LUZERN: Das Klavier schwingt obenauf

Musikschulen kämpfen gegen den Schülerrückgang. In kleinen Dörfern gehen Musikschulen ein – dennoch sind Instrumente im Trend. Wir zeigen, welche.

Christian Hodel
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Arno Wildi (Oberkirch) und Irina Bühlmann (Büron) spielten gestern am Solistenwettbewerb der Musikschule Region Sursee und der Musikschule Nottwil. (Bild Manuela Jans-Koch)

Arno Wildi (Oberkirch) und Irina Bühlmann (Büron) spielten gestern am Solistenwettbewerb der Musikschule Region Sursee und der Musikschule Nottwil. (Bild Manuela Jans-Koch)

Jedes Dorf hat einen Musikverein und jede Gemeinde ihre Musikschule. Das war einmal. Gab es etwa 2010 noch 62 Musikschulen im Kanton Luzern, sind es im aktuellen Schuljahr 2015/16 nur noch deren 40.

Ein Grund: Einzelne, kleinere Musikschulen hatten in den vergangenen Jahren zu wenig Anmeldungen. «Die Musikschulen müssen über gewisse Quantitäten und Qualitäten verfügen, die die Dienststelle für Volksschulbildung vorgibt. Darunter etwa, dass sie über mindestens 200 Fachbelegungen verfügen», sagt Franz Grimm, Präsident des Verbandes für die Musikschulen des Kantons Luzern (VML). Weil einige Schulen dies nicht mehr erreicht haben, schlossen sie sich zusammen.

Starke Jahrgänge treten aus

«Wir erleben allgemein einen leichten Rückgang der Schülerzahlen bei den Vokal- und Instrumentalfächern», sagt Grimm. Das hänge damit zusammen, dass gegenwärtig geburtenstarke Jahrgänge aus Altersgründen nach der obligatorischen Schulzeit aus der Musikschule austreten. «Für einige Schulen ist aber zu bemerken, dass die Zahl der Neuanmeldungen schon wieder zunimmt. Die Abgänge der geburtenstarken Jahrgänge können aber noch nicht kompensiert werden.» Es stimme ihn aber positiv, dass nun wieder grössere Jahrgänge eingeschult würden, so Grimm.

Mehr Erwachsene

Laut Beatrice Wolf, Beauftragte Musikschulen des Kantons Luzern, nehmen derzeit 23 568 Personen im Kanton Musikunterricht an einer öffentlichen Musikschule – vor vier Jahren waren es noch 24 508.

Zum Vergleich: Im Kanton Luzern wurden im vergangenen Jahr 42 510 Kinder an den obligatorischen Schulen unterrichtet. Lernt also dennoch noch immer jedes zweite Kind im Kanton ein Musikinstrument? «Nicht ganz», sagt Grimm. Die Grossmehrheit der Musikschüler seien tatsächlich schulpflichtige Kinder – oder Jugendliche, die in der Kantonsschule oder der Berufslehre sind. Doch immer mehr würden auch Erwachsene am Unterricht der Musikschulen teilnehmen – statistisch sei das aber nicht erfasst. «Da der Tarif in den meisten Schulen für Erwachsene kostendeckend sein muss, sind die Gebühren zwar relativ hoch, mit der Schaffung von Abos konnte der Erwachsenenunterricht aber attraktiver gemacht werden», sagt Grimm. So kostet etwa ein Abo mit 10 Lektionen à 30 Minuten Einzelinstrumentalunterricht bei der Musikschule der Stadt Luzern für Erwachsene 640 Franken. In Sursee gibt es ein 10er-Abo à 40 Minuten Einzelunterricht für 800 Franken.

Gitarre holt auf – Schlagzeug floppt

Doch welche Instrumente lernen die Luzerner überhaupt? Wie Recherchen zeigen, wertet der Verband der Musikschulen Schweiz derzeit eine Umfrage zu den beliebtesten Instrumenten aus. Die Ergebnisse sind derzeit noch nicht verfügbar. Einen Hinweis auf die Frage gibt eine offizielle Umfrage aus dem Jahre 2011. Mit 2316 Schülern war damals das Klavier der Renner im Kanton Luzern, gefolgt von der Blockflöte (2296 Schüler), der Gitarre (1658), dem Schlagzeug (1053) und der Trompete/Kornett (988). Aufgrund von Gesprächen mit regionalen Musikschulleitern im Kanton Luzern vermutet Franz Grimm, dass diese Instrumente noch immer sehr gefragt sind.

Dennoch seien in den vergangenen fünf Jahren Unterschiede festgestellt worden: «Tendenziell wird bei uns weniger Schlagzeug gelernt als früher.» Beliebter geworden seinen hingegen der Gitarren- und der Gesangsunterricht. «Ebenso ist das Schwyzerörgeli wieder auf dem Vormarsch.» Bedauerlich für die im Kanton Luzern stark verankerte Blasmusikszene sei der Schülerrückgang bei den Blasinstrumenten, sagt Grimm. Sowohl bei den Blech- wie auch den Holzblasinstrumenten gebe es immer weniger Schüler. Zwar sei der Rückgang im Kanton Luzern weniger stark als im Durchschnitt der Schweiz – aber die Blasinstrumente seien deutlich abnehmend. «Anscheinend sind diese Instrumente aktuell einfach nicht im Trend.»

«Musiklehrer spielt eine Rolle»

Bei der Wahl der Instrumente gibt es allerdings starke regionale Unterschiede im Kanton – bedingt durch ortsansässige Musikformationen oder sonstige Vereine. «Das Engagement des zuständigen Instrumentallehrers in einer Musikschule spielt sicherlich auch eine Rolle», sagt Grimm und fügt an: «Und wenn sich zwei oder drei Kinder einer Klasse für ein Instrument entscheiden, ziehen plötzlich drei oder vier weitere nach.»

Arno Wildi (Oberkirch) spielte am Samstag am Solistenwettbewerb der Musikschule Region Sursee und der Musikschule Nottwil. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Arno Wildi (Oberkirch) spielte am Samstag am Solistenwettbewerb der Musikschule Region Sursee und der Musikschule Nottwil. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)