LUZERN: Das Töffli knattert nur noch in Liebhaberkreisen

Mofas haben deutlich an Bedeutung verloren, wie Fachhändler erklären. Trotzdem werden Pony, Puch und Co. wohl nicht aussterben.

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Töffli sieht man immer weniger auf den Strassen. (Symbolbild Neue LZ)

Töffli sieht man immer weniger auf den Strassen. (Symbolbild Neue LZ)

Es wird immer enger auf den Strassen. Die Zahl der Motorfahrzeuge im Kanton Luzern hat zwischen 2005 und 2014 um einen Fünftel zugenommen. Vor allem Personenwagen gibt es immer mehr, wie Zahlen von Lustat Statistik zeigen (siehe Box). Ganz anders verhält es sich bei den Mofas. Deren Zahl ist mittlerweile so gering, dass sie in offiziellen Statistiken nicht als eigene Kategorie auftauchen. Sie müssen sich die Kategorie mit schnellen E-Bikes teilen. Töffli haben eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern, Elektrovelos erreichen bis zu 45 Sachen: Bleiben Pony, Puch und Ciao deshalb auf der Strecke oder gibt es andere Gründe? Immerhin boomen E-Bikes erst seit ein paar Jahren. Aber zwischen 1990 und 2010 hat die gemeinsam errechnete Zahl der Mofas und schnellen E-Bikes in der Schweiz massiv abgenommen: von 464 609 auf 139 548.

Boom liegt 40 Jahre zurück

Die ersten Mofas waren Mitte der 1960er-Jahre auf den Schweizer Strassen unterwegs, erzählt Roland Fuchs, Mediensprecher der Schweizerischen Fachstelle für Zweiradfragen, welche die Interessen des Schweizer Velo- und Motorradgewerbes vertritt. In den 1970er-Jahren erreichte der Töffli-Trend mit jährlich über 70 000 verkauften Exemplaren seinen Höhepunkt. Dann begann ein Rückzug in vier Etappen:

 

  • Mitte der 80er-Jahre wurde in der Schweiz der Helmzwang eingeführt.Auf die Attraktivität der Mofas drückten auch teurere Preise. Denn wegen neuer Abgasnormen mussten die Hersteller Katalysatoren einbauen.
  • Ende der 80er-Jahre wurden das Mountain- und das Citybike Trend. «Breite Reifen und Federgabeln – auf das hatten viele Junge gewartet», erklärt Fuchs.
  • Anfang der 90er-Jahre begann der Aufstieg der kleinen Roller, die bereits mit 16 gefahren werden können. «Während das Design der Mofas praktisch unverändert blieb, war der Roller eine ganz neue Erscheinung», so Fuchs. Alleine schon mit dem Stauraum für den Helm war der Roller im Vorteil. Viele Junge wechselten vom Bike direkt auf den Roller.
  • Zu Beginn des neuen Jahrtausends standen die ersten Elektrovelos in den Läden. Mit jedem Jahr wurden sie günstiger und gefragter. Die E-Bikes drängten dabei nicht nur die Mofas zurück, sondern auch die Citybikes, wie Fuchs weiss. Und noch ein Trend setzt seither den Mofas zu: «In den Städten und Agglomerationen steigen immer mehr Jugendliche auf den ÖV um. Dessen Erreichbarkeit und Dichte hat sich stark verbessert.»

 

Töffli made in Switzerland

Wird das Töffli also bald ganz von den Strassen verschwinden? Nein, ist Roland Fuchs überzeugt. Erstens gebe es in der Schweiz noch immer zwei Mofahersteller (Pony in Feuerthalen und Tomos in Colombier). Zweitens sei das Mofa ein Nischentrend. «Vor allem auf dem Land kaufen wieder mehr Jugendliche ein Occasionstöffli, um es optisch zu frisieren und damit zu fahren.» Aus der Bewegung sind Töffliclubs entstanden, Anbieter von Töffli zur Miete, und selbst ein österreichischer Energydrink-Hersteller hat eine Dreipässefahrt mit jeweils rund 1000 Teilnehmern auf dem Programm.

Auch der Kinofilm «Töfflibuebe» sorgte für ein Revival der Mofas, sagt Peter Schwegler, Geschäftsführer von Motos Schwegler in Buttisholz: «Vor allem 40- bis 50-Jährige schrauben wieder an Mofas herum, es müssen aber alte sein.» Regelmässig unterstütze Schwegler Mofa­fans beim Restaurieren oder Organisieren von Ersatzteilen.

Zehnmal weniger Töffs verkauft

Was den Verkauf von neuen Töffli betrifft, spürt Schwegler einen starken Rückgang: «1982 habe ich etwa 40 Mofas verkauft. Heute sind es zwischen 2 und 5 pro Jahr.» Vor allem in Berggebieten seien neue Töffli gefragt, erklärt Schwegler, der auch Präsident des kantonalen Branchenverbands «2rad Luzern» ist. Schulabgänger wollen oft nicht bis zum vollendeten 16. Lebensjahr warten, um auf einen Roller zu steigen. Da biete sich das Mofa als Zwischenlösung an, weil es ab 14 Jahren gefahren werden kann.

Schwegler weiss: In abgelegenen Berggebieten könne auch um eine Ausnahmebewilligung ersucht werden, wenn der Schulweg für Jugendliche ab 12 Jahren mit Bus oder Velo nicht machbar ist. Sowohl Fuchs als auch Schwegler glauben, dass der Mofabestand sich auf einem tiefen Niveau einpendelt.

Alexander von Däniken