LUZERN: Das Schnellbus-System kommt im Schritttempo voran

Auch wenn der neue R-Bus schon da ist: Bis er seine Vorteile ausspielen kann, dauert es noch Jahre. Andere Städte sind da schneller.

Alexander von Däniken
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Neu und Alt: der erste Luzerner R-Bus in seinem farblich auffälligen Erscheinungsbild (links) neben einem «normalen» VBL-Bus am Mittwoch bei der Hofkirche. (Bild Pius Amrein)

Neu und Alt: der erste Luzerner R-Bus in seinem farblich auffälligen Erscheinungsbild (links) neben einem «normalen» VBL-Bus am Mittwoch bei der Hofkirche. (Bild Pius Amrein)

In rund zwei Wochen nimmt der erste der neun neuen Doppelgelenk-Trolleybusse in Luzern offiziell seinen Betrieb auf. Und läutet unter dem Namen R-Bus ein neues System ein: Die tramähnlichen Fahrzeuge sollen durchschnittlich 3 Minuten schneller zwischen Kriens und Maihof verkehren (Ausgabe von gestern).

Der Aufwand dafür ist gross: neue Fahrzeuge, durchgängige Busspuren, automatische Lichtsignalanlagen und das Aufheben von Busbuchten. Und nur 3 Minuten weniger Fahrzeit? Christoph Zurflüh, Sprecher des Verkehrsverbunds Luzern, erklärt: «Wir sprechen von einer um 10 Prozent reduzierten Fahrtzeit, und zwar als Durchschnitt über den ganzen Tag. Zu Hauptverkehrszeiten wird sich die Fahrtzeit um rund 5 Minuten reduzieren.» Die 3 Minuten seien ein Durch- schnittswert, «und für den städtischen Nahverkehr ein bedeutender Unterschied».

Ziel: Höhere Zuverlässigkeit

Ebenso wichtig ist laut Zurflüh die Verbesserung der Zuverlässigkeit: «Heutzutage gelten im Fahrplan der Linie 1 je nach Tageszeit unterschiedlich lange Fahrzeiten, hinzu kommt die Ungewissheit aufgrund von Verkehrsüberlastung. Durch das R-Bus-System können wir den Passagieren über den ganzen Tag einen zuverlässigen Fahrplan anbieten.»

Bis es allerdings so weit ist, brauchen die Pendler Geduld. Richtig an Fahrt gewinnt der R-Bus nämlich erst ab 2025, weil bis dahin die verschiedenen Infrastrukturmassnahmen schrittweise umgesetzt werden. Warum eigentlich? Zurflüh verweist auf die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur des Kantons. Dort erklärt Beat Hofstetter, Abteilungsleiter Planung Strassen: «Diese Massnahmen sind Teil des kantonalen Bauprogramms für Kantonsstrassen. Über die Aufnahme und die Zuordnung von Vorhaben entscheidet der Kantonsrat.»

Vorbild Hamburg und Lyon

Beim R-Bus-Konzept liess man sich von anderen Städten inspirieren, konkret von Hamburg und Lyon. In Hamburg heisst der R-Bus Metrobus. Die 23 Metrobus-Linien werden vom Hamburger Verkehrsverbund «das Netz im Netz» genannt, weil diese Schnellbusse speziell gekennzeichnet sind und die Hauptverkehrslinien abdecken. Wie in Luzern erfolgt der Ausbau des Schnellbusnetzes schrittweise. So sollen in Hamburg bis 2020 die Lichtsignalanlagen auf den Metrobuslinien auf den öffentlichen Verkehr angepasst werden.

Anders als in Hamburg und Luzern blieb beim öffentlichen Verkehr der französischen Stadt Lyon kein Stein auf dem anderen. Kernstück des Autobus genannten Systems ist eine neue Trolleybuslinie mit grösstenteils eigener Fahrspur und 7-Minuten-Takt. Bauzeit für diese neue Linie inklusive angepasster Infrastruktur: rund eineinhalb Jahre.