LUZERN: Der «vergessene Museggturm» geistert durch die Moderne

In den vergangenen Tagen sorgte ein Bild im Internet für Verzückung: Auf Facebook teilte eine Nutzerin die Visualisierung des wissenschaftlichen Illustrators Joe Rohrer aus Luzern. Darauf zu sehen: der «vergessene Museggturm» oder, um historisch korrekt zu bleiben: das Äussere Weggistor.

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Das Äussere Weggistor würde heute direkt bei der Einmündung zur Hertensteinstrasse stehen. (Bild: Illustration Joe Rohrer)

Das Äussere Weggistor würde heute direkt bei der Einmündung zur Hertensteinstrasse stehen. (Bild: Illustration Joe Rohrer)

In den vergangenen Tagen sorgte ein Bild im Internet für Verzückung: Auf Facebook teilte eine Nutzerin die Visualisierung des wissenschaftlichen Illustrators Joe Rohrer aus Luzern. Darauf zu sehen: der «vergessene Museggturm» oder, um historisch korrekt zu bleiben: das Äussere Weggistor. Ein Bauwerk, das es leider nicht in die Moderne geschafft hat obwohl es, eingebettet zwischen dem Restaurant Lapin, dem Käsegeschäft Barmettler und der Bäckerei Bachmann, auch heute noch eine vorzügliche Falle machen würde. In der Facebook-Gruppe «Du besch vo Lozärn, wenn...», wo sich inzwischen schon über 11000 (!) Personen regelmässig über Luzern und seine Eigenheiten austauschen, wurde die Visualisierung denn auch zahlreich angeklickt und rege diskutiert.

Wir nehmen die Diskussion an dieser Stelle gerne auf und liefern mit Hilfe von Kantonsarchäologe Jürg Manser noch ein paar Details und Hintergründe zu diesem Blickfang. Wussten Sie zum Beispiel...

...dass das Äussere Weggistor ursprünglich als Wehrturm konzipiert und zuletzt unter anderem als Gefängnis genutzt wurde?

...dass das genaue Baujahr des Turms bis heute nicht bekannt ist?

...dass der Turm 1860 nur abgerissen wurde, weil er bei der Stadtplanung im Weg stand, während die anderen Türme von ihrer «unproblematischen Lage» weiter oben am Hang profitierten und insbesondere deshalb von einem ähnlichen Schicksal verschont blieben?

...dass einige Bürger von Luzern damals vergeblich Widerstand gegen die Abrisspläne geleistet haben?

...dass das Äussere Weggistor schon 1393, also vor über 600 Jahren, zum ersten Mal in historischen Quellen erwähnt wird («zem ussren wegtor»)?

...dass bei Kanalisationsarbeiten an der Museggstrasse auch heute noch regelmässig Teile des Turmfundaments zum Vorschein kommen?

...dass das Relief des Stadtwappens beim Abbruch des Tors 1860 gerettet wurde und sich heute im Historischen Museum Luzern befindet? Und

...dass eine kolorierte Kopie dieses Stadtwappens (angefertigt 1943 von Leopold Haefliger) am Schirmerturm angebracht wurde, wo sie heute noch bewundert werden kann?

Es wären wohl noch zahlreiche weitere Punkte aufzuführen. Zum Beispiel und da will ich ganz offen sein –, dass die Visualisierung, wie man sie oben sieht, nicht ganz neu ist, so wie es die Facebook-Nutzerin suggerierte, die diese im Netz verbreitet hat. Nein, kleinformatig ist sie sogar schon einmal in unserer Zeitung zu sehen gewesen. 2012 war das, als ein neues Buch zu den «Neun Türmen über der Stadt Luzern» erschien. Im Internetzeitalter also: vor einer Ewigkeit.

Aber seien wir ehrlich: Der oft vergessene, «zehnte Museggturm» hat diesen zweiten, diesmal etwas prominenteren Auftritt mehr als verdient. Immerhin würde sich heute die halbe Shopping-Zentralschweiz durch sein Tor hindurchquetschen, wenn er noch stehen würde. Vielleicht wäre diese Vorstellung zum Beispiel während eines Adventsverkaufs-Sonntags – auch mal eine Visualisierung wert...

Pascal Imbach