Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LUZERN: Buchhalter schuldet Gläubigern Millionen

Ein Treuhänder schönte seine Buchhaltung, indem er Verpflichtungen gegenüber Darlehensgebern nicht auswies. Damit verhinderte er den Konkurs seines Unternehmens und konnte weiter gutgläubige Kunden über den Tisch ziehen.
Thomas Heer
Symbolbild: Abgepackte Schweizer Geldnoten. (Symbolbild/Keystone/Martin Ruetschi (31. Dezember 2015))

Symbolbild: Abgepackte Schweizer Geldnoten. (Symbolbild/Keystone/Martin Ruetschi (31. Dezember 2015))

Ein Unternehmer aus dem Kanton Schwyz beschreibt seinen ehemaligen Geschäftspartner mit diesen Worten: «Im Anzug sieht er seriös und vertrauenserweckend aus.» Das ist die Krux mit diesen Männern, gewandet in feines Tuch. Sie erwecken beim Gegenüber den Anschein von Aufrichtigkeit. Kaum einer vermutet hinter der makellosen Fassade betrügerische Abgründe. Diese Blender unterscheiden sich äusserlich fundamental von hartgesottenen Gewaltverbrechern vom Schlage eines Mafiosi wie Ernesto Fazzalari, dem selbst im Vollrausch kaum jemand nur schon ein Occasionsauto abkaufen würde. So kam es, dass der Schwyzer Firmeninhaber dem Luzerner Finanzberater, Treuhänder und Buchhalter 60 000 Franken überwies. Es ging angeblich um die treuhänderische Abwicklung eines Geschäftes, das über die Firma des Luzerners laufen sollte.

Und zwar handelte es sich offenbar um die Vorfinanzierung von sogenannten Schaufel­rädern. Dieser Deal sollte zwischen den Tochtergesellschaften des Schweizer Technologiekonzerns ABB in Italien und Österreich durchgeführt werden.

Verpflichtungen von über 4 Millionen Franken

Das Geschäft kam aber nie zu Stande. Und so wartet der Schwyzer noch heute auf rund 50 000 Franken. Ein Teil der Schulden konnte beglichen werden, indem der Luzerner Buchhalter als Privatperson betrieben wurde. Unter anderem spülte die Veräusserung eines Luxusmotorrades der Marke Harley-Davidson etwas Geld in die Kasse. Mit dem Fall des Luzerner Unternehmers befasst sich mittlerweile die Staatsanwaltschaft. Ermittelt wird wegen Verdachts auf Betrug, Veruntreuung und Urkundenfälschung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Erhellend ist, was im dreissig-seitigen Schlussbericht der Luzerner Polizei vom vergangenen April zum Fall nachzulesen ist. So heisst es etwa: «Per 31. 12. 2013 bestanden gemäss Darlehensverträgen, Vereinbarungen und ‹Anlage-Bestätigungen› Verpflichtungen der (...) AG in der Höhe von CHF 4 068 172.70.» Diese Schulden wies der Luzerner Unternehmer in seinen Büchern aber nicht aus. Längst hätte er aufgrund der Überschuldung einen Richter benachrichtigen sollen, um mit diesem Schritt den Konkurs einzuleiten. Der Firma des Luzerners wurde dann erst am 18. Juni 2014 der Stecker gezogen. Der Treuhänder hat aber längst eine neue Firma gegründet, übrigens an derselben Adresse wie die Vorgängerfirma.

Bereits vor Jahren für Wirbel gesorgt

Bei der Einvernahme bestätigte der Luzerner Buchhalter, die Finanzlage seiner Firma falsch dargestellt zu haben, indem er die realen Verbindlichkeiten nicht in der Jahresrechnung aufführte. Der Beschuldigte spricht auch von «Flämmchenpolitik». Darunter versteht der Finanzjongleur etwa Folgendes: Er verschaffte sich von überallher immer wieder frisches Geld, um immerzu bestehende Löcher zu stopfen, das heisst, Gläubiger zu bedienen. Zu den Vorwürfen mochte sich der Angeschuldigte am Telefon nicht äussern. Er wunderte sich einzig, wie die Redaktion in den Besitz des Schlussberichtes der Luzerner Polizei kam. Er selber habe das Dokument, so behauptet er, noch nie zu Gesicht bekommen.

Der Financier scheint in der Gesellschaft gut verankert zu sein. So tritt er mit seiner neuen Firma zum Beispiel als Sponsor eines lokalen Fussballvereins auf. Auch karitativ blieb der Mann in der Vergangenheit nicht untätig. Einer Weihnachtsaktion liess er im Namen seines mittlerweile pleitegegangenen Vorgängerunternehmens 300 Franken zukommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Mann aus Luzern für gehörigen Wirbel sorgt. In einem anderen Fall ging es um einen Schmiergeldskandal zwischen der ABB und einem deutschen Autohersteller. Im Zentrum der Ermittlungen stand Ende der 1990er-Jahre der Geschäftsmann, wie die «Sonntagszeitung» damals schrieb. Oder im Jahr 2002 schrieb die Wirtschaftszeitung «Cash», dass das deutsche Bundeskriminalamt zwei Spitzen­ermittler in der Schweiz entsandte. Die Experten machten auch Station in Luzern und beschlagnahmten beim Treuhänder Dokumente. Es ging dabei um Zahlungen von ABB-Gesellschaften. Einer der Experten sagte gegenüber «Cash»: «Für die Zahlungsabwicklung wurden Gefälligkeitsrechnungen geschrieben.»

Thomas Heer

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.