – kämpft für die Gleichstellung unter Katholiken. (Bild Boris Bürgisser)

Charmant und gebildet: Jacqueline Straub – hier in der Jesuitenkirche Luzern – kämpft für die Gleichstellung unter Katholiken. (Bild Boris Bürgisser)

Habe ich das richtig vernommen, Sie wollen katholische Pfarrerin werden?

Jacqueline Straub*: Ja, das stimmt. Ich habe ein Brennen in meinem Herzen, und das habe ich bereits seit meiner Jugend. Der innere Wunsch hat sich langsam entwickelt, immer mehr Form angenommen. Heute weiss ich: Ich bin zur Priesterin berufen. Ich kann es nur nicht leben.

Wie haben Sie das erfahren?

Straub: Ich war zirka 15 Jahre alt, als ich die Berufung das erste Mal spürte. Wir sind mit meiner Familie umgezogen, und ich habe neue Freunde gefunden. Meine beste Freundin gehörte einer Freikirche an. Durch sie habe ich mit Gebeten den intensiven Glauben zu Gott gefunden. Mein damaliger und gleichzeitig erster Freund war Katholik. Durch ihn habe ich mein Interesse und meine Leidenschaft für die katholische Kirche entwickelt.

Und jetzt wollen Sie katholische Pfarrerin werden. Selber Katholik, behaupte ich mal: ein Ding der Unmöglichkeit. Eher gefriert das Mittelmeer.

Straub: Wenn es ein Ding der Unmöglichkeit wäre, würde ich mich nicht dafür einsetzen. Ich studiere Theologie. Daher weiss ich, dass in der Kirche immer wieder Veränderungen möglich waren. Niemand hätte vor 1962 gedacht, dass das Zweite Vatikanische Konzil solch eine Erneuerung in der katholischen Kirche ermöglicht. Damals wurde die Kirche auf eine ganz neue Fährte gelenkt, ohne den Kern des Glaubens zu verlieren. Darum glaube ich, dass dies auch künftig funktioniert.

Sie könnten es einfacher haben. Warum wechseln Sie nicht zu den Christkatholiken oder den Protestanten, die kennen Priesterinnen?

Straub: Mein Herz brennt für die katholische Kirche, und ich habe diese Berufung zur römisch-katholischen Pfarrerin. Würde ich konvertieren, dann könnte ich den Beruf ausüben, aber meine wirkliche Berufung nicht leben. Ich bin mir aber bewusst: Mir steht ein steiniger Weg bevor.

Was fasziniert Sie an der katholischen Kirche, die deutlichst den Unterschied zwischen Mann und Frau sowie deren Karriere-Möglichkeiten aufzeigt?

Straub: Es ist das besondere Verständnis der Liturgie. Die Eucharistie ist mir sehr wichtig. Sie gibt mir viel Kraft. Hier besteht ein Unterschied zum Glaubensverständnis der Protestanten. Ich bin durch und durch katholisch; auch das Ämterverständnis der Kirche unterstütze ich. Ich habe kein Problem mit der Hierarchie: Diakon, Priester, Bischof, Papst – dies ist für mich nichts Schlechtes.

Sind es einfach die Rituale, die Ihnen gefallen? Die katholische Kirche gilt als «farbig und prachtvoll», während der Protestantismus von «zwinglianischer Schmucklosigkeit» geprägt ist.

Straub: Ja, die Rituale gefallen mir natürlich. Für mich bedeuten die sieben Sakramente sehr viel. Die katholische Liturgie ist etwas Wunderschönes, aber katholische Kirche ist für mich mehr als nur Rituale.

Zurück zu Ihrem Berufsziel: Wie wollen Sie dies erreichen?

Straub: Ha, mit Gottes Hilfe (lacht) ... Ich will vor allem mit Handeln weiterkommen – und mit Beten. Zum einen brauche ich aber ein gutes Theologie-Studium, um die Basis meiner Religion zu kennen. Ich muss die Argumente, die für das Frauen-Priestertum sprechen, beherrschen. Dann muss ich wissen, wo ich etwas ändern kann. Kirchenrechtlich sind nämlich Änderungen möglich. Die Dogmatik legt vor, wie der Glaube der katholischen Kirche ist. Das Kirchenrecht legt es rechtlich fest.

Im römisch-katholischen Kirchenrecht heisst es, «nur ein getaufter Mann kann zum Priester geweiht werden».

Straub: Genau da will ich als Theologin ansetzen. Bringe ich all meine guten Argumente für das Frauenpriestertum ein, dann ist eine Änderung des Kirchenrechts möglich. Neben den theologischen Kenntnissen brauche ich auch ein internationales Beziehungsnetz innerhalb der Kirche – nach Rom, aber auch nach Übersee. Ich bin längst nicht die Einzige, die eine Änderung wünscht. Es wird leider viel geschwiegen in der katholischen Kirche. Es gibt sehr viele Frauen, die sich zu Höherem berufen fühlen, die aber leider stumm bleiben. Es wurden auch schon Frauen von Bischöfen zu Priesterinnen geweiht. Sie wurden aber durch den Papst exkommuniziert. Das ist nicht mein Ziel. Ich will keinen Bruch mit der römisch-katholischen Kirche und kämpfe deshalb auf offiziellem Weg.

Sie haben einen Freund. Als Pfarrerin wäre da auch das Zölibat im Weg.

Straub: Ich denke, vor dem Frauenpriestertum fällt das Pflicht-Zölibat. Theologisch spricht nichts gegen die Aufhebung. Die Kirche ist unter Zugzwang. Ich bin sicher, dass das Zölibat fällt und die Kirche dem orthodoxen Modell folgt. Dies besagt, dass Priester vor der Weihe heiraten dürfen. Nur wenn jemand ledig Priester wird, muss er zölibatär leben. Ich freue mich auf die Ehe und wünsche mir Kinder. Auf jeden Fall.

Es gibt in allen Organisationen einen Chef, der bestimmt. In meinem Job ist das der Chefredaktor, in der Kirche Papst Franziskus. Stellen Sie mit Ihren Wünschen nicht die persönlichen Bedürfnisse über die gängige Praxis?

Straub: Machen das andere, zum Beispiel die Konservativen, in der Kirche nicht auch? Mein Einsatz ist keine Frage meines eigenen Interesses. Das Frauenpriestertum ist eine Frage der Menschenwürde und -rechte innerhalb der katholischen Kirche.

Derzeit deutet aber nichts darauf hin, dass das Zölibat fällt und Frauen zum Priestertum zugelassen werden.

Straub: Das stimmt wohl, aber Papst Franziskus kommt aus einem ganz anderen kulturellen Kontext, wie auch Johannes Paul II., der die Frauen über alles geschätzt hat. Er kam aus Polen, da gab es keinen Priestermangel. Entsprechend sah man kein Bedürfnis. Dies hat sich – zumindest in Westeuropa – geändert.

Dann braucht es Änderungen wegen des Priestermangels?

Straub: Das wäre ein schlechtes Argument. Man muss eine Lösung finden, für Länder, die keinen Priestermangel kennen. Das Frauenpriestertum muss aus Überzeugung erfolgen. Ich bin grosser Fan von Papst Franziskus. Er tut unserer Kirche gut und arbeitet daran, die verkrustete Machtstruktur aufzubrechen. Unter dem nächsten Papst dürfte auch eine offene Diskussion über das Zölibat und die Stellung der Frauen sowie des Frauenpriestertums möglich sein.

Interview Ernst Meier

Hinweis

* Jacqueline Straub (24) ist in Deutschland aufgewachsen und lebt heute in Muri AG. Sie studiert an der Universität Luzern Theologie. Jacqueline Straub gehört dem liberalen Flügel innerhalb der römisch-katholischen Kirche an. Privat hält sie sich mit Boxen fit.

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