LUZERN: «Das hier ist unsere Weihnacht»

Die Stadtoriginale feierten gestern Weihnachten. Dabei wurde Jost Schumacher die Ehrennadel überreicht.

Natalie Ehrenzweig
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Weihnachtsfeier der Luzerner Originale in der Boccia Bahn. Pater Josef Regli während seiner Predigt (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Weihnachtsfeier der Luzerner Originale in der Boccia Bahn. Pater Josef Regli während seiner Predigt (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

«Schööön», riefen die Luzerner Originale gestern Abend an der jährlichen Weihnachtsfeier der Güggalizunft, als sie nach Pater Josef Reglis besinnlichen Worten gemeinsam alle drei Strophen von «Stille Nacht» gesungen hatten – mit zaghafter musikalischer Begleitung und einer zweiten Stimme.

Schön und herzlich war auch das Zusammentreffen der Originale mit den Zünftlern auf der Bocciabahn des Restaurants Pro Ticino. Gemeinsam trauerten sie um den verstorbenen Blumen-Bürgi, den Schwanen-Vater und den Güsel-Hans. Gemeinsam lauschten sie dem Stadtoriginal Angelo Bühler, der auf 21 Jahre als Original zurückblickte. «Gäbe es die Güggali-Zunft nicht, man müsste sie erfinden», sagte Bühler. «Hier dürfen wir sein, wie wir sind, nicht so, wie die anderen wollen, dass wir sein sollen», brachte er es auf den Punkt.

Jedes Jahr wird an diesem Abend die goldene Ehrennadel an eine Person, die sich besonders um die Originale gekümmert hat, überreicht. Im letzten Jahr war das Anita Bucher, die Partnerin des verstorbenen Emil Manser. Da sie damals nicht anwesend war, bekam sie ihre Nadel gestern. Wie Jost Schumacher, der diesjährige Empfänger der Ehrennadel. Er half der Güggali-Zunft beim Suchen eines neuen Lokals für das Archiv.

Noch 20 Originale

Beim zweiten Teil des Abends wurde im «Pro Ticino» geschlemmt. Die fröhliche Runde war allerdings auch schon grösser. «Zurzeit sind es etwa 20 Originale. Es wird immer schwieriger, Originale zu finden, zum Beispiel weil Beizen verschwinden», erklärte Zunftmeister Hans «Bimi» Baumann. Stadtoriginal Irma Stadelmann gibt ihm Recht: «Es ist heute schwieriger, ein Original zu sein. Man kommt viel schneller in die Psychiatrie», meint sie.

Selber findet sie eigentlich gar nicht, dass sie ein Original sei. «Ich bin einfach, wie ich bin», sagt sie lachend. Sie geniesst die jährliche Weihnachtsfeier der Güggali-Zunft sehr. Das genüge ihr: «Wir haben keinen Baum, keine Geschenke. Das hier ist unsere Weihnacht», betont sie. Auch für Original Joe Birrer ist die Feier der Güggali-Zunft die einzige Weihnachtsfeier. «Ich habe zwar ein Bäumli und zwei Kerzen, aber mehr nicht», erzählte er. «Deshalb bin ich froh um die Einladung der Güggali-Zunft. Das ist jetzt schon mein elftes Jahr hier», freute er sich, während er einen Einräppler vom Kaminfeger bekommt.

Natalie Ehrenzweig

Güggelizunft-Mitglied Laurenzius Moser hat auch noch etwas zu sagen (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Güggelizunft-Mitglied Laurenzius Moser hat auch noch etwas zu sagen (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Fridolin Emmenegger (links) und Alois Bucher (rechts) beim Musizieren (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Fridolin Emmenegger (links) und Alois Bucher (rechts) beim Musizieren (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)