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LUZERN: «Damit muss ich jetzt halt einfach leben»

Der ehemalige Chef der Luzerner Kantonalbank, Bernhard Kobler, arbeitet jetzt als Berater. An die Sex-Affäre, die ihn als Banken-CEO zu Fall brachte, wird er nur noch selten erinnert – es sei denn, er gibt seinen Namen auf Google ein.
Pascal Imbach
«Ich stehe zu meiner Vergangenheit.» Bernhard Kobler, ehemaliger LUKB-Direktor (Archivbild Nadia Schärli)

«Ich stehe zu meiner Vergangenheit.» Bernhard Kobler, ehemaliger LUKB-Direktor (Archivbild Nadia Schärli)

Sucht man im Internet nach «Bernhard Kobler» präsentieren einem die Suchmaschinen höchst unerfreuliche Schlagzeilen. Der oberste Treffer auf Google beispielsweise lautet: «Nach Affäre mit Ex-Dirne: LUKB-Chef Kobler geht!» Scrollt man nach unten, wirds nicht viel erbaulicher. Immer wieder trifft man auf das dunkelste Kapitel aus dem Leben des einstigen Luzerner Vorzeigebankers. Nicht nur Boulevard-Blätter, sondern auch Branchenseiten wie das Zürcher Finanzportal «Inside Paradeplatz» betiteln Kobler in ihren Beiträgen als «Skandal-CEO».

Die bösen Titel stehen über der Geschichte, die vor rund eineinhalb Jahren publik wurde: Damals kam aus, dass der verheiratete Familienvater während knapp einem Jahr eine aussereheliche Affäre zu einer rund 20 Jahre jüngeren Brasilianerin unterhielt, aus der letztlich ein Sohn hervorging. Auch von mutmasslichen Druckversuchen Koblers, seine ehemalige Geliebte zu einem Schwangerschaftsabbruch zu bewegen, ist zu lesen. Unter dem Druck der Öffentlichkeit trat Kobler Ende Januar 2014 per sofort als LUKB-Chef zurück.

Alle Verfahren abgeschlossen

Heute arbeitet Kobler, der demnächst 58 wird, als selbstständiger Berater. Ende 2014 hat er die B. Kobler Consulting GmbH gegründet, die an seinem Wohnsitz in Meggen gemeldet ist. «Ich habe mir ein Home-Office eingerichtet, für meine Mandate brauche ich keine teuren, externen Büroräumlichkeiten», sagt Kobler im Gespräch mit der «Zentralschweiz am Sonntag». Der vierfache Familienvater ist froh, dass sich der mediale Sturm, der über die Weihnachtstage 2013 über ihn hereingebrochen war, wieder verzogen hat. Und, dass inzwischen wieder Ruhe in sein Privatleben eingekehrt ist. Die Auseinandersetzung mit der Ex-Geliebten wurde beidseitig und aussergerichtlich aus der Welt geschafft. Auch das Verfahren der Staatsanwaltschaft, das wegen angeblicher Nötigung und Erpressung von Amtes wegen gegen ihn eröffnet wurde, liegt seit Anfang Jahr ad acta. Es wurde definitiv eingestellt. «Zeit, endlich ein neues Kapitel aufzuschlagen», sagt Kobler. Seit 1. Mai ist der passionierte Hobbygolfer Stiftungsratspräsident der Luzerner Gemeinschaftsstiftung zur Erhaltung und Schaffung von preisgünstigem Wohnraum, kurz GSW. Hier kann der bestens vernetzte Geschäftsmann seine Beziehungen, seine Kontakte und sein Know-how voll ausspielen. Denn Kobler will die Zahl von derzeit 370 Genossenschaftswohnungen in den nächsten Jahren auf 450 erhöhen. «Das ist ein soziales Engagement, das mir sehr am Herzen liegt», sagt er. Mit «Imagepflege» habe das rein gar nichts zu tun.

Banken-Posten im Visier

Damit ist der Terminkalender des Mannes, der bei der LUKB rund eine Million Franken im Jahr verdiente, aber freilich noch nicht ausgefüllt. Bereits seit 2009 präsidiert er den Verwaltungsrat des Medizinalkonzerns B. Braun Medical, der in der Zentralschweiz in Sempach und Escholzmatt domiziliert ist. «Mein Ziel sind vier bis fünf Mandate in verschiedenen Branchen und Tätigkeitsbereichen», sagt Kobler. «Selbstverständlich strebe ich auch in der Finanzbranche nach einer entsprechenden Aufgabe», sagt Kobler, der einst an der ETH Zürich Agronomie studierte. «In diesem Bereich habe ich das grösste Wissen und die grösste Erfahrung. Es hat sich bislang aber noch nichts ergeben.» Dafür arbeitet Kobler bereits an weiteren Projekten. Eines davon ist zum Beispiel der Aufbau eines Alzheimer-Zentrums für Schweizer Patienten in der thailändischen Stadt Hua Hin. «Dieses Projekt ist aber erst in der Abklärungsphase, es braucht noch viel, um es zu realisieren.»

Kobler macht einen gelassenen Eindruck. Man merkt: Mit der «alten Geschichte», die ihm Spott und Häme einbrachte, hat der einstige Chef von 1000 Angestellten abgeschlossen. Dass er geschäftlich nun Neuland betritt, ist, wie er betont, aber kein «Notfallplan». Bei der LUKB hätte er als Direktor mit 61 in Pension gehen können. «Von dieser Möglichkeit hätte ich Gebrauch gemacht», sagt Kobler. Es sei nie sein Ziel gewesen, bis 65 zu bleiben. «Durch die Geschehnisse habe ich meine Selbstständigkeit nun halt etwas vorgezogen. Ich hatte immer den Plan, nach der LUKB etwas in die Richtung zu machen.»

In den Suchmaschinen verewigt

Dass nun jeder potenzielle Kunde oder Geschäftspartner im Internet auf die eingangs erwähnten Schlagzeilen trifft, amüsiert Kobler, der den militärischen Rang eines Oberst trägt, natürlich nicht. «Aber damit muss ich jetzt halt einfach leben.» Kobler hat sich über Möglichkeiten informiert, die Suchmaschinen-Treffer im Internet zum Verschwinden zu bringen. «Doch das wäre unglaublich aufwendig und teuer», sagt er. «Deshalb lasse ich das nun halt so stehen.» Hinzu käme, dass es ihm vielleicht gar negativ ausgelegt worden wäre, wenn er überall auf eine Löschung gepocht hätte. «Ich stehe zu meiner Vergangenheit. Zu allen schönen, erfolgreichen Kapiteln – und nun halt auch zu diesem einen, unrühmlichen, das ich sehr bereue.»

Vom Bernard zum Bernhard

Nicht gelöscht, sondern hinzugefügt hat Kobler seinem Privat- und Geschäftsleben derweil aber etwas ganz anderes: Wer genau hinschaut, der merkt nämlich, dass sich Bernhard Kobler nun mit H schreibt. Zuvor, auch während der Zeit als LUKB-Chef, trat er stets unter dem Namen Bernard auf. Hat er nach den Negativschlagzeilen eine Namensänderung beantragt? Beabsichtigte er damit gar, dass man ihn im Internet nicht mehr so leicht findet? «Nein, nein», sagt Kobler, und lacht. Zum Bernard sei er geworden, weil er in jungen Jahren viel Zeit in der Westschweiz verbracht habe. Die französische Version sei dann auch in der Deutschschweiz hängen geblieben. «Getauft bin ich aber auf den Namen Bernhard», auch auf allen amtlichen Dokumenten oder Geschäftsverträgen stand natürlich stets dieser Name. «Zum Start in meinen neuen Lebensabschnitt habe ich das H nun also wieder hervorgeholt. Ich fand das irgendwie passend.»

Pascal Imbach

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