LUZERN: Der Pöstler führt – und das Pferd rackert sich ab

Ein Teil der Post wurde 1927 in den Bahnhof verlegt. Für den Versand kamen zu dieser Zeit neben Pferden auch moderne Anlagen zum Einsatz.

Stefan Roschi
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1939 vor dem alten Bahnhof Luzern: Ein Pferd zieht einen Postwagen. (Bild: Max A. Wyss/ Stiftung Fotodok)

1939 vor dem alten Bahnhof Luzern: Ein Pferd zieht einen Postwagen. (Bild: Max A. Wyss/ Stiftung Fotodok)

Im neuen Bahnhof ist im Ostflügel (links) unter anderem die Berufsschule untergebracht. (Bild: Remo Naegeli)

Im neuen Bahnhof ist im Ostflügel (links) unter anderem die Berufsschule untergebracht. (Bild: Remo Naegeli)

Das Ross bringt die Post. Und das gleich haufenweise. Sieben Wagen, gefüllt mit Dutzenden Paketen und Postsäcken, werden vom Pferd gezogen, geführt von einem Beamten in Uniform und einem Gehilfen. Im Hintergrund ist der alte Luzerner Bahnhof zu sehen, in dessen Ostflügel damals ein Teil der Post untergebracht war. Dort wurden die verschiedenen Versendungen vom Zugwaggon direkt auf die kleineren Waggons verladen und dann in die Stadt spediert. Das Bild stammt aus dem Jahre 1939, als der Zweite Weltkrieg losbrach und der internationale Briefverkehr praktisch völlig zusammenbrach. Laut Recherchen von Lilian Bürli, Mitarbeiterin im Luzerner Staatsarchiv, betrug der Anteil Auslandversendungen 1950 nur noch rund sieben Prozent, während es 1910 noch 17 Prozent waren.

Natürlich gabs 1939 in Luzern Autos. Dass Pferde bei der Postverteilung zum Einsatz kamen, war aber nichts Aussergewöhnliches. Erst 1962 stellte die Post ihren Pferdevertrieb ganz ein.

Neue Post erst nach 20 Jahren

Platzprobleme waren auch schon vor 100 Jahren ein Thema. Das 1889 bezogene Hauptpostgebäude bei der Bahnhofstrasse, das noch heute steht, platzte bald einmal aus allen Nähten. Trotzdem benötigte es rund 20 Jahre, bis Luzern eine zweite Poststelle hatte. Als Standort wählte man den Bahnhof, ein neuer Ostflügel (heute Richtung KKL) wurde erstellt und nach zweijähriger Bauzeit im Frühling 1927 eingeweiht. Neu fanden dort die Briefausgabe, der Briefversand, die Paketausgabe und das Bahnpostamt ein Zuhause, wie es im PTT-Archiv nachzulesen ist. Vierzig Jahre später zog die Post wieder aus, nachdem der Bahnhof durch ein Feuer zerstört worden war.

Tunnel zwischen den Poststellen

In der Firmenzeitschrift wurden die neuen Räumlichkeiten 1928 ausführlich beschrieben – vor allem die neue technische Einrichtung: einen 200 Meter langen Tunnel, der die Bahnhof-Poststelle mit dem Hauptgebäude verband. Im Tunnel bewegte sich ein elektrisch angetriebener Förderwagen, mit dem Kleinsendungen bis 50 Kilogramm hin und her geschickt werden konnten. Fahrzeit: zwei Minuten. Diese Elektropost, wie sie genannt wurde, war laut der PTT-Zeitschrift die erste ihrer Art. Der Grund, warum man diese unterirdische Förderanlage überhaupt gebaut hat, könnte auch ein aktueller sein: zu viel Verkehr. Die Beförderung über «den verkehrsreichen Bahnhofplatz» sei zeitraubend, etwas schwierig und sogar gefährlich gewesen.