Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Die Aura der Biederkeit ist abgestreift

Es ist noch nicht allzu lange her, da standen Schrebergärten vor allem bei Jungen sinnbildlich für Biederkeit. Das hat sich geändert. Warum?
Thomas Heer
Ramona Geiger (24) und Claude Hagen (27) arbeiten derzeit ungefähr acht Stunden die Woche in ihrem 317 Quadratmeter grossen Schrebergarten im Gebiet Sedel. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Ramona Geiger (24) und Claude Hagen (27) arbeiten derzeit ungefähr acht Stunden die Woche in ihrem 317 Quadratmeter grossen Schrebergarten im Gebiet Sedel. (Bild: Manuela Jans-Koch / Neue LZ)

Ramona (24) und Claude (27) haben vor zwei Monaten einen Schrebergarten im Gebiet Sedel übernommen und bringen diesen auf Vordermann. (Bild: Manuala Jans-Koch / Neue LZ)
Claude giesst die Pflanzen, die sie im Sommer noch säen konnten. (Bild: Manuala Jans-Koch / Neue LZ)
Auch Jäten gehört zu den regelmässigen Arbeiten, welche es in einem Garten zu erledigen gilt. (Bild: Manuala Jans-Koch / Neue LZ)
Neben Gemüse pflanzen die Hobby-Gärtner auch Blumen an. (Bild: Manuala Jans-Koch / Neue LZ)
Blumen erfreuen nicht den Gaumen, sondern das Auge der Gärtner. (Bild: Manuala Jans-Koch / Neue LZ)
Claude erntet Fenchel. (Bild: Manuala Jans-Koch / Neue LZ)
Randen und Fenchel haben Ramona und Claude in ihrem Schrebergarten bereits geerntet. (Bild: Manuala Jans-Koch / Neue LZ)
Mario (25) giesst in seinem Schrebergarten Neuhof in Emmenbrücke Fenchel und Kolrabi. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Mario prüft die Früchte: Die Himbeeren sind noch nicht reif. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Das Werkzeug benötigt Mario für die Gartenarbeit. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Die Zucchini binden Kenner für ein besseres Wachstum hoch. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
11 Bilder

Trend Schrebergarten

Thomas Heer

«Einst war der Spiesser das, wovor die 68er warnten und wogegen sie agierten: Nieder mit den Schrebergartenzäunen, hört auf eure Autos jeden Samstag zu waschen.» Diese Zeilen finden sich im Buch «Der moderne Spiesser», das die beiden deutschen Autoren Charlotte Förster und Justus Loring vor rund zwei Jahren veröffentlichten. Angekommen im Hier und Jetzt kommen die deutschen Förster und Loring zum abschliessend befreienden Schluss: «Ein unspiessiges Leben ist im Grunde unmöglich.»

Seit 1. Juni hat Claude Hagen zusammen mit seiner Freundin Ramona Geiger im Gebiet Sedel beim Rotsee einen Schrebergarten gepachtet. Der 27-jährige Stadtluzerner und beruflich als Texter tätig, sagt: «In meinem Bekanntenkreis wurde dieser Entscheid positiv aufgenommen.» Bei der 24-jährigen Geiger fiel die Resonanz durchwachsener aus: «Einige haben gelacht. Sie sind der Auffassung, beim Ganzen handle es sich lediglich um einen Spleen.»

Lavendel gegen Blattläuse

Davon gehen die beiden Junggärtner aber nicht aus. Auf dem 317 Quadratmeter grossen Areal, das sie von der Stadt Luzern für jährlich 420 Franken gepachtet haben, wollen sie künftig vor allem Gemüse, Kräuter und Obst anbauen. Primäres Ziel bleibt vorerst, sich mit diesen Produkten selber zu versorgen. Hagen, der das Gärtnern während seiner Jugend in der Familie kennen gelernt hat, sagt: «Mir geht es auch darum, für den Anbau eines Teils der Lebensmittel, die ich konsumiere, selber verantwortlich zu sein.» Für die Pflege ihres Gartens wenden Hagen und Geiger in der Anfangsphase wöchentlich etwa acht Arbeitsstunden auf. Sie gehen davon aus, dass sich die Stundenzahl dereinst verringern wird. Dann nämlich, wenn das Terrain in der Art und Weise bestellt ist, wie sie sich das vorstellen.

Koch sorgt sich um Gesundheit

Selbstredend werden im Garten der beiden Luzerner keinerlei Chemikalien verwendet. Vielmehr setzen die zwei Hobby-Gärtner auf Mischkulturen, was einen ökologisch nachhaltigen Anbau nach sich zieht. Hagen erklärt: «Ein wirkungsvolles Mittel gegen Blattläuse ist zum Beispiel der Lavendel.»

Die Lebensmittelindustrie sorgt regelmässig mit Skandalen für negative Schlagzeilen. Das mag mit ein Grund sein, dass sich die Jungen vermehrt ihren eigenen Garten zulegen. Mario Bucher ist 25-jährig und von Beruf Koch. Seit kurzem bewirtschaftet er einen Garten in Emmenbrücke. Bei ihm steht der Gesundheitsgedanke im Vordergrund. Er sagt: «Ich will wissen, was ich meinem Körper zuführe.» Was Bucher nicht selber konsumieren kann, verschenkt er an Bekannte und Verwandte. Einen Teil des Gemüses macht er zudem ein. Auch im Winter will Bucher nicht auf natürlich produzierte Lebensmittel verzichten.

Verband spürt den Boom

Dass das Gärtnern bei der jungen Generation an Beliebtheit gewonnen hat, ist auch Werner Hermann, Vizepräsident des Schweizerischen Familiengärtner-Verbandes, nicht entgangen. Er sagt: «Die Gründe, weshalb sich die Jungen vermehrt für einen eigenen Garten entscheiden, sind vielfältig. Es geht teils um eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, aber auch das Thema Gesundheit ist wichtig, und einigen geht es schlicht um die Erholung.»

Gesamtschweizerisch zählt der Familiengärtner-Verband zirka 23 000 Mitglieder. Davon gibt es 2200 in der Zentralschweiz. Diese finden sich in den Kantonen Zug, Luzern und Obwalden. Keine offiziellen Familiengärten gibt es in Uri, Schwyz und Nidwalden.

Balkon-Gemüse

Luzern eer. Von Singapur bis New York, von Sydney bis Zürich – Urban Gardening boomt in vielen Teilen der Welt. Auch in der Zentralschweiz finden sie sich, die Beete, in denen auf Balkonen und Terrassen Gemüse angebaut wird. In diesem Bereich gibt es ein auffallendes Projekt in der Stadt Luzern. Auf dem Areal des ehemaligen Hallenbades an der Bireggstrasse hat sich der Verein Neugarten etabliert. Unter anderem wird die Gebäude-Terrasse genutzt, um auf Hochbeeten verschiedenste Gemüse- und Kräutersorten anzubauen. Total bewirtschaftet der Verein heute mehrere hundert Quadratmeter. Matthias Felder vom Neugarten-Vereinsvorstand sagt: «Was wir anbauen, wird nach der Ernte an die Vereinsmitglieder verteilt.» Das sind gut zwei Dutzend Männer und Frauen, im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Mario Bucher (25) pflanzt Gemüse im Schrebergarten Neuhof in Emmenbrücke. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Mario Bucher (25) pflanzt Gemüse im Schrebergarten Neuhof in Emmenbrücke. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Für die Arbeit im Schrebergarten wird Werkzeug benötigt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Für die Arbeit im Schrebergarten wird Werkzeug benötigt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Ein Kohlrabi aus dem eigenen Garten - der Lohn für die Arbeit. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Ein Kohlrabi aus dem eigenen Garten - der Lohn für die Arbeit. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.