LUZERN: Das Börsen-Problem: Viele bringen, wenige nehmen

Discounter und das Internet machen Kleiderbörsen vermehrt zu schaffen. Zwar haben sie genügend Kunden – aber zu wenige, die kaufen.

Christian Hodel
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Sie will der Verschwendung Einhalt gebieten: Seit einem Jahr führt Maite Schmidiger zusammen mit einer Kollegin in Hochdorf eine Kinderkleiderbörse. (Bild Pius Amrein)

Sie will der Verschwendung Einhalt gebieten: Seit einem Jahr führt Maite Schmidiger zusammen mit einer Kollegin in Hochdorf eine Kinderkleiderbörse. (Bild Pius Amrein)

Säcke stehen rum, viele Säcke. Darin sind Kleider – Jeans, Pullover, Jacken, Westen, T-Shirts. Täglich werden es mehr. Doch im Verkaufsladen lichtet es wenig.

An solche Szenen müssen sich die Besitzer von Kinderkleiderbörsen immer mehr gewöhnen. Alle von unserer Zeitung angefragten Betreiber sprechen von den gleichen Problemen: Die Leute bringen Ware, lassen diese mit einer Provision über die Kinderkleiderbörse verkaufen, aber selber kaufen nur die wenigsten ein.

«Habe mir das einfacher vorgestellt»

«Es ist wahnsinnig, wie viel Material manchmal kommt», sagt Maite Schmidiger. Seit einem Jahr führt sie mit Kollegin Esthi Küng das «Luna-Pärkli» in Hochdorf. «Wir wollten gemeinsam etwas tun, um der Verschwendung ein klein wenig Einhalt zu gebieten», sagt Schmidiger. Es sei doch verrückt, gute und einwandfreie Kleider wegzuschmeissen. Direkt an einem Kinderspielplatz eröffneten sie ihre Börse. «Es läuft nicht schlecht, wir blicken positiv in die Zukunft», sagt sie. «Aber ehrlich gesagt habe ich es mir schon ein bisschen einfacher vorgestellt.»

So wie Schmidiger geht es den meisten Anbietern: Das Geschäft mit gebrauchten Kinderkleidern stockt. Im Internet und bei Discountern sind Kleider billig zu haben. Mit den Preisen können die Börsen zwar mithalten – T-Shirts und Hosen für Kleinkinder kosten bei Schmidiger etwa zwischen 4 und 8 Franken. «Aber meine Ware ist halt schon mal getragen worden», sagt sie. Zwischen 1500 und 2500 Kleidungsstücke verkauft sie pro Saison. 40 Prozent des Erlöses gehen an den Kunden, der die Kleider gebracht hat. 60 Prozent an die Börse. Von ihrem Geschäft leben könne sie nicht. «Es steckt viel Idealismus drin.»

Ihre Kinderwarenbörsen seien in den vergangenen Jahren immer mehr zum Hobby geworden, sagt auch Laura Peter, Inhaberin einer Börse in Emmen und Littau. Man müsse kämpfen, dass man nicht jeden Monat was drauflegt.

In Kriens ist Ende April Schluss

Die Zeiten sind anders, bestätigt Rosemarie Schneider. Sie führt in Kriens seit 23 Jahren das «Chinderland», ein Babyfachgeschäft mit Neuware und Secondhand-Abteilung. Am 23. April ist Schluss. «Ich will beruflich was anderes machen», sagt sie. «Ich höre nicht aus wirtschaftlichen Gründen auf.» Dennoch sei klar: Der Druck habe zugenommen. «Früher konnte ich ein paar gebrauchte Kinder-Jeans für 15 Franken verkaufen.» Heute könne sie 7 oder 8 Franken verlangen. Um auf dem Markt zu bestehen, hat Schneider unter anderem einen Onlineshop gegründet. Und damit die Kunden nicht nur Kleider abliefern, sondern auch einkaufen, zahlt sie ihnen das Geld nicht mehr bar aus. «Das Guthaben schreibe ich meinen Kunden gut.» Sie können dann damit im Geschäft einkaufen.

Christian Hodel