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LUZERN: Das Priesterseminar steht ohne Schüler da

Das Bistum Basel verlagert die Ausbildung seiner Priester nach Deutschland. In Luzern droht damit eine über 130-jährige Tradition zu verschwinden.
Eine Schule ohne Schüler: «Die Seminargemeinschaft ist für ein Jahr sistiert, aber nicht aufgehoben», sagt Thomas Ruckstuhl, Regens des Priesterseminars St. Beat an der Adligenswilerstrasse in Luzern. (Bild: Manuela Jans / LZ)

Eine Schule ohne Schüler: «Die Seminargemeinschaft ist für ein Jahr sistiert, aber nicht aufgehoben», sagt Thomas Ruckstuhl, Regens des Priesterseminars St. Beat an der Adligenswilerstrasse in Luzern. (Bild: Manuela Jans / LZ)

Christian Hodel

Das Interesse ist schwach. Zu schwach. Vor den Sommerferien verliess der letzte Priesteranwärter das Priesterseminar St. Beat an der Adligenswilerstrasse in Luzern. «Im Moment haben wir keinen Seminaristen im Seminar», sagt Thomas Ruckstuhl, Regens des St. Beat. Und dies, obwohl morgen Montag vier neue Priesterkandidaten zwischen 20 und 40 Jahren aus dem Bistum Basel mit dem Einführungsjahr ihr Studium beginnen – so viele wie schon lange nicht mehr. Insgesamt stehen 17 Priesterkandidaten aus dem Bistum Basel in der Ausbildung.

«Seminargemeinschaft wird sistiert»

Seit über 130 Jahren ist das St. Beat eine wichtige Ausbildungsstätte für angehende Priester (siehe Kasten). Doch nun bahnt sich eine einschneidende Veränderung an. «Das Bistum empfiehlt seinen künftigen Priestern, an anderen Schweizer Standorten oder aber in Freiburg im Breisgau zu studieren», schrieb jüngst die «NZZ am Sonntag».

Steht das Seminar also vor dem Aus? Thomas Ruckstuhl verneint und sagt: «Wir betreten mutig neue Wege für die Zukunft.» Es sei ein Bedürfnis der Priesteranwärter, in grossen Gemeinschaften zu studieren. Es habe sich nun so ergeben, dass für das morgen beginnende Studienjahr kein Seminarist in Luzern sein werde. «Damit wird die Seminargemeinschaft für ein Jahr sistiert, aber nicht aufgehoben.» Dass die Studenten – mit der Unterstützung des Bistums – dem St. Beat den Rücken kehren, hat vor allem mit der Grösse zu tun. «Die Seminargemeinschaft im Chorherrenhaus in Luzern wurde vorerst als eine Wohngemeinschaft von maximal vier Studenten konzipiert», sagt Ruckstuhl. «Nach unserer Meinung sollten aber mindestens zwölf Kandidaten eine Seminargemeinschaft bilden.»

Basel macht Vertrag mit Freiburg

Ein möglicher Ausbildungsort für Priesterkandidaten ist neu das Collegium Borromaeum in Freiburg in Breisgau. Eine entsprechende schriftliche Vereinbarung wurde von den verantwortlichen Bischöfen unterzeichnet. In einer Broschüre des Seminars St. Beat, die in den kommenden Tagen verteilt wird, äussert sich Ruckstuhl eingehend zu dieser Kooperation.

Der wesentliche Punkt der Vereinbarung fasst er wie folgt zusammen: «Die Verantwortung für die Aufnahme der Priesterkandidaten des Bistums Basel und die Empfehlung zu den Weihen zuhanden des Bischofs von Basel liegen beim Regens des Bistums Basel.» Für die Zuständigkeit für alle Belange des Seminarlebens während der Studienphase sei hingegen der Regens des Collegium Borromaeum in Freiburg verantwortlich.
Engere Zusammenarbeit gewünscht

Dass die Wahl auf Freiburg im Breisgau fiel, hat laut Ruckstuhl folgende Gründe: «Es bringt den Vorteil, dass es deutschsprachig ist, uns kulturell und geografisch nahe liegt, die notwendige Grösse und einen guten Ruf in der Priesterausbildung und Theologie mitbringt.» Es sei aber nicht so, dass die Priesterkandidaten des Bistums Basel nun ausschliesslich in Baden-Württemberg ausgebildet würden. «Unsere Kandidaten können sich, wenn gewünscht, auch in Fribourg, Lugano, Chur, Rom, München und Frankfurt einschreiben lassen.»

Doch warum will das Bistum nicht versuchen, Luzern zu stärken und mehr Seminarplätze zu schaffen? «Ob unser Seminar einst grösser wird, ist eine offene Frage», sagt Ruckstuhl. Dies sei auch vom Interesse der Studenten abhängig. Klar sei, dass man sich in Zukunft überlegen müsse, in der Deutschschweiz bei der Priesterausbildung enger zusammenzuarbeiten. Wie ein solches Zusammenrücken aussehen könnte und welche Rolle dabei der Standort Luzern einnehmen könnte, ist im Moment ungewiss.

Zwei Drittel studieren in Luzern

So oder so: Laut Ruckstuhl bleibedie Stadt Luzern der Hauptausbildungsort für die angehenden kirchlichen Mitarbeiter des Bistums Basel. Denn neben Priestern benötigt die katholische Kirche auch Religionspädagogen und weitere Laien. Rund 90 Frauen und Männer aus dem Bistum Basel – zu dem unter anderem die Kantone Luzern und Zug zählen – machen derzeit eine Ausbildung für den Kirchendienst. 60 davon studieren an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern.

Vor drei Jahren kam der grosse Umzug

Seit 1878 betreibt das Bistum Basel ein Priesterseminar in der Stadt Luzern. Benannt ist es nach dem heiligen Beat, der vor Jahrhunderten als Glaubensbote auf dem Gebiet des Bistums gewirkt hat. Seit Herbst 2013 ist das Seminar an verschiedenen Standorten in Luzern organisiert. Nötig wurde der Umzug, weil das Seminargebäude an der Adligenswilerstrasse 15 mit 80 Zimmern zu gross und der Betrieb zu teuer wurde. Nach Sanierungsarbeiten mietete sich im Mai 2014 die Caritas Schweiz in das Gebäude ein – die Verwaltung des Priesterseminars zog zuvor zwei Häuser weiter an die Adligenswilerstrasse 13.

Ein Jahr für die Vorbereitung

Den Priesterkandidaten steht das Chorherrenhaus als Wohn-, Gebets- und Ausbildungsort zur Verfügung. Dort sollen sie laut dem Bistum «an ein Leben nach dem Evangelium» herangeführt werden. Aktuell lassen sich aus dem Bistum Basel 17 Männer zum Priester ausbilden. Ihr Studium dauert in der Regel fünf Jahre. Voraus geht diesem ein interdiözesanes Einführungsjahr, um sich auf den Beruf des Priesters vorzubereiten.

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