LUZERN: Der jüngste Ständerat ist ein Luzerner

Der 31-jährige Damian Müller aus Hitzkirch schafft die Wahl in den Ständerat. Jetzt will der FDP-Mann seinen Job kündigen und sich vorerst ganz auf sein neues Amt konzentrieren.

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Durfte gestern für viele (Handy-)Fotos posieren: der neue Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller, hier im Stadtluzerner «Wilden Mann» zusammen mit Parteikollegin und Kantonsrätin Hildegard Meier-Schöpfer. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Durfte gestern für viele (Handy-)Fotos posieren: der neue Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller, hier im Stadtluzerner «Wilden Mann» zusammen mit Parteikollegin und Kantonsrätin Hildegard Meier-Schöpfer. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Rund 2650 Kilometer hat Damian Müller mit seinem dreirädrigen Fahrzeug – er nennt es «Müller-Mobil» – in den letzten Wochen zurückgelegt. Einen aufwendigen Wahlkampf hat er geführt. Von Mitte Juni weg war er an 17 Samstagen unterwegs, rund 60 Luzerner Gemeinden hat er besucht. Die genaue Anzahl Auftritte und Veranstaltungen hat er nicht gezählt. Jetzt ist er am Ziel.

Mit 51'550 Stimmen ist der 31-jährige FDP-Kantonsrat aus Hitzkirch gestern zum Luzerner Ständerat gewählt worden. Der Abstand zum bisherigen Ständerat Konrad Graber (CVP) ist zwar gross (15 343 Stimmen), gross ist aber auch der Abstand (17 220 Stimmen) zur drittplatzierten Prisca Birrer-Heimo (SP). Obwohl sich seine Wahl bereits im ersten Wahlgang am 18. Oktober abgezeichnet hatte, sagte Müller gestern im Gespräch mit unserer Zeitung: «Ich bin sehr erleichtert.» Es sei ein grosser Vertrauensbeweis, den er von der Luzerner Bevölkerung erhalten habe.

Viel Zeit zum Feiern bleibt Damian Müller allerdings nicht. Bereits am kommenden Freitag und Samstag trifft sich seine Fraktion in Bern. Unter anderem wird auch die Verteilung der Kommissionssitze ein Thema sein. Am 30. November wird Müller vereidigt, und am 9. Dezember wird er bereits den neuen Bundesrat mitbestimmen können. Wo genau er im Ständeratssaal sitzen werde und wie er da hinkomme, darüber habe er sich bis jetzt noch keine Sorgen gemacht, meint er. Vielmehr will er sich in die aktuellen Themen einarbeiten. Als Beispiel unter vielen nennt Müller die Rentenreform. Er will sich für ein flexibles Rentenalter einsetzen.

Er will keine Mandate sammeln

Klar ist für den PR-Fachmann, dass er sein Vollpensum als Leiter Verkauf Aussendienst in einer Handelsfirma per Ende Februar aufgeben wird. Er wolle sich vorerst ganz auf sein Ständerats-Mandat konzentrieren. Dieses wird etwa auf ein 70-Prozent-Pensum geschätzt. Im Frühling wolle er dann schauen, ob er neben der Politik eine kleine Stelle oder ein Amt übernehmen könne. Müller, der sein Kantonsratsmandat niederlegen wird, übt neben seinem heutigen Job nur ehrenamtliche Tätigkeiten aus. Er habe bis jetzt auch noch kein Verwaltungsrats-Mandat angeboten bekommen, sagt er. Und er gibt zu verstehen, dass er kein Mandatssammler werden möchte, so wie es in Bern einige davon gibt.

Müller wird im Bundeshaus rasch ein bekannter Mann sein. Er ist nämlich der jüngste Vertreter im «Stöckli». Auch in jenen beiden Kantonen, wo die Ständeratswahl noch nicht entschieden ist, gibt es keine noch jüngeren Kandidaten. «Klar wird ein Interesse an meiner Person da sein», sagt Müller. Er betont aber gleichzeitig auch: «Egal, welches Alter man hat, alle Ständeräte sind dem Wohl des Volkes verpflichtet.» Er wolle seriöse Arbeit leisten und authentisch bleiben.

Mit Ständeratskollege Konrad Graber stehe er bereits in gutem Kontakt. Wichtig sei, dass man offen kommuniziere und einander zuhöre – auch wenn man nicht immer gleicher Meinung sei, sagt Müller, angesprochen auf die Abstimmung über den Bau der zweiten Gotthardröhre. Während Müller das Projekt befürwortet, lehnt Graber dieses ab.

Theiler überreicht Stafettenstab

Unter den Gratulanten im Restaurant Wilden Mann in Luzern war gestern auch Georges Theiler (66). «Ich freue mich riesig und bin auch erleichtert, dass Damian Müller gewählt wurde und dass die Partei so ihren Sitz halten konnte», meinte der abtretende Luzerner FDP-Ständerat auf Anfrage. Dass Müller der jüngste Ständerat ist, sieht Theiler nicht als Nachteil. In der Kleinen Kammer müssten auch die Jungen vertreten sein. Gerade wenn es um grosse Themen wie die Sozialversicherungen gehe, sei es wichtig, dass alle Generationen mitreden könnten. Auch Müllers – im Vergleich zu vielen amtierenden Ständeräten – eher kleiner politischer Rucksack sei kein Manko. «Politik kann man nicht aus Büchern lernen, Politik muss man aktiv betreiben.» 

Gemeinsam will Theiler mit Müller am Freitag ans Fraktionstreffen nach Bern fahren. Dann werde er ihm auch den liberalen Stafettenstab übergeben. Eine alte Luzerner Tradition: Theiler hat diesen bereits von seiner FDP-Ständerats-Vorgängerin Helen Leumann erhalten, und sie wiederum bekam den Stab von ihrem Vorgänger, Robert Bühler. Theiler, der erst als National-, dann als Ständerat während 20 Jahren in Bern politisiert hat, scherzt: «Ich werde Damian Müller am Freitag in Bern alles zeigen, was er wissen muss. Danach kann er für die nächsten 20 Jahre im Bundeshaus bleiben.»

Flurina Valsecchi