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LUZERN: Dem Gewerbe für 2017 den Puls gefühlt

Der Gewerbeverband hat seine Mitglieder zum ersten Mal systematisch befragt, wie sie die wirtschaftliche Entwicklung einschätzen. Die Signale sind positiv – zumindest die meisten.
Matthias Stadler
Die Betriebe im Luzerner Gesundheitswesen blicken besonders optimistisch auf das kommende Jahr.Symbolbild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 7. November 2013)

Die Betriebe im Luzerner Gesundheitswesen blicken besonders optimistisch auf das kommende Jahr.Symbolbild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 7. November 2013)

Es ist ein Blick in die Glaskugel: Wie stark brummt Luzerns Wirtschaftsmotor nächstes Jahr? Wird 2017 für Unternehmen im Kanton besser oder schlechter als das aktuelle Jahr? Der Gewerbeverband des Kantons Luzern wollte es genau wissen, weshalb er dieses Jahr bei seinen Mitgliedern zum ersten Mal eine gross angelegte Umfrage durchführte (siehe Kasten). Diese mündet im nun vorliegenden Luzerner KMU-Barometer. Die Umfrage hat zum Ziel, die «wirtschaftliche und betriebliche Entwicklung im kommenden Jahr» einschätzen zu lassen. Die Resultate wurden gestern Abend an der Unternehmerveranstaltung «Luzern 17» in der Messe Luzern erstmals vorgestellt.

Die Umfrage zeigt, wo die Luzerner KMU der Schuh drückt, aber auch, in welchen Bereichen Unternehmer optimistisch ins Jahr 2017 blicken. Die wichtigste Frage: «Wie wird sich die allgemeine Wirtschaftslage im Kanton Luzern 2017 im Vergleich zum laufenden Jahr entwickeln?» Die kleinen und mittleren Unternehmen scheinen verhalten optimistisch, dass das kommende Jahr wirtschaftlich besser wird als 2016 (siehe Grafik). Auf einer Skala von –5 Punkten (wird schlechter) über 0 (bleibt gleich) bis +5 (wird besser) liegt der Mittelwert bei 0,41 Punkten, also knapp im positiven Bereich. Dabei sind vor allem die Geschäfte in der Stadt und Agglomeration Luzern optimistisch. Sie schätzen die wirtschaftliche Lage positiver ein als ihre Kollegen in den ländlichen Gebieten. In Willisau zum Beispiel sind die Unternehmer am wenigsten optimistisch.

Eigene Auftragslage wird positiv eingeschätzt

Roland Huber ist geschäftsleitender Partner beim Marktforschungsunternehmen Demo­scope in Adligenswil, welches die Umfrage im Auftrag des Gewerbeverbandes durchgeführt hat. Er sagt hierzu: «Die verhalten positive Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung ist besonders erfreulich, da die Befragten die ihnen bestens bekannte eigene Auftragslage sogar noch besser einstufen als die allgemeine Wirtschaftslage.» Bei der eigenen Auftragslage des Unternehmens – bemessen mit derselben Skala – liegt der Mittelwert bei 0,74 Punkten. Hier schwingen das Gesundheits- und Sozialwesen sowie die Finanzdienstleister obenaus. Firmen in diesen Branchen sind am optimistischsten (1,32 Punkte beim Gesundheitswesen, 1,15 Punkte bei den Finanzdienstleistern), dass ihre Auftragslage nächstes Jahr besser wird. Die Logistikbranche hingegen ist am wenigsten optimistisch (0,34 Punkte).

Der Grund für den Spitzenplatz des Gesundheits- und Sozialwesens ist laut Gaudenz Zemp, Direktor des Gewerbeverbands, naheliegend: «Dass die Umsätze in diesem Bereich steigen, merken wir alle am Wachstum der Krankenkassenprämien. Deshalb ist der Optimismus in der Branche nicht überraschend.» Die Frage sei allerdings, ob dieses überdurchschnittliche Wachstum positiv sei. Vermutlich sei es auch ein Ausdruck davon, dass der Wettbewerb hier ungenügend spiele und die Branche zu wenig marktwirtschaftlich organisiert sei, erklärt Zemp.

Aldo Kramis, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, sagt, die Konjunktur­forschung der ETH Zürich sage Wachstumszahlen von fast 4 Prozent im Gesundheitsmarkt sowie ein ungebremstes Wachstum der Krankenkassenprämien voraus. Die ärztlichen Leistungen seien gefragter denn je, unter anderem wegen der immer älter werdenden Gesellschaft und der «vielen ängstlichen Patienten».

Christian Kempter, Präsident der Zentralschweizer Sektion des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands Astag, erklärt den in der Logistikbranche weniger vorhandenen Optimismus mit wachsender Regulation. So hat der Bundesrat für Anfang 2017 eine weitere Abgabenerhöhung für die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe beschlossen. Diese Belastung wirke sich direkt negativ auf die Ergebnisse der Unternehmen aus. Zudem werde der Stau auf Schweizer Strassen immer stärker zum Problem. Nichtsdestotrotz schaue die Branche optimistisch in die Zukunft.

Qualifiziertes Personal ist schwierig zu finden

Punkto Personal gibt es gute Nachrichten: Die Luzerner Unternehmer schätzen, dass sie nächstes Jahr mehr Mitarbeiter beschäftigen werden als heuer. Dies allerdings im kleinen Rahmen. Mit 0,25 Punkten liegt der Mittelwert nur knapp über 0, was gleich viele Mitarbeiter bedeuten würde. Sorgen bereitet den Unternehmern allerdings die ­Suche nach qualifiziertem Personal. So denkt eine Mehrheit, dass es 2017 schwieriger wird, qualifizierte Mitarbeiter zu finden (–0,75 Punkte). Ähnliches zeigt sich bei der Besetzung von Lehrstellen. Es werden mehr Schwierigkeiten erwartet, die offenen Lehrstellen zu besetzen (–0,45 Punkte). Gaudenz Zemp erklärt, dass sich bei der Frage nach der Suche von qualifizierten Mitarbeitern der Fachkräftemangel zeigt. «Gute Fachleute sind in ­einigen Branchen zunehmend schwierig zu finden.» Aber die anspruchsvolle Suche könne gleichzeitig auch ein gutes Zeichen sein. Denn sie sei eine Folge davon, dass die Arbeitslosigkeit im Kanton tief ist.

Ein anderer Punkt – zurzeit in vieler Munde – ist die Digitalisierung. Was bei vielen Ängste hervorruft, scheint die Luzerner Unternehmer nicht einzuschüchtern. Sie beurteilen die fortschreitende Digitalisierung mehrheitlich positiv. Der Mittelwert liegt bei 0,68 Punkten, die Digitalisierung sollte sich also erleichternd auf das Geschäftsmodell auswirken. Die Finanzdienstleister beurteilen die Situation dabei am positivsten, der Handel am negativsten. Gaudenz Zemp hat nicht unbedingt mit einer positiven Grundstimmung bei der Digitalisierung gerechnet. «Dieses Resultat ist erfreulich. Ich hatte erwartet, dass die Unternehmer mehr Bedenken bezüglich der Digitalisierung haben.»

Unternehmer befürchten schlechtere Erreichbarkeit

Der Gewerbeverband wollte von seinen Mitgliedern auch wissen, wie sich die verkehrstechnische Erreichbarkeit ihres Unternehmens verändern wird. Der Mittelwert liegt bei –0,17 Punkten, es wird also erwartet, dass die Standorte 2017 etwas schlechter erreicht werden können. Interessant hierbei: Die Unternehmer mit Standorten in Willisau, Hochdorf, Sursee und Entlebuch schätzen die Lage mehrheitlich knapp positiv ein, die Unternehmer in der Stadt Luzern (–0,7 Punkte) gehen hingegen von einer schlechteren Erreichbarkeit aus. Gaudenz Zemp beurteilt dieses Resultat als «Warnsignal. Die Erhebung zeigt, dass die Sorgen der Wirtschaft ernst genommen werden müssen. So muss zum Beispiel bei den Verkehrsplänen der Wirtschaftsverkehr stärker gewichtet werden.» So nehme etwa der Lieferverkehr wegen des wachsenden Onlinehandels stark zu, was in den Verkehrsplanungsstellen zu wenig berücksichtigt werde.

Ebenfalls mehrheitlich negativ werden die Aussichten für das Kostenumfeld bewertet. Das heisst, die Unternehmer erwarten steigende Kosten für Miete, Steuern, Energiekosten und Ähnliches für ihren Betrieb (–0,53 Punkte).

Gaudenz Zemp vom Gewerbeverband zieht ein positives Fazit der nun bekannten Erwartungen des Luzerner Gewerbes: «Euphorie ist keine da, aber das hat auch niemand erwartet. Die Ergebnisse sind in Anbetracht der wirtschaftlichen Umstände erfreulich positiv. Positiver, als ich es erwartet hätte.» Die Umfrage wurde allerdings vor den US-Wahlen durchgeführt. Ob sich die Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten negativ auf die Luzerner KMU auswirken wird, bleibt für Zemp abzuwarten. Die meisten Luzerner Unternehmen seien zwar nicht direkt in den Handel mit den Vereinigten Staaten involviert. Werde nun aber der Freihandel eingeschränkt, hätte dies negative Auswirkungen auch auf die Luzerner Wirtschaft.

Matthias Stadler

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