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LUZERN: Dachdecker hinterlässt undichte Stellen

Ein grosser Thurgauer Dachdeckerbetrieb war auch in der Region Luzern aktiv. Die Arbeiter logierten unter der Woche in Hotels. Die dadurch entstandenen Kosten wurden aber nur teils beglichen.
Thomas Heer
Die Baudirektion Uri kündigt für die nächsten Wochen Bauarbeiten an der Morgartenstrasse in Oberägeri an. (Symbolbild LZ)

Die Baudirektion Uri kündigt für die nächsten Wochen Bauarbeiten an der Morgartenstrasse in Oberägeri an. (Symbolbild LZ)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Das Positive vorweg: Während des Einsatzes auf einer Grossbaustelle im Kanton Luzern gewährte die MD Müller Dach AG aus dem thurgauischen Riedt bei Erlen ihren Mitarbeitern Schlafgelegenheiten in Hotels der Region. Verschont von der hektischen Pendlerei via Autobahn zwischen der Ost- und der Zentralschweiz, blieb den Arbeitern somit mehr Ruhezeit.

So nächtigten die MD-Müller-Leute auch in einem Hotel im Zentrum der Stadt Luzern. Es waren um die zehn Personen, die während Wochen im Haus untergebracht waren. Der Hotelier erinnert sich: «Ich liess diese Gäste zu einem Spezialpreis logieren. Anfänglich wurde auch bezahlt. Später wurde es schwierig. Ich wurde immer wieder vertröstet, das Geld werde zu einem späteren Zeitpunkt noch eintreffen. Bis heute aber ging in dieser Angelegenheit nichts mehr.»

Ein Schuldenberg in Millionenhöhe

Die ersten Anzeichen, dass bei der MD Müller Dach AG etwas nicht mehr ganz koscher war, vernahm der Hotelbesitzer von seinem Servicepersonal. Der Gastrounternehmer erzählt: «Ich habe mich dann beim Firmenmanagement im Thurgau erkundigt und gefragt, was los sei.» Die Antwort, die der Luzerner Hotelier erhielt, lautete angeblich so: «Haben Sie das Gefühl, wir können nicht mehr bezahlen?» Die se Frage muss der Hotelier heute leider bejahen. Denn obwohl seit dem Hotelaufenthalt inzwischen Monate vergangen sind, hat er vom Dachdeckerbetrieb für die Restschuld bis heute keinen Rappen gesehen. Und das sind immerhin 16 612.20 Franken. Resigniert stellt er fest: «Ich mache mir nichts vor. Ich werde in diesem Fall in die Röhre gucken.»

Mit dieser Einschätzung liegt der Mann leider wohl richtig. Denn ein Blick in einen Betreibungsregister-Auszug vom vergangenen März zeigt, dass der Schuldenberg der MD Müller Dach AG in beachtliche Höhe angestiegen ist, nämlich auf mehr als 8 Millionen Franken.

Unter den Gläubigern findet sich neben dem Stadtluzerner Hotelier auch ein Branchenkollege aus dem Rontal. Diese Firma betreibt den Ostschweizer Dachdecker über 27 721 Franken. Vom Rontaler Management ist Folgendes zu erfahren: «Bei uns waren Arbeiter untergebracht. In einer ersten Phase kam das Geld bei uns herein. Von einem gewissen Zeitpunkt an passierte nichts mehr, und wir blieben auf den Rechnungen sitzen.»

Firmenchef liebt die hochpreisigen Sportwagen

Unter den Gläubigern befindet sich auch ein Ehepaar aus Adligenswil, das den Handwerkerbetrieb über 13 020 Franken betreibt, sowie eine Investmentfirma aus Cham, die 530 000 Franken einfordert. Wie hoch die Schulden der MD Müller Ende Juli genau sind, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Im Unternehmen, über das ein Gericht die provisorische Nachlassstundung verhängte, hat heute ein Sachwalter das Sagen. Dieser aber ist ferienabwesend und war diese Woche für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aber wie konnte es bei der MD Müller so weit kommen? Ein Unternehmen, das im Thurgau während Jahren das grösste seiner Art war und einst um die 100 Angestellten beschäftigte. Der Inhaber der Firma, Beat Müller, ist via Festnetz-Nummern nicht mehr erreichbar. Übers Handy beantwortet er die Frage nach dem Grund des Niedergangs seines Unternehmens wie folgt: «Das sind wir jetzt noch am Analysieren.» Und auf die Frage, ob sich der Konkurs noch abwenden lasse, antwortet Müller sinngemäss: Das werde sich in naher Zukunft zeigen.

Wer sich im Thurgau umhört und sich nach der Person von Beat Müller erkundigt, bekommt unter anderem zu hören, dass es sich bei diesem Mann eigentlich um einen guten Unternehmer handle, der sich zumindest früher auch gegenüber Bekannten immer wieder grosszügig zeigte. Zudem habe der Dachdecker-Unternehmer ein Faible für teure Sportwagen italienischer, englischer und deutscher Herkunft. Auch liebe er den Golfsport, der ihn regelmässig nach St. Moritz führe.

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