LUZERN: Blumen und Früchte für die Bahnreisenden

Früchte, Blumen und Souvenirs wurden am kleinen Kiosk des alten Luzerner Bahnhofs verkauft. Chinesische Schnellspeisen waren dort 1939 noch unbekannt.

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Im neuen Bahnhof, der in den 1990er-Jahren errichtet wurde, gibt es nun Fast Food für die Pendler. (Bild: Dominik Wunderli)

Im neuen Bahnhof, der in den 1990er-Jahren errichtet wurde, gibt es nun Fast Food für die Pendler. (Bild: Dominik Wunderli)

Im neuen Bahnhof, der in den 1990er-Jahren errichtet wurde, gibt es nun Fast Food für die Pendler. (Bild: Dominik Wunderli)

Im neuen Bahnhof, der in den 1990er-Jahren errichtet wurde, gibt es nun Fast Food für die Pendler. (Bild: Dominik Wunderli)

Das Foto hat Max Albert Wyss im Juli 1939 im Luzerner Bahnhof geschossen. Bei der kantonalen Stiftung Fotodokumentation vermutet man, der Kiosk habe seinen Platz auf der Höhe von Gleis drei in der Nähe des Ausgangs zur Zentralstrasse gehabt. Wahrscheinlich ist es Zufall, dass unser historisches Bild etwas düster daherkommt. Doch es passt durchaus in diese Zeit: Im Sommer 1939 herrschte in Europa Kriegsangst, der Zweite Weltkrieg warf seine Schatten voraus.

Angebot für lange Reisen

Die Bahnhofkioske hatten ihr Angebot in der Vorkriegszeit in erster Linie auf Reisende ausgerichtet, die lange unterwegs waren. Mit dem Zug zur Arbeit pendeln war damals der Ausnahmefall, denn man wohnte in der Regel dort, wo man arbeitete. Luzern war in dieser Zeit eine wichtige Station auf der europäischen Nord-Süd-Achse, von Norden her war die Innerschweizer Metropole die letzte grössere Stadt (damals rund 54 000 Einwohner) vor dem Gotthardtunnel. In den Schoss gefallen ist diese Rolle der Stadt nicht, sie hatte im 19. Jahrhundert hart dafür gekämpft. Das hat sich für lange Zeit in das Bewusstsein eingegraben. «Den Männern und den politischen Parteien, die sich für die Eisenbahnen eingesetzt haben, wollen wir heute danken», schrieb etwa 1952 der damalige Stadtpräsident Max S. Wey im «Luzerner Tagblatt». Am 5. Februar 1971 brannte der Bahnhof fast vollständig aus, und später verlor er seine Bedeutung als wichtige Station auf der Gotthardstrecke.

Schnellkost für die Pendler

Heute bevölkern rund 60 000 Personen täglich den in den 1990er-Jahren neu errichteten Bahnhof. Die meisten von ihnen sind nicht mehr Reisende, die von einem Land zum andern unterwegs sind, sondern Pendler. Auf ihre Bedürfnisse ist das heutige Angebot ausgerichtet. Blumen und Früchte spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle. Alles, was schnell gekauft und gegessen ist, verspricht Umsatz: Egal, ob chinesische Nudeln, Sandwiches oder Macchiato. Für die SBB sind diese Läden zahlungskräftige Pächter. Was denn auch der Grund ist, warum sie bald mit ihrem Service-Center in die Räume des bisherigen Bahnhof-Restaurants zügeln, um in der Unterführung mehr Platz für Stände und Läden zu schaffen.

Der Kiosk im alten Bahnhof Luzern, fotografiert im Jahr 1939. (Archivbild Max Albert Wyss/Stiftung Fotodokumentation Kanton Luzern)

Der Kiosk im alten Bahnhof Luzern, fotografiert im Jahr 1939. (Archivbild Max Albert Wyss/Stiftung Fotodokumentation Kanton Luzern)