LUZERN: Der Crowd-Mänätscher in Aktion

Der Crowd-Mänätscher betreibt im Auftrag unserer Zeitung während der rüüdigen Tage Feldforschung. Hier lesen Sie die Protokolle nach.

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Der Crowd-Mänätscher sorgt für Ordnung. (Bild Philipp Schmidli)

Der Crowd-Mänätscher sorgt für Ordnung. (Bild Philipp Schmidli)

Luzernerstrasse 26, Kriens, Güdisdienstag, 14.22 Uhr.

Das Problem

Wo bin ich denn hier gelandet? Aus Sicht des städtischen Crowd-Mänätschers ist Agglo ja schon mal grundsätzlich verdächtig. Aber dieser Fasnachtsumzug in Kriens, der ist höchst irritierend – Analysealarm! Hier tuckert Traktor an Traktor an mir vorbei, ein Grossteil der Masken ist aus Holz (ganz eigenartige Geräusche werden darin erzeugt!). Dennoch hats massiv viel, fast schon stadtluzernisch viel, gut gelauntes Publikum am Strassenrand.

Die Lösung

Ganz einfach: Der elitäre Stadtfasnächtler muss seine Berührungsängste ablegen, seinen Blick von den PS-starken Dieselmotorvehikeln lösen: Das ist gar keine Traktorenparade, sondern ein Fasnachtsumzug mit rüüdig verreckt viel (urchigem) Lokalkolorit. Am Krienser Galli-Zunft-Umzug wird sogar noch intrigiert, die Zuschauer am Strassenrand werden einbezogen oder «mitgeschleipft». Und inzwischen kann ich – Selbstkritik muss sein! – auch ganz grundsätzlich festhalten: Meine Mänätscher-Ansprüche an der Luzerner Fasnacht, die lassen sich irgendwie nicht recht einlösen. Ob Stadt, Agglo oder Land – analysieren, regulieren, kanalisieren, das funktioniert rüüdig schlecht. Ich kündige. So geht das.

Jesuitenplatz, Bahnhofstrasse Luzern, Güdismontagabend

Das Problem

Habe ich in der Ausgabe vom Freitag tatsächlich ein «Sau-Gmoscht» und ein «Sicherheitsrisiko» an der Fritschi-Tagwache rapportiert? Nun, am Jesuitenplatz und zwischen Kapellbrücke und Luzerner Theater wars gestern Abend phasenweise grad so arg. Der Wagenpark erinnert an alte Indianer-gegen-Cowboy-Filme (nur sinds bei uns Bau- statt Planwagen) und sorgt für ein Puff sondergleichen. Auffällig: So viele kommerzielle Verkaufsstände hatte es noch nie. Und dieses Geschepper aus den Lautsprechern ... Ballermann-Atmosphäre im Luzerner Winter.

Die Lösung

Ganz einfach: Food-Stände in Turnhallengrösse absägen! Die Bauwagenparade lichten. Statt die Dinger im Millimeterabstand aneinanderzureihen, brauchts für die Fasnächtler Platz dazwischen. Und statt sich in Sachen Bummbumm und Konservenschlager gegenseitig überbieten zu wollen: Verkabelt doch mal ein paar Lautsprecher gemeinsam! Ist im Fall technisch möglich. Es gibt ja Musigen, die hier schon gar nicht mehr durchmarschieren, weil deren Kakofonie regelrecht untergeht. Das schafft zwar auch wieder Platz, aber nicht so, wie der Crowd-Mänätscher das will. Also die Lautstärke auch mal runterdrehen! So geht das.

Unter der Egg, Rüüdige Samschtig, 5 Uhr

Das Problem

Rüüdig ist der Samschtig in Luzern. Und er wird es immer mehr. Tausende Huerenaffe drängen sich insbesondere Unter der Egg, tragen Becher, Wurstwaren und Depot-Schötongs hin und her, beschallt von Schlager- und Ballermann-Hits. Ein Gstongg, wie gemacht für den Crowd-Mänätscher!

Die Lösung

Ganz einfach: Verkehr reduzieren, Schötongs abschaffen. So werden unnötige Leergänge zu den Theken vermieden. Die Schötongs Unter der Egg sind auch ein Anachronismus: Überall sonst haben sich die Schötongs aus dem fasnächtlichen Treiben zurückgezogen. Und seien wir ehrlich: Je später die Stunde, desto häufiger beherzigen die Fasnächtler das jetzt schon. Das ist angesichts der immer prekärer werdenden Geradeauslaufeigenschaften vieler Protagonisten auch angezeigt, findet der Crowd-Mänätscher. Doch von den nicht retournierten Schötongs profitieren derzeit ohnehin nur die Beizer, die ein paar Fränkli extra in der Kasse haben. Das muss nicht sein, und deshalb weg damit! So geht das! 

 

Luzerner Altstadt, Komische Friitig, zirka 15.07 Uhr

Das Problem

Nanu? Was ist denn hier los? Bin ich etwa falsch instruiert worden? Da ist ja kein Bein unterwegs. Trostlose Leere in der Luzerner Altstadt. Na gut, ich war zugegebenermassen recht erfolgreich mit mänätschen am Schmutzigen Donnerstag. Habe hier ein paar ekstatisch Tanzende in eine Nebengasse kanalisiert, dort zwei Schmusende nach Hause geschickt und ein paar wichtige Zugänge konsequent abgeriegelt mit dem Hinweis: «Sorry, kein Durchgang, sonst stehen hier mehr als zwei Personen pro Quadratmeter!» Aber trauen sich die Luzerner Fasnächtler wegen mir nun tatsächlich nicht mehr ins Epizentrum? Oder haben die tatsächlich alle so viel Respekt vor der Obrigkeit, weil im Gesetz nur Schmudo, Güdismontag und -dienstag als Fasnachtstage gelten?

Die Lösung

Ganz einfach: Mehr, viel mehr fasnächtliches Leben für den Freitag! Hier muss jetzt die Politik aktiv werden. Es braucht eine Gesetzesänderung: Offizielle Luzerner Fasnachtstage sollen künftig durchgehend vom Schmutzigen Donnerstag bis in den frühen Aschermittwochmorgen sein. Ich als Crowd-Mänätscher will schliesslich genug arbeit haben. In der Pflicht stehen hier zuerst die Liberalen, sie sollen sofort mit einem Vorstoss aktiv werden. Schliesslich waren sie es, die in den 1980er-Jahren überhaupt erst dafür gesorgt hatten, dass die Fasnacht gesetzlich geregelt wird (Ausgabe vom Donnerstag; d. Red.). So geht das.

Kapellplatz Luzern, Schmotzige Donnschtig, 5 Uhr

Das Problem

Urknall, Fasnachtsstart – der Platz ist hoffnungslos überfüllt. Von allen Seiten drängt die Menge zum Fritschibrunnen – kaum ein Durchkommen – und gleichwohl wollen alle irgendwo hin. Ein «Sau-Gmoscht»! Unbändiges Brüllen, das mit dem Chlapfgewitter und dem Fötzeliregen losbricht – Sicherheitsrisiko!

Die Lösung

Ganz einfach: Der Urknall muss dezentralisiert werden. Der Luzerner Kapellplatz gehört den Lozärnern! Es hat einfach zu viele fremde Fötzel(i) hier. Die Grenadiere der Zunft zu Safran müssen konsequent das Nölli-Tor gegen Norden hin abriegeln. Agglofasnächtler aus dem Süden brüelen künftig auf dem Messe-Vorplatz Allmend (direkter S-Bahn-Anschluss), diejenigen aus dem Rontal und aus den Habsburg-Gemeinden sollen, wie früher die Wey-Zunft, alleine auf dem Löwenplatz feiern. Und die Basler, Aargauer und Zürcher, die mit den Extrazügen nach Luzern pilgern: Sie halten ihre Tagwache in der Bahnhofhalle ab, mit all den herumliegenden «Alkoholleichen». So geht das.

Hinweis: Der Crowd-Mänätscher betreibt im Auftrag unserer Zeitung während der rüüdigen Tage Feldforschung in und um Luzern. Er wagt sich dabei an Orte, wo die Luzerner Stadtverwaltung mit ihrer Crowd-Management-Analyse nicht hinschaut. Der Crowd-Mänätscher ist unbestechlich, Angaben zu seiner Person gibt es aus Datenschutzgründen keine.