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LUZERN: Bocciaclubs schmeissen Pächter wegen Wirtesonntag raus

Drei Bocciavereine trainieren seit 2009 auf der Allmend. So lange führt das Ehepaar Wegmüller das Restaurant Pallino im ­gleichen Gebäude. Nun wurde ihnen gekündigt. Weil sie nur noch sechs statt sieben Tage offen haben, kommt es zum Rechtsstreit.
Die Pächter des «Pallino Allmend» , im Hintergrund die Bocciabahnen: Erna und Marcel Wegmüller wollen die Kündigung nicht akzeptieren und fechten den Entscheid an. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 28. September 2017))

Die Pächter des «Pallino Allmend» , im Hintergrund die Bocciabahnen: Erna und Marcel Wegmüller wollen die Kündigung nicht akzeptieren und fechten den Entscheid an. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 28. September 2017))

«Ich weiss nicht warum, aber die wollen uns loswerden», sagt Marcel Wegmüller (61). Mit «die» meint der passionierte Wirt die drei Luzerner Bocciavereine, die sich zur Dachorganisation Bocciodromo Allmend Luzern (BAL) zusammengeschlossen haben.

Ende Oktober 2009 nahmen die Clubs am Schäferweg 21 ein neues Gebäude in Betrieb. Die Stadt Luzern stiftete als Eigentümerin 3,5 Millionen Franken bei, die drei Vereine zahlten 400 000 Franken und sind für den Betrieb verantwortlich. So auch für das öffentliche Restaurant Pallino Allmend, das Marcel und Erna Wegmüller seit der Eröffnung ­gepachtet haben. Doch seit geraumer Zeit ist Feuer im Dach.

«Bis auf weiteres bleiben wir hier»

Den Wegmüllers wurde der Vertrag gekündigt. Die Begründung: «Nichteinhaltung der vereinbarten Öffnungszeiten», wie es im Kündigungsschreiben heisst. Der Hintergrund: Schon seit Jahren fordern die Wegmüllers einen Ruhetag für sich. Statt siebenmal die Woche möchten sie nur noch sechsmal das Restaurant öffnen – einen sogenannten «Wirtesonntag» einziehen, wie es in der Branche gang und gäbe ist. Deswegen wurde schon einmal, am 22. Februar 2014, der Pachtvertrag angepasst. Damals gab Wegmüller noch nach – man entschied sich für folgende Vertragsergänzung: Das Restaurant hat sieben Tage geöffnet – «diese Regelung gilt bis mindestens Ok­tober 2016». Nach Ablauf des Datums wurde Wegmüller bei den BAL-Verantwortlichen vorstellig. Doch die Verhandlungen scheiterten. Also entschied er sich diesen Juni, in Eigenregie ­einen Ruhetag einzuführen. Seither steht beim Eingang des Restaurants ein Schild: «Montag ist für das Pallino-Team Ruhetag.» Die Antwort kam postwendend in Form eines Kündigungsschreibens. Jedoch wurde der Brief nicht auf einem amtlich genehmigten Formular verfasst – und war folglich ungültig. Das zweite Schreiben – dieses Mal formell korrekt – fand Wegmüller wenig später im Briefkasten. Demnach muss er das Restaurant im Sommer 2018 verlassen. Doch akzeptieren will der Wirt die Kündigung nicht. «Ich fechte den Entscheid an», sagt er. «Wir haben Freude hier, und es läuft nicht schlecht mit dem Restaurant.» Im Sommer kämen viele Spaziergänger auf die Terrasse, er habe sich eine Stammkundschaft aufbauen können. «Im März werde ich 62 Jahre alt. So was gebe ich kurz vor meiner Pensionierung nicht auf. Bis auf weiteres blei­-ben wir hier», sagt Wegmüller. Schliesslich habe er eine Verantwortung für seine Familie, die drei Festangestellten und drei Aushilfskräfte. «Klar ist aber, dass wir nicht sieben Tage die Woche öffnen können. Einerseits bin ich nicht mehr der Jüngste, und andererseits lohnt sich das aus wirtschaftlicher Sicht nicht.»

Er habe mehrfach mit den BAL-Verantwortlichen nach Lösungen gesucht, so Wegmüller, der seit 1989 wirtet. «Geht es nach mir, können die Vereinsmitglieder montags jeweils selber das Gebäude aufschliessen und ihre Bocciabahnen benutzen.» Doch auf sein Angebot ging man nicht ein. Man beharrt darauf, dass das Restaurant geöffnet hat. Er sei weiterhin für Gespräche bereit, so Wegmüller weiter. Ein juristisches Verfahren sei nicht sein Ziel.

Doch dazu dürfte es kommen. Die Schlichtungsstelle Miete und Pacht wird sich mit dem Fall beschäftigen – und darüber befinden, ob ein Vertragsbruch vorliegt. «Im Vertrag steht, dass das Restaurant sieben Tage offen haben muss. Es ist der Wille der Generalversammlung, an der Kündigung festzuhalten», sagt Alois Bucher, Präsident von Bocciodromo Allmend Luzern. Zudem habe es schon vor der Kündigung Probleme gegeben. Einerseits gab es im Restaurant viele Personalwechsel, andererseits hätten sich einige Clubmitglieder vom Wirtepaar nicht gut behandelt gefühlt. Übrigens: Die Stadt Luzern als Eigentümerin des Gebäudes hält sich aus den Streitereien raus und hat auf Bitten hin von Wegmüller eine Beteiligung an den Gesprächen abgelehnt. Mit dem Verweis, dass für den Betrieb die BAL zuständig ist.

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

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