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Interview

Ernst Zimmerli: «Die Arbeit als freier Sportreporter war meine Freizeit»

Vor 34 Jahren ist Ernst Zimmerli mit Fussball-Matchberichten in den Journalismus eingestiegen. Der 56-jährige Onlineredaktor ist ein Quereinsteiger, wie er im Buche steht. Auf der Allmend und im Wirzweli hat er Spuren hinterlassen.
Onlineredaktor Ernst Zimmerli vor den Bildschirmen der Onlineredaktion. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 1. März 2018))

Onlineredaktor Ernst Zimmerli vor den Bildschirmen der Onlineredaktion. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 1. März 2018))

Ernst Zimmerli, Sie sind ein alter Krieger als Journalist und, wie ein Kollege sagte, ein Hansdampf in allen Gassen, der immer weiss, was los ist. Was meinte er damit?

15 Jahre war ich freier Journalist. Die Freien setzt man dort ein, wo jemand gebraucht wird. So hatte ich Einblick in etliche Sportarten und lernte viele Leute kennen.

Sie haben Hochbauzeichner gelernt und sind später in den Journalismus eingestiegen. Wer hat Sie dazu gebracht?

Mein Schwager Roli Bucher war FCL-Reporter beim «Tagblatt». Er fragte, ob ich über Regionalfussball schreiben wolle. Da ich immer sportinteressiert war und selber Fussball spielte, sagte ich als 22-jähriger Bursche zu.

Matchberichte. Der Klassiker für Einsteiger, nicht?

Wobei ich nicht nur über ein Spiel berichtete, sondern über bis zu sechs Matches an einem Wochenende. Einen oder zwei besuchte ich selber, Infos von anderen holte ich telefonisch ein. Ich war jedes Wochenende auf Fussballplätzen und in der Redaktion und füllte jeweils eine Seite.

Nach Fussball wurde Volleyball Ihr Spezialgebiet. Wie kamen Sie zu diesem Sport?

Der damalige Sportchef Bläsi Suppiger schickte mich an Volleyballspiele der Frauen. Dabei muss man wissen, dass der BTV Luzern und der VBC Montana das Mass der Dinge waren. Damals boten dem Volleyball alle drei Luzerner Zeitungen eine super Plattform. Ich rutschte da rein und machte meine Sache wohl nicht schlecht, denn ich wurde von der Redaktion bald nur noch für Volleyball eingesetzt. Dadurch lernte ich Spielerinnen und Funktionäre kennen und wurde Presseverantwortlicher im Vorstand des BTV.

War das als Zeitungsmensch nicht heikel?

Das wäre heute undenkbar. Ich trennte immer klar ab zwischen Vereinsmitglied und Journalist. Interna kamen nicht in die Zeitung, und Matchberichte schrieb ich nicht durch die Vereinsbrille.

Das funktionierte?

Im Volleyball einwandfrei. Später wechselte ich durch Kolleginnen zum Handball und berichtete über die Spiele der Frauen von Spono Nottwil. Auch dort übernahm ich eine Funktion im Vorstand. Später wurde ich Goalie-Trainer bei Borba Luzern.

Vermutlich auch bei den Frauen. Stimmt’s?

Abgesehen von meiner aktiven Fussballzeit hatte ich es immer mit Frauen zu tun. Ich wuchs mit vier Schwestern auf und lebe heute mit meiner Frau und unseren zwei Töchtern zusammen.

Sie gingen, wieder auf den Sport bezogen, nicht den Weg des geringsten Widerstandes?

Für mich war die Situation als Sportfan ideal. Auch bei Spono berichtete ich für die Zeitung aus meiner Sicht neutral und nicht aus Sicht des Clubs. Das sahen nicht alle so, darum wurde ich aus dem Club hinauskomplimentiert.

Sie scheinen viel Zeit in die Berichterstattung investiert zu haben. Gab’s auch Freizeit?

Das war meine Freizeit. Für mich war das Verfassen der Berichte nie Arbeit, ich finanzierte mir damit meine Ferien. Ich reiste über 25 Jahre jeweils mehrere Wochen in die USA.

Bis Sie auch beruflich Journalist wurden, vergingen Jahre.

Mir wurde 1995 bei der «Luzerner Zeitung» eine Stelle angeboten. Der damalige Chefredaktor Thomas Bornhauser sagte: «Ernst, ich habe genau den richtigen Job für dich, in der Nidwaldner Redaktion.» In Amerika erfuhr ich, dass die «Luzerner Zeitung und die LNN fusionierten. Den Zeitpunkt für einen Eintritt erachtete ich als ungünstig.

Ein Jahr später, im September 1996, wurden Sie eingestellt. War’s dann günstiger?

Sogar perfekt. Der Chef sagte wieder: «Ernst, ich habe genau den richtigen Job für dich – in der Zuger Redaktion im Sport.»

Mussten Sie sich bewerben?

Fast nie. Einzig für meine Lehrstelle. Danach arbeitete ich fünf Jahre als Zeichner, bis mir ein Job als Operator angeboten wurde, und fünf Jahre später offerierte man mir eine Stelle als Programmierer. Als Hochbauzeichner habe ich übrigens die Pläne für die alte Allmend-Tribüne gezeichnet und jene für die Bergkapelle Wirzweli. In dieser Kapelle heiratete ich meine Frau Flavia.

Bei der «Zuger Zeitung» wechselten Sie vom Sport ins Ressort Stadt. Erklären Sie den Wechsel.

Der Ressortleiter fragte mich an. Weil es ein Abnützungskampf war, jeden Tag alleine eine bis zwei Sportseiten zu füllen, sagte ich zu. Ich bewarb mich nicht.

Ich dachte, Sie könne nichts erschüttern oder aus der Ruhe bringen. Auch unzufrieden sieht man Sie nie.

Bin ich auch nicht. Ich wollte die Chance nutzen und auch eine andere Seite des Journalismus erleben als nur jene des Sports. So lernte ich das Handwerk des Lokaljournalismus von Grund auf.

Seit einigen Jahren sind Sie ein Onliner. Was ist für Sie anders als beim Print?

Für mich als spät gesegneten Familienvater sind die geregelten Arbeitszeiten super. Ausserdem ist die Arbeit vielseitiger, da wir immer aktuell informiert sind. Man ist mitten im Geschehen.

Um auf die Aussage unseres Kollegen eingangs zurückzukommen. Wie meinte er, dass Sie immer wissen, was los ist?

Vielleicht kommt es von meiner Tätigkeit in Vereinen und der Redaktion in Zug, wo ich vom Grossen Gemeinderat berichtete. Damals lernte ich Parlamentarier und Politiker kennen und spürte, wie die ticken. Ich wusste, wer auf was wie reagieren wird.

Was haben Sie, abgesehen davon, dass Sie das Gras wachsen hören, von dieser Zeit mitgenommen?

Seither begreife ich nicht, wie man Leute aufgrund von Wahlauftritten und Kampagnen in die Politik wählen kann, ohne diese richtig zu kennen.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch


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