LUZERN: Chailly will Lucerne Festival Orchestra neue Perspektiven geben

Dirigent Riccardo Chailly möchte dem Lucerne Festival Orchestra ein neues Repertoire erschliessen. Das Orchester, das unter Claudio Abbado mit Mahler und Bruckner brillierte, solle seine Virtuosität auch in anderen Richtungen zeigen können, sagte Chailly am Montag.

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Riccardo Chailly. (Bild PD)

Riccardo Chailly. (Bild PD)

Er wolle dem Festivalorchester eine Perspektive und die Möglichkeit geben, auch neue Herausforderungen anzugehen, sagte der 63-jährige italienische Maestro an einem von Lucerne Festival organisierten Podium.

Chailly wird dieses Jahr erstmals das Luzerner Festivalorchester dirigieren. Er kündigte an, dass nach einer Zeit des Kennenlernens auch vermehrt zeitgenössische Musik ins Repertoire aufgenommen werden solle. Er brachte die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit dem Komponisten Wolfgang Rihm ins Spiel, der neu die Lucerne Festival Academy leitet.

Chailly und das Lucerne Festival Orchestra werden am 12. August 2016 Lucerne Festival im Sommer mit Gustav Mahlers «Sinfonie der Tausend» eröffnen. Damit wird der von dem 2014 verstorbenen Claudio Abbado unvollendet hinterlassene Luzerner Mahler-Zyklus beendet.

2017 wird Chailly neue Schwerpunkte setzen. Ein Werk, das dann gespielt wird, ist Gioachino Rossinis «Edipo a Colono», eine Rarität, die für Chaillys Suchen nach Neuem im klassischen Repertoire steht. Insgesamt wird Chailly mit dem Orchester drei Programme präsentierten.

Neu mit Musikern der Scala

Dem Lucerne Festival Orchester gehören Solisten und Kammermusiker, Musikprofessoren, Stimmführer sowie Mitglieder des Mahler Chamber Orchestra an. Neu werden Musiker des ebenfalls von Chailly geleiteten Orchesters der Mailänder Scala angehören.

Chailly war erstmals 1988 in Luzern am Dirigentenpult gestanden und hat dort seither drei Dutzend Mal das Royal Concertgebouw Orchestra und das Gewandhaus Leipzig dirigiert. Festival-Intendant Michael Haefliger sagte am Podium, Chailly suche als Dirigent stets das Ultimative. Seine Konzerte seien stets weit über dem Durchschnitt.

Chailly sagte, dass beim Einstudieren von Werken Disziplin und Präzision unabdingbar seien. Notwendig sei aber auch der Respekt innerhalb des Orchesters und das gegenseitige Zuhören. Er sei, wenn die Zeit dazu reif sei, auch bereit, den Musikern Freiheiten zu lassen.

Zeit nehmen im Konzertbetrieb

Zur Arbeit von Chailly gehört auch die tiefe Analyse der Partituren. Abbado sei hierbei für ihn ein Vorbild gewesen, sagte Chailly, der in jungen Jahren dessen Assistent an der Scala gewesen war. Obwohl sie Freunde geworden seien, sei für ihn Abbado die Referenz geblieben.

Auf diese Gemeinsamkeit zwischen Abbado und Chailly nahm auch Haefliger Bezug. Abbado habe sich wochenlang auf ein Konzert vorbereiten können, sagte er. Chailly suche diese Tiefe ebenfalls. Dies sei im heutigen Konzertbetrieb eher unüblich, sei aber nötig, um den Zugang zu einem Werk zu finden.

sda