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LUZERN: Dank dem 125-jährigen Jubilar ist der Samstag rüüdig

Am Montag wird die Fidelitas Lucernensis auf ihr 125-Jahr-Jubiläum anstossen. Die Gesellschaft hat die Entwicklung der Luzerner Fasnacht wesentlich mitgeprägt.
Seit 125 Jahren würdigt die Fidelitas Lucernensis die «gehobene Stimmung» – so wie hier im Jahr 1983 als Römer. (Bild: PD)

Seit 125 Jahren würdigt die Fidelitas Lucernensis die «gehobene Stimmung» – so wie hier im Jahr 1983 als Römer. (Bild: PD)

Es war der Mai 1892, als die heutige Gesellschaft Fidelitas Lucernensis ins Leben gerufen wurde: Im ehemaligen Restaurant Rütli an der gleichnamigen Gasse in Luzern sitzen 14 Herren in einer feuchtfröhlichen Runde zusammen und prosten sich mit gut gefüllten Bierhumpen zu. Ziemlich spontan und ohne Anspruch, irgendwelche politischen oder wirtschaftlichen Ziele zu verfolgen, kommen sie auf die Idee, einen Verein zu gründen. Der Sinn desselben scheint schnell gefunden zu sein: Er soll nichts weniger als der «Förderung der Fidelität» und der «Würdigung der gehobenen Stimmung», in der sich die Gründer in dem Moment selbst zweifellos befanden, dienen. So steht es im Gründungsprotokoll.

Passend und wenig bescheiden einigten sich die Herren auf den Namen Societé Fidelitas non plus ultra. Jeder Anwesende zahlte 50 Cent Eintrittsgebühr – und schon war die neue Gesellschaft gegründet. Der erste Präsident nahm sich das Vereinsmotto offensichtlich besonders zu Herzen: Zum Gründungsmahl ein paar Tage später erschien er drei Stunden zu spät und bereits in «defectem», also in angeheitertem Zustand.

Heute wird auf den Gassen statt an Bällen gefeiert

Unter diesen Vorzeichen scheint es nicht selbstverständlich, dass die Gesellschaft – inzwischen in Fidelitas Lucernensis umgetauft und über hundert Brüder zählend – am kommenden Montag an selber Stelle auf das 125-jährige Bestehen anstossen kann. Die Mitglieder können auf eine Geschichte zurückblicken, die vor allem die Luzerner Fasnacht wesentlich beeinflusst hat: Zusammen mit den Zünften zu Safran und Wey sowie der Maskenliebhabergesellschaft Luzern zählt die Fidelitas zu den Gründungsmitgliedern des Luzerner Fasnachtskomitees (LFK), das 1951 ins Leben gerufen wurde. Bis heute stellt die Fidelitas alle vier Jahre dessen Präsident.

Bis in die 90er-Jahre veranstaltete die Gesellschaft Maskenbälle, deren Erträge sie an wohltätige Zwecke spendete. Mit der Zeit musste man jedoch einsehen, «dass sich die Zeiten verändert hatten und die Fasnacht immer mehr auf den Gassen stattfand», erklärt Kilian Ritler, seit 2006 Mitglied und heute erster Schryber der Gesellschaft. Die Fidelitas Lucernensis etablierte dar­aufhin als vierten Fasnachtstag den Rüüdigen Samschtig mit dem Fidelitas-Fasnachtsfäscht. An der diesjährigen Fasnacht wurde dieser von der Stadt Luzern zum ersten Mal offiziell als solcher anerkannt. Für Ritler ist das «ein besonders schöner Erfolg – vor allem weil die Anerkennung gleich mit unserem Jubiläumsjahr zusammenfällt». Die Erträge des Festes kommen meist Kindern zugute: So finanzierte die Fidelitas etwa die Anschaffung neuer Geräte auf städtischen Spielplätzen und ermöglichte dem Nachwuchs weniger wohlhabender Familien einen Ausflug in den Europapark.

Den Werten der Gründerväter sind die «Fidelitässler» bis heute treu geblieben. So ist die Gesellschaft – anders als die Zunft zu Safran zum Beispiel – weiterhin politisch und konfessionell neutral und auch «sehr offen, was die Aufnahme betrifft», erklärt Ritler. Vom Schreiner über den Versicherungsangestellten bis hin zum Zahnarzt oder zum Hoteldirektor sei alles dabei. «Und sogar ich als gebürtiger Walliser wurde aufgenommen», sagt er.

Eine reine Männergruppe ist die Fidelitas allerdings auch 125 Jahre nach ihrer Gründung. Zwar konnte sich der Stubenrat zum 75-Jahr-Jubiläum zum ersten Mal dazu durchringen, auch die Frauen an einen Anlass einzuladen. Für die meisten offiziellen Zusammenkünfte bleiben die Fidelitasbrüder jedoch unter sich. Das nächste Mal treffen sie sich am kommenden Montag im «Jodelwirt», dem ehemaligen Restaurant Rütli, und gedenken der spontanen Zusammenkunft der 14 Zechbrüder vor 125 Jahren. Die offizielle Jubiläumsfeier mit Vertretern aus Politik und dem Luzerner Fasnachtswesen findet dann am 1. Juli auf dem Kornmarkt und im alten Rathaus statt.

Luca Merlo

stadt@luzernerzeitung.ch

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