LUZERN: Der Bundesplatz bleibt gefährlich

Dank der Umgestaltung sei der Bundesplatz sicherer geworden, sagen die Behörden. Doch viele Fussgänger halten sich nicht ans neue Regime. Und für Velos gibt es gefährliche Stellen.

Yves Portmann
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So sieht der Bundesplatz neu aus. (Bild: Grafik: mop/ls)

So sieht der Bundesplatz neu aus. (Bild: Grafik: mop/ls)

Die neu gestaltete Umgebung rund um den Bundesplatz sorgt für Unbehagen – nicht nur bei den Autofahrern (Ausgabe vom Samstag), sondern auch bei Velofahrern und Anwohnern. «Ich beobachte täglich lebensbedrohliche Situationen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu schweren Unfällen kommt», sagt Beat Donnini, Eigentümer der gleichnamigen Papeterie an der Bundesstrasse 34.

«Die Situation im Bereich Moos-/Bundesstrasse ist schlichtweg unübersichtlich», so Donnini. Durch die Entfernung des Fussgängerstreifens auf der Bundesstrasse würden Fussgänger oftmals via die neu gebauten Verkehrsinseln die Strasse überqueren, was zwangsläufig zu gefährlichen Situationen führe. «Die Inseln laden dazu ja förmlich ein», sagt Donnini. Da der Linksabbieger auf der Bundesstrasse vom Paulusplatz her in die Moosstrasse weggefallen ist, würden Velofahrer vermehrt den verbleibenden Fussgängerstreifen zur Querung nutzen. «Ich beobachte oft brenzlige Situationen.»

«Landete vor der Kühlerhaube»

Zu einem Unfall ist es am 1. September gekommen: Franz Stalder, Präsident der City-Vereinigung, stürzte mit seinem Velo auf der Bundesstrasse, weil ihm ein Auto den Vortritt nahm. «Nach einer Vollbremsung machte ich einen Salto und landete vor der Kühlerhaube des Autos», erzählt Stalder. Vom Unfall habe er sich zwischenzeitlich mehr oder weniger erholt. «Ich hatte wohl Glück im Unglück», resümiert Stalder.

Zu einer Häufung von Unfällen ist es aber seit der Umgestaltung nicht gekommen. Simon Kopp von der Luzerner Staatsanwaltschaft: «Seit Anfang August hat sich beim Bundesplatz nur ein polizeilich registrierter Unfall ereignet.»

Gefährliche Manöver bei der Brücke

Das Thema Sicherheit beschäftigt auch Pro Velo. «Die Situation rund um den Bundesplatz ist an unserer Sitzung nächste Woche traktandiert», sagt Co-Präsidentin Laura Kopp. Einen Knackpunkt hat Kopp bereits ausgemacht: «Von der Langensandbrücke her bleibt beim Bundesplatz wegen der ausgezogenen Sicherheitslinie enorm wenig Platz, um auf die linke Fahrspur einzubiegen. Das kann zu ganz gefährlichen Situationen führen.» Dieses Manöver wird notwendig, wenn die Fahrt in Richtung Bundesstrasse führt. Laura Kopp betont, dass ihr noch keine negativen Reaktionen von Verbandsmitgliedern zu Ohren gekommen seien. «Da die ganze Situation neu ist, braucht es noch Angewöhnungszeit.»

Viel positiver sieht der stellvertretende Stadtingenieur Roland Koch die Situation. «Die Umgestaltungen rund um den Bundesplatz haben die Sicherheit klar verbessert. Fussgänger müssen nur noch einen Fahrstreifen überqueren und sind durch die Inseln besser geschützt.» Zur kritisierten Situation im Bereich Moos-/Bundesstrasse hält Roland Koch fest, dass Fussgänger nicht gehindert werden können, die Strasse dort zu überqueren, wo sie wollen. «Wir würden es natürlich sehr bedauern, wenn es deshalb zu einem Unfall kommen würde. Unser Ziel war es aber klar, die richtigen Übergänge sicherer zu machen.»

Im Zuge der Sanierung wurden zahlreiche neue Mittelinseln geschaffen, bestehende vergrössert und die Randsteine erhöht. Das bedeutet teilweise deutlich weniger Platz auf der Fahrbahn – es kann zu brenzligen Situationen kommen, wenn an einer solchen Stelle etwa ein Auto ein Velo überholt. «Wir befürchteten, dass markierte Sperrflächen zu wenig beachtet worden wären», sagt dazu Roland Koch. «Ich glaube nicht, dass durch die erhöhten Inseln eine grössere Gefahr für die Verkehrsteilnehmer entsteht.» Die von Pro Velo genannte Situation bei der Langensandbrücke sei seitens der Stadt erkannt. «Wir werden die Sicherheitslinie verkürzen, um so das Einspuren der Velos zu erleichtern», sagt Koch. Weitere kleinere Massnahmen wie Markierungsänderungen würden besprochen.

Koch hält zudem fest, dass der Unfall von Franz Stalder, den er sehr bedauere, nicht kausal mit der Umgestaltung des Bundesplatzes in Verbindung gebracht werden könne.

Stadt liess Verkehr zählen

Wie Roland Koch weiter ausführt, hat die Auswertung eines Monitorings des neu gestalteten Bundesplatzes ergeben, dass sich der Verkehrsfluss in der Zentralstrasse in Richtung Bahnhof verbessert hat. «In der Gegenrichtung haben wir eine leichte Zunahme gemessen», so Koch. Ebenfalls habe sich der Rückstau auf der Moosstrasse durch die neue Einfahrt in die Bundesstrasse verkürzt. Die Erkenntnisse haben auch Einfluss auf die geplante durchgehende Busspur auf der Pilatusstrasse.