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LUZERN: Den Volkshochschulen droht das Aus

Der Kanton hat seinen Beitrag an die Volkshochschulen gestrichen. Damit spart er nur wenig. Für viele Anbieter könnte es aber das Todesurteil bedeuten.
Niels Jost
Für solche Veranstaltungen hat der Kanton die Gelder gestrichen. Im Bild: ein Englischkurs, gestern an der Volkshochschule Dagmersellen. (Bild Pius Amrein)

Für solche Veranstaltungen hat der Kanton die Gelder gestrichen. Im Bild: ein Englischkurs, gestern an der Volkshochschule Dagmersellen. (Bild Pius Amrein)

Niels Jost

Der kantonale Sparhammer trifft die Erwachsenenbildung, genauer: die Luzerner Volkshochschulen. 16 Institutionen gibt es im Kanton Luzern, die sich zum Verband Luzerner Volkshochschulen (VLV) zählen (siehe Kasten). Die Angebote reichen von Computer- und Sprachkursen über Vorträge zu aktuellen Themen und Kulturveranstaltungen bis hin zum Pilates-Training – und sie sind gefragt: 64 000 Kursstunden wurden letztes Jahr genutzt. Möglich machen es unter anderem die über 100 ehrenamtlich arbeitenden Vorstandsmitglieder der 16 Vereine.

Künftig müssen die Volkshochschulen überlegen, welche Angebote sie noch durchführen können. Denn der Kanton hat den jährlichen Beitrag von 47 000 Franken gestrichen, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen. VLV-Präsident Werner Auer bestätigt dies und fügt an: «Für viele Volkshochschulen, vor allem für die kleinen Anbieter, kann dies das Todesurteil bedeuten.» Der Verband teilt die 47 000 Franken nach einem Bewertungssystem auf die 16 Mitglieder auf. Jedes Mitglied erhält somit zwischen 1000 und 5000 Franken. Weil die meisten Volkshochschulen ein tiefes fünfstelliges Budget aufweisen, ist der Kantonsbeitrag für viele von existenzieller Bedeutung.

Sparen auch mit kleinen Beiträgen

Den Sparentscheid hat die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung im letzten Herbst gefällt. Der Grund ist simpel: Der Kanton kann sich das Angebot schlicht nicht mehr leisten. «Wir würden das Angebot gerne weiter unterstützen, aber wir können nur die absolut wesentlichen Angebote finanzieren», sagt Dienststellenleiter Christof Spöring. Mit der Leistung der Angebote der Volkshochschulen habe der Entscheid nichts zu tun, so Spöring.

Dass der Kanton sparen muss, kann VLV-Präsident Auer zwar nachvollziehen. Dass er aber nicht einmal einen Betrag von 47 000 Franken sprechen könne – bei jährlichen Ausgaben des Kantons von rund 3,6 Milliarden Franken – verstehe er nicht. «Bildung ist auch im Erwachsenenalter der Rohstoff, der Zugehörigkeit in der Gesellschaft möglich macht.»

Mit dieser Verhältnismässigkeit konfrontiert, sagt Christof Spöring: «Auch die kleinen Beiträge sind wichtig. Wir müssen uns auf die wesentlichen Angebote fokussieren – schliesslich müssen wir etwa auch bei den Berufsschulen und Gymnasien auf eine Woche Unterricht verzichten.» So sei es durchaus verhältnismässig, auch die Beiträge der Volkshochschulen nicht unangetastet zu belassen.

«Keine Wertschätzung»

Laut Spöring könnten die Teilnehmer mehr für die Kurse bezahlen. Die Teilnahmekosten variieren von Kurs zu Kurs. So ist etwa ein Vortrag kostenlos, für einen Sprachkurs à 15 Lektionen müssen die Teilnehmer wiederum rund 400 Franken bezahlen. «Die Besucher könnten die Teilnahmekosten bestimmt selber tragen», so Spöring. Dies verbildlicht er mit einem Rechenbeispiel: Beim wegfallenden Jahresbeitrag von 47 000 Franken müsse für jede der 64 000 Kursstunden nur etwa 75 Rappen mehr bezahlt werden. «Das ist zumutbar.»

Dieser Vorschlag stösst beim Verband auf wenig Gegen­liebe. Auer: «Das Angebot lebt gerade davon, dass die Teilnahmekosten tief und für alle erschwinglich sind.» Schwer sei es etwa auch, Sponsoren oder Stiftungen für die Volkshochschulen zu finden. «Es geht auch um die Wertschätzung der Tausenden Stunden von Freiwilligenarbeit. Und darum, dass die Kantonsbeiträge abrupt ein Ende fanden.» So hat der VLV noch im Herbst 2014 die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton angepasst und eine Kürzung des Kantonsbeitrages um über 20 Prozent in Kauf genommen – ein Jahr später folgte die Kündigung. Hätte der Kanton den jährlichen Beitrag halbiert, wäre das laut Auer bereits ein Zeichen gewesen, dass die Erwachsenenbildung geschätzt und das lebenslange Lernen gefördert werde. Zudem hätte man mit gekürzten Mitteln einige Kurse weiterhin anbieten können, etwa zum Lesen und Schreiben. Denn die Bekämpfung des Illettrismus wird vom Bund im neuen Weiterbildungsgesetz, das ab 2017 in Kraft tritt, gefordert und gefördert. Laut Christof Spöring liesse die Finanzlage aber auch eine Kürzung der Beiträge nicht zu.

Am Entscheid rütteln lässt sich also nicht. Das haben Werner Auer und Geschäftsstellenleiterin Erna Käppeli bereits versucht, indem sie ihre 16 Mitglieder über die finanzielle Lage laufend informiert und im letzten Herbst aufgefordert haben, sich gegen die Kürzung zu wehren.

Ist das nun das endgültige Aus der Volkshochschulen in Luzern? Auer: «Einzelne Angebote können sich wohl selber finanzieren, etwa die Senioren-Universität.» Diese profitiert von konstant hohen Besucherzahlen und erwirtschaftete 2015 einen Gewinn von rund 3000 Franken. Andere, vor allem ländliche Volkshochschulen, sind weniger gut aufgestellt und weisen in der Erfolgsrechnung meist nur knapp eine schwarze Null auf, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt.

Gesucht: Alternative Finanzierung

Dass alle 16 Volkshochschulen weiter unter einem Verband auftreten und Angebote, Anbieter und Interessenten untereinander austauschen können, das droht es künftig nicht mehr zu geben. Dennoch: Bis im Herbst wird der vierköpfige VLV-Vorstand versuchen, alternative Finanzierungsmodelle zu kreieren. Synergien sollen weiterhin genutzt werden, so der Erfahrungsaustausch, das Betreiben der Homepage und die gemeinsame Haftpflichtversicherung. Als letzte Option stünde die Auflösung des Verbandes. Über die Modelle befindet eine ausserordentliche Versammlung im Herbst.

16 Mitglieder

Verband jon. Den Verband Luzerner Volkshochschulen mit 16 Mitgliedern gibt es seit 70 Jahren.

  • Kulturforum Buchrain
  • Volkshochschule Dagmersellen
  • Kulturgesellschaft Ebikon
  • Spektrum Egolzwil-Wauwil
  • Forum Gersag Emmen
  • Volkshochschule Hitzkirch
  • Erwachsenenbildung Seetal
  • Volkshochschule Horw
  • Senioren-Universität Luzern
  • Forum Malters
  • Kultur und Erwachsenenbildung Nottwil
  • Kultur-Forum Rickenbach
  • Aktuelles Sempach
  • Freiraum Stadt Sursee
  • Unitre-Universitas Luzern
  • Volkshochschule Willisau

Hinweis

Mehr Informationen unter www.luvhs.ch

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