LUZERN: Besetzern droht eine Anzeige

Eine Gruppe mit dem Namen Stella Matta besetzt seit Samstagnacht ein Haus an der Sternmattstrasse. Für den Besitzer sind es Einbrecher.

Gabriela Jordan
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Das besetzte Haus an der Sternmattstrasse 68 in Luzern (oben). Transparente zeugen von der Besetzung. (Bilder Gabriela Jordan)

Das besetzte Haus an der Sternmattstrasse 68 in Luzern (oben). Transparente zeugen von der Besetzung. (Bilder Gabriela Jordan)

Gabriela Jordan

Nur gut ein Monat ist seit der letzten Hausbesetzung in der Stadt Luzern vergangen. Ende April musste die Gruppe Gundula die besetzte Villa an der Obergrundstrasse 99 räumen. Nun ist ein weiteres Haus in der Stadt Luzern besetzt worden. Seit Samstagnacht ist eine Gruppe mit dem Namen Stella Matta in das leer stehende Einfamilienhaus an der Sternmattstrasse 68 gezogen. Ziel der Besetzer ist, das Haus «zu beleben», wie sie gestern mitteilten.

Das Anwesen befindet sich im ruhigen Sternmattquartier neben dem Alters- und Pflegeheim Perlavita Sternmatt an der Grenze zu Horw. Gestern betrachteten einige Spaziergänger verwundert die beschrifteten Leintücher, die vor dem Anwesen aufgehängt wurden. «Schau auf deine Rolex, es ist Zeit für Revolte» steht dort zum Beispiel. Einige der Besetzer vertrieben sich ihre Zeit rauchend auf dem Balkon des Nebenhauses. Für die Besetzung haben sie nicht das rötliche Haupthaus, sondern das kleinere daneben ausgewählt. «Aus Respekt», wie jemand auf dem Balkon sagt.

Gruppe Gundula wieder aktiv?

Eigentümerin des Hauses ist die Stiftung Margot und Jost Limmacher-Leo. Im Stiftungsrat sitzt unter anderem Peter Bachmann, der nach eigenen Angaben gestern Vormittag von der Luzerner Polizei über die Hausbesetzung informiert wurde. Dies widerspricht der Aussage der Hausbesetzer. Sie behaupten, die Stiftung zuvor selber informiert zu haben. Bachmann hat für das Vorgehen der Gruppe kein Verständnis: «Das sind Einbrecher, und es ist klar, dass wir von der Stiftung Strafanzeige erstatten.»

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Hausbesetzern um die gleichen Leute wie zuvor bei der Aktion Gundula an der Obergrundstrasse handelt. Denn auf dem Facebook-Profil von «Stella Matta» sind neben neuen Einträgen zu dieser Hausbesetzung auch ältere Einträge zu «Gundula» drin. Dies dementieren die Besetzer jedoch: «Das ist ein anderes Haus und eine andere Aktion», sagt einer. Seinen Namen oder Details über die Aktion will er unserer Zeitung nicht verraten.

Leeres Haus soll Familie gedenken

Somit bleibt vorerst ungeklärt, weshalb gerade dieses Haus für die Besetzung ausgewählt wurde. In ihrer Medienmitteilung schreibt die Gruppe indes, dass «diese Belebung als Widerstand gegen eine Stadtentwicklung zu verstehen ist, die nur wenigen zugutekommt.» Und: «Wir wollen eine Stadt, in der Freiraum nicht nur eine Floskel im Wahlkampf ist.»

Doch warum steht das Familienhaus überhaupt leer? Peter Bachmann vom Stiftungsrat zufolge war dies der Wunsch des verstorbenen Ehepaares Margot und Jost Limmacher-Leo. Im Testament halten sie fest, dass das Haus als «Andenken an die Familie» leer bleiben soll. Das Ehepaar verstarb im Jahr 2012.