Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Branchenmix in der Innenstadt: «Grosses Wehklagen ist kontraproduktiv»

Der Branchenmix in der Innenstadt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert – viele einheimische Betriebe mussten schliessen. Doch nicht alle in der Altstadt haben Angst vor der Mall of Switzerland.
Hugo Bischof
Veränderung im Branchenmix in der Altstadt seit dem Jahr 2000. (Bild: Lea Siegwart)

Veränderung im Branchenmix in der Altstadt seit dem Jahr 2000. (Bild: Lea Siegwart)

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Die Eröffnung des neuen Einkaufszentrums Mall of Switzerland verzögert sich wegen zusätzlicher Umbauarbeiten um einen Monat (Ausgabe vom 18 März). Ein kleiner Aufschub für viele Luzerner Detailhändler, welche die Konkurrenz des künftigen zweitgrössten Konsum- und Erlebniscenters der Schweiz fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Anfang November aber dürfte die Mall ihre Türen definitiv öffnen. Was bedeutet das für die regionale Geschäftswelt?

Ein Blick auf die Luzerner Innenstadt zeigt: Hier hat sich der Branchenmix vor allem in der Altstadt in den vergangenen Jahren stark verändert. Viele bisherige Spezialitätengeschäfte mussten schliessen und machten meist Uhren- und Kleidergeschäften grösserer Ketten Platz (siehe Grafik). Die Gründe sind vielfältig: verändertes Einkaufsverhalten der Kunden, zu teure Mietpreise in den meist in Privatbesitz befindlichen Altstadt-Liegenschaften, Konkurrenz durch den Online-Handel.

«Hinter jeder Schliessung steht eine Geschichte»

Ein Kenner der Materie ist Pierre Rügländer, seit vielen Jahren Präsident des Quartiervereins Altstadt sowie Ehrenmitglied der City-Vereinigung Luzern. «Hinter jeder Geschäftsaufgabe steht eine Geschichte», sagt er. Das Silberlädeli an der Gerbergasse etwa, das per Ende Mai seine Türen schliessen wird, ist im Besitz des gleichen Inhabers, dem auch das Goldgeschäft etwas weiter vorne Richtung Schwanenplatz gehört, welches weitergeführt wird. Rügländer: «Man schaut natürlich, an welcher Lage ein Geschäft am besten rentiert.»

Bei der Rigi-Apotheke am Grendel, die Ende Februar schloss, habe die Uhrenfirma Embassy schon seit Jahren eine Mietoption gehabt, so Rügländer. Und beim Grabe Märt an der Grabenstrasse, der 2007 zuging, sei es letztlich eine Frage des Angebots gewesen: «Die Marktkraft der grossen Supermarkt-Ketten ist heute einfach zu gross. Die Migros bietet heute alles an, im Fischbereich etwa vom edelsten Lachs bis zum günstigsten Pangasius – und das erst noch in bester Traiteur-Qualität. Da kann ein kleiner Spezialitätenladen kaum mehr mithalten.» Dazu komme das Bahnhof-Shopping, das ebenfalls ein riesiges Sortiment anbiete und längere Öffnungszeiten habe. Dort kommt gemäss Rügländer hinzu, dass man für den grossen Lebensmittel-Einkauf heute oft ein Auto brauche – «und da gibts im Bahnhof-Parking das entsprechende Angebot».

Ihn interessiere nicht in erster Linie, «was zugeht», sagt Rügländer, «sondern was danach kommt». «Das grosse Wehklagen wegen der künftigen Konkurrenz in Ebikon ist kontraproduktiv.» Damit mache man doch nur beste Werbung für die Mall of Switzerland. Die Stadt müsse sich auf ihre Stärken besinnen, sagt Rügländer. Dazu zählt er den Standort mit seiner «wunderbaren Altstadtkulisse und dem Ausblick auf See und Berge». Auch die Individualität, die fachliche Beratung und die Vielfalt der Geschäfte sei trotz geändertem Branchenmix nach wie vor da: «Wir müssen einfach etwas grossräumiger denken; auch die Geschäfte in der Neustadt und der Kleinstadt gehören zu unserem engeren Einzugsgebiet.»

Wichtig sei auf der anderen Seite aber auch, dass die Stadt «die verkehrsmässigen Einschränkungen kleinhält». Rügländer: «Die Innenstadt Luzern muss für alle erreichbar sein.»

Stadt muss als Ganzes auftreten

«Wir müssen eine Vision entwerfen, wohin sich die Stadt entwickeln soll», sagte Heinz Bossert, Präsident des Luzerner Detaillistenverbands, schon im Januar 2016 in unserer Zeitung. Die Stadt Luzern müsse als Ganzes auftreten. Um die Ansprüche und Interessen der Nutzer der Luzerner Innenstadt zu koordinieren, gründete der Stadtrat im April 2016 das Forum Attraktive Innenstadt. In Workshops mit Detaillisten und Fachleuten sollen Handlungsansätze erarbeitet werden.

Eine vom Stadtrat in Auftrag gegebene Detailhandelsstudie liegt inzwischen vor. Sie kommt zum Schluss, dass der Branchenmix in Luzerns Innenstadt nicht so schlecht ist, wie immer gesagt wird, vor allem wenn man die Geschäfte in der Neu- und Kleinstadt mit einberechne. Gerade hier gingen aber in letzter Zeit ebenfalls einige alteingesessene Spezialitätenläden zu – die Metzgerei Kauffmann an der Stadthausstrasse, das Fachgeschäft für Küche und Kochen Grüter-Suter an der Hirschmattstrasse 8 und die Pfistergass-Metzg an der Pfistergasse 23 (siehe Kasten).

Um die Attraktivität der Innenstadt zu stärken, schlägt die Detailhandelsstudie unter anderem folgendes vor:

  • Einrichtung von schönen Aussenräumen, die zum Verweilen einladen, «so dass Einkaufen zum Erlebnis wird».Als Paradebeispiel für einen guten «Verweilort» gilt der Mühlenplatz.Potenzial gibt es bei der Bahnhofstrasse, beim St.-Karli-Quai und beim Bundesplatz.
  • Das Ermöglichen einer «einfachen Orientierung», etwa mittels Smartphone-App oder digitalen Stadtplänen, auf denen die Läden eingezeichnet sind.
  • Schaffung von «flexiblen Logistiklösungen, wo Einkäufe gelagert oder abgeholt werden können, zum Beispiel Logistikboxen».

Die City-Vereinigung Luzern nimmt diesen Ball nun auf. So will sie ab Sommer einen Hauslieferdienst anbieten. Wer in einem Geschäft in der Stadt Luzern etwas einkauft, kann sich die Einkäufe per Elektroroller nach Hause liefern lassen (Ausgabe vom 22. März).

Hinweis: Die Detailhandelsstudie der Stadt Luzern »

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.