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LUZERN: Betrüger wollen an Computerdaten

Fiese Masche: An­rufer geben sich als Microsoft-Mitarbeiter aus und wollen ein angebliches Computerproblem lösen. Doch um Hilfe geht es dabei ganz sicher nicht.
Cyril Areggermitarbeit Alexander von Däniken
In der Zentralschweiz sind Internetbetrüger erneut besonders aktiv. Sie versuchen mit falschen Vorgaben bei einem Telefongespräch Computernutzer aufs Glatteis zu führen. (Bild: Getty)

In der Zentralschweiz sind Internetbetrüger erneut besonders aktiv. Sie versuchen mit falschen Vorgaben bei einem Telefongespräch Computernutzer aufs Glatteis zu führen. (Bild: Getty)

Samstagmorgen, 8 Uhr. Bei Familie F.* klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist ein englisch sprechender Mann. Er sei von Microsoft in London, erklärt er mit indischem Akzent. Man habe festgestellt, dass der Explorer ein Problem habe, dies würde man gerne beheben. «Meine Frau fragte dann beim Anrufer nach, ob er wirklich von Microsoft sei. Dieser antwortete: Ja, er habe schliesslich auch unseren Microsoft-Code.» Für die Behebung des «Fehlers» sollte Frau F. das Programm Teamviewer installieren. Dieses erlaubt – bei entsprechender Autorisierung – den Fernzugriff Dritter auf den Computer. «Glücklicherweise war die Installation nicht ganz problemlos», erinnert sich Herr F. «Deshalb rief mich meine Frau zu Hilfe.»

F. schöpfte Verdacht, zumal der Anrufer nun plötzlich auch noch 10 Franken für eine angebliche Lizenzerneuerung verlangte. Man solle diese Gebühren über das Internet bezahlen. «Ich liess mir deshalb vom Anrufer seine Telefonnummer und Anschrift geben», erzählt F. «Während der Anrufer mich weiter mit technischen Details eindeckte, wählte ich auf einem zweiten Telefon die angegebene Nummer. Sie war falsch.»

«Hier ist etwas faul»

Für F. war nun klar: «Hier ist etwas faul.» Er legte den Telefonhörer auf, kappte die Internetverbindung und setzte den Computer anschliessend neu auf. «Wir haben wohl gerade noch rechtzeitig reagiert», sagt F. «Ich habe anschliessend in meinem Bekanntenkreis von diesem Anruf erzählt – mehrere Kollegen im Raum Luzern hatten in letzter Zeit ähnliche Anrufe erhalten.»

Auch bei der Luzerner Polizei weiss man von solch obskuren Anrufen. «Wir haben immer wieder Meldungen von Betroffenen, die noch im letzten Moment gemerkt haben, dass etwas nicht stimmt», sagt Simon Kopp, Kommunikationsverantwortlicher der Staatsanwaltschaft. Die letzte Meldung stamme von voriger Woche. «Das Vorgehen der Täter ist sehr perfid – die Täter wirken kompetent, freundlich und nie um eine Antwort verlegen», sagt Kopp. «Die Opfer werden vom Fachwissen der Täter geradezu überrollt.»

Misstrauen angebracht

Zu Anzeigen komme es aber sehr selten, da sich die potenziellen Opfer meist doch noch richtig verhalten würden. Doch auch wer wie die Familie F. richtig reagiert, könne den Anruf laut Kopp bei der Luzerner Polizei melden. «Aus Erfahrung wissen wir aber, dass die auf dem Display angezeigten Telefonnummern meist nirgendwohin führen.» Bei Anrufen von «Experten», die etwas am Computersystem machen wollen, rät Kopp grundsätzlich zu Misstrauen. Seriöse Computerfirmen wie Microsoft oder Apple nehmen nie von sich aus Servicekontakt auf und verlangen Fernzugriff auf einen Computer. Ist man dennoch unsicher, rät Simon Kopp Folgendes: «Keine Informationen preis­geben und erst die Telefonnummer verlangen. Diese kann man dann abchecken – oder man fragt zum Beispiel bei Microsoft Schweiz nach.»

Die Masche mit den Anrufen von angeblichen Microsoft-Mitarbeitern läuft bereits seit einigen Jahren. Die Betrüger versuchen mit den Anrufen, Zugang zu den Bankdaten der Opfer zu erhalten. Sie geben an, Servicegebühren kassieren oder Software verkaufen zu wollen. Haben sie Zugriff auf den Computer des Opfers, können die Täter Schadsoftware installieren, um sensible Daten aufzuzeichnen oder den Computer sogar mit einem Passwort zu sperren, sodass er für das Opfer unbrauchbar wird.

Vorsicht bei Wohnungsinseraten

Auch den Zuger Strafverfolgungsbehörden ist die Masche mit vermeintlichen Microsoft-Mitarbeitern schon länger bekannt, wie Mediensprecher Marcel Schlatter auf Anfrage bestätigt. Dabei gehe es meist um Beträge von wenigen hundert Euro oder Franken. Dies, damit wohl weniger Verdacht geschöpft wird, wie Schlatter vermutet. «Im Moment gibt es aber auch vermehrt Fälle von englischsprachigen Wohnungsinseraten, bei denen der angebliche Vermieter schon vor der Besichtigung oder Vertragsunterzeichnung eine Überweisung der Kaution verlangt.» Dabei handle es sich fast immer um günstige Wohnungen an attraktiven Lagen.

Bei der Kantonspolizei Schwyz sind in letzter Zeit ebenfalls die Betrugsmaschen der «Microsoft-Mitarbeiter» und der Wohnungsinserate aufgefallen, wie Mediensprecher David Mynall erklärt.

* Name der Redaktion bekannt.

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