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LUZERN: Der verborgene Raum der Nonnen in der Pfarrkirche Eschenbach

In der reich geschmückten neubarocken Pfarrkirche von Eschenbach gibt es einen Chorraum, den nur die Klosterfrauen betreten dürfen. Und ausserdem zwei besondere Spiegel.
Susanne Balli
Die Pfarrkirche Eschenbach von innen. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

Die Pfarrkirche Eschenbach von innen. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Mit ihren 106 Jahren ist die Pfarrkirche von Eschenbach vergleichsweise jung. Das neubarocke Gotteshaus des St. Galler Architekten August Hardegger gehört zu den künstlerisch am reichsten ausgestatteten Landkirchen. Durch die vielen Wand- und Deckengemälde und die dekorativen goldenen Ornamente im Innern nähert sie sich dem Rokoko. Mit dem Zisterzienserinnenkloster Eschenbach ist sie eng verbunden – einerseits, was ihre Entstehung betrifft, andererseits auch im wahrsten Sinne des Wortes über einen Verbindungsgang. Doch dazu später mehr.

Die beiden Zwiebeltürme der Kirche fallen schon von weitem ins Auge. Die kupfernen Dächer sind mit einer grünen Patina überzogen – ebenso wie das Dach der benachbarten Klosterkirche, die kurz vor der Pfarrkirche erbaut wurde. Zusammen bilden die beiden Gotteshäuser eine harmonische Einheit. Was man von aussen nicht sieht: Der nördliche Turm der Pfarrkirche wie auch ein Teil des Chors stammen von der Vorgängerkirche, die 1627 eingeweiht wurde. Beim Bau 1912 entstand auf der Südseite des Chors der zweite Turm.

Damaliger Pfarrer trieb den Neubau voran

Im Frühjahr 1911 wurde mit dem Bau der neuen Kirche begonnen. Bereits am 13. August 1912 konnte sie eingeweiht werden – übrigens in derselben Woche wie die Pauluskirche in Luzern. Die rasante Umsetzung haben die Eschenbacher unter anderem dem 1907 gewählten Pfarrer Vinzenz Ambühl zu verdanken, der sich mit viel Eifer für die Kirchenbauten in Eschenbach einsetzte.

«Einen grossen Beitrag an die Pfarrkirche leistete auch das Kloster», weiss Christoph Beeler, der die drei Pfarreien Ballwil, Eschen­bach und Inwil leitet. Das Kloster überliess der Kirchgemeinde unentgeltlich den bisherigen Platz der Kirche sowie eine Parzelle für die notwendige Verlegung des Friedhofs. Zudem auch die alte Kirche samt Einrichtung und zwei Glocken. «Das Kloster lieferte auch die Hälfte des Bauholzes und zahlte 60 000 Franken an den Bau der Kirche», sagt Beeler weiter. Also knapp ein Sechstel der Baukosten von insgesamt 380 000 Franken. «Als Gegenleistung musste die Kirchgemeinde dem Kloster oberhalb der Sakristei einen Raum abtreten», erklärt Christoph Beeler.

Beim Kloster Eschenbach handelt es sich um ein geschlossenes Kloster, die Klausur ist den Schwestern sehr wichtig. Der sogenannte Nonnenchor ist vom Hauptschiff her gut zu sehen. An der hinteren Wand des Chors führen zwei Türen in die grosszügige Sakristei; zirka zwei Meter oberhalb der Türen sieht man den «Balkon» des Nonnenchors. Dieser darf nur von den verbleibenden acht Klosterfrauen betreten werden, es sei denn, sie geben ihre ausdrückliche Erlaubnis. So betrat am letzten Freitag anlässlich der Kirchenführung für diesen Artikel selbst Christoph Beeler zum ersten Mal den Nonnenchor. Dazu muss man in der Sakristei wortwörtlich durch eine Schranktüre hindurch schreiten, von wo ein kleines, geschwungenes «Hühnertreppchen» zum Nonnenchor hinaufführt. Die Klosterfrauen nehmen selbstverständlich einen anderen Weg, nämlich den eingangs erwähnten Verbindungsgang zum Kloster. «Bei feierlichen Gottesdiensten sieht man vom Balkon herab hin und wieder einen schwarzen Schleier hervorblitzen. Die Klosterfrauen dürften eigentlich nicht zu den Gottesdienstbesuchern hinuntergucken», sagt Lisbeth Brunner, die als Sakristanin ebenfalls zugegen war. Ein Spiegel ermöglicht es den Nonnen, das heilige Brot während Wandlung zu sehen. Er ist unter dem Dach des Baldachins über dem Altar schräg angebracht.

Apropos Spiegel: Es gibt noch einen anderen Spiegel, der in der dreischiffigen Pfarrkirche von Eschenbach verborgen ist. Er befindet sich auf der linken Seite im Beichtstuhl, dort, wo normalerweise ein Gitter die Beichtenden vom Priester trennt. «In diesem Spiegel siehst du einen Menschen, den Gott bedingungslos liebt», ist dort zu lesen. Die gespiegelte Person wird damit zur (Selbst-)Reflexion animiert. Es ist die erste Station des Versöhnungsweges durch Eschenbach.

Hinweis

Quelle: Franz Gross-Weltert und Lothar Emanuel Kaiser: Eschenbach/Luzern. Zisterzienserinnenkloster und Pfarrkirche, Emmenbrücke 2010.

Die Pfarrkirche Eschenbach von der Strasse aus gesehen. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

Die Pfarrkirche Eschenbach von der Strasse aus gesehen. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

Blick in Richtung Altar der Pfarrkirche Eschenbach. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

Blick in Richtung Altar der Pfarrkirche Eschenbach. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

Blick in Richtung Orgel. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

Blick in Richtung Orgel. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

Blick auf die beiden Türme der Pfarrkirche Eschenbach. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

Blick auf die beiden Türme der Pfarrkirche Eschenbach. (Bild: Corinne Glanzmann (16. Februar 2018))

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