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LUZERN: Die Chorherren der Hofkirche öffnen ihre Schatzkammer

Das Chorherrenstift feiert dieses Jahr ein grosses Jubiläum. Ist es heute ein überaltertes Grüppchen konservativer pensionierter Geistlicher? Weit gefehlt – das Stift stellt sich den Gegenwartsfragen.
Hugo Bischof
Othmar Frei, Probst (Vorsteher) des Chorherrenstifts, mit dem wertvollen Burgunderkelch vor einem Teil des Stiftsschatzes in der Luzerner Hofkirche. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. Februar 2018))

Othmar Frei, Probst (Vorsteher) des Chorherrenstifts, mit dem wertvollen Burgunderkelch vor einem Teil des Stiftsschatzes in der Luzerner Hofkirche. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. Februar 2018))

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Die Stadt Luzern habe ihr 800-Jahr-Jubiläum 1978 zu früh gefeiert. Sie sei 1178 noch gar keine Stadt gewesen, sondern erst ein kleines Fischerdörfchen. Mit dieser Ansicht hat Othmar Frei, Probst (Vorsteher) des Chorherrenstifts der Hofkirche Luzern, an einen alten Expertenstreit erinnert und die Diskussion über die Bedeutung von Jubiläen generell neu belebt (Ausgabe vom 1. März).

Die Chorherren feiern dieses Jahr ihrerseits ein grosses Jubiläum, nämlich 1250 Jahre Stift und Kloster St. Leodegar Luzern. Zu diesem Anlass organisieren sie diverse Anlässe. Einer der Höhepunkte ist die Eröffnung der neu gestalteten Ausstellung des Stiftsschatzes am Ostermontag, 2. April, in der Hofkirche.

Weltweit nur zwei solche Kelche

Erstmals seit der Einrichtung der Schatzkammer 1933 sollen die Objekte in ihrer ganzen Vielfalt neu präsentiert werden. Der Luzerner Stiftsschatz gehört zu den bedeutendsten sakralen Schätzen der Schweiz. Die ältesten Objekte, ein als Silberrelief gestalteter Messbucheinband sowie ein vergoldetes Vortragekreuz, datieren aus dem 12. Jahrhundert. Beides sind Schenkungen des damaligen Propstes Ulrich von Eschenbach. Zu sehen sein werden sechs fast lebensgrosse, silberne Reliquienbüsten sowie aufwändig verarbeitete Reliquiare. Letztere sind kunstvolle Behälter, in denen Reliquien von Heiligen (Knochen, Teile von Kleidungsstücken) aufbewahrt werden.

Von herausragender Bedeutung ist ein goldener Kelch aus der Burgunderbeute. Die Eidgenossen nahmen ihn 1476 Karl dem Kühnen in der Schlacht von Grandson ab. «Was ihn so besonders macht, ist die Verzierung mit Goldkügelchen von weniger als einem Zehntel-Millimeter Durchmesser», erklärt Othmar Frei. Diese sogenannte Granulation hätten schon die Etrusker angewandt. Gemäss Frei existiert weltweit nur ein zweiter ähnlicher Kelch – in Assisi.

Der Stiftsschatz befindet sich in einem Nebenraum des Kirchenchors. Der Eingang erfolgt über die Sakristei. «Im Lauf der vergangenen Jahrhunderte hat sich hier eine Vielzahl sakraler Objekte angesammelt», sagt Frei. Es handelt sich unter anderem um Monstranzen, Messkelche und wie erwähnt Reliquiare. Vieles sind Schenkungen aus der Zeit nach dem Wiederaufbau der Hofkirche im 17. Jahrhundert. Die fachliche Verantwortung für die Neugestaltung der Ausstellung hat Urs-Beat Frei, Kulturwissenschafter und Fachmann für christliche Sakralkultur aus Luzern.

Ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahrs wird die Präsentation einer Urkunde von Kaiser Lothar aus dem Jahr 840 sein. Sie enthält die erstmalige Erwähnung des Namens «Luciaria» (Luzern). Es geht um eine Schenkung von Lothars Urgrossvater Pippin an das Kloster Luzern. Demnach hatten fünf Männer aus «Emau» (Emmen) fortan für das Kloster und nicht mehr für den König Dienste zu leisten. Pippin regierte das Frankenreich 751 bis 768. Auf dieser Jahreszahl 768 beruht das 1250-Jahr-Jubiläum von Kloster und Stift St. Leodegar. Die auf Lateinisch verfasste Urkunde befindet sich heute in Colmar. Sie soll im Herbst 2018 im Staatsarchiv Luzern ausgestellt werden. Das genaue Datum steht noch nicht fest, denn zuerst muss noch der französische Staat seine Einwilligung geben. Das Staatsarchiv hat ein entsprechendes Gesuch gestellt.

So viel Aktivität, so viel Hintergrund-Arbeit – da stellt sich die Frage: Wer sind die Chorherren eigentlich? Viel ist über sie in der Öffentlichkeit nicht bekannt -und wenn, dann sind es meistens Klischees. Eines lautet: Die Chorherren sind ein kleines, hoffnungslos überaltertes Grüppchen konservativer pensionierter Geistlicher, die geheimnisvolle Riten pflegen. Die Wirklichkeit ist eine andere. Klein ist die Gruppe der Chorherren zwar tatsächlich, aber sie beschäftigt sich intensiv mit der heutigen Realität.

Trotz Durchschnittsalter 80 keine Nachwuchsprobleme

Im weitesten Sinne sind die Chorherren die Nachfolger der früheren Benediktinermönche in Luzern (siehe Zeitschiene auf der rechten Seite). «Wir sind aber kein Kloster mehr», erklärt Othmar Frei. «Ohne eine mönchische Gemeinschaft zu bilden, pflegen wir einen mitbrüderlichen Geist und versuchen, einander geistliche Heimat zu sein.» Rund 80 Jahre beträgt heute das Durchschnittsalter der Chorherren. Dennoch: Nachwuchsprobleme gebe es keine, sagt Othmar Frei, selber 84-jährig: «Wir fragen immer wieder Personen an. Nicht allen sagt das Chorgebet zu. Und es kann zum Beispiel sein, dass der einzige Pfarrer im Entlebuch sagt: ‹Ich bleibe lieber hier, statt nach Luzern zu gehen.›» Dennoch finde man immer wieder Neumitglieder.

Können nur Priester Chorherren werden? «Nach dem geltenden Kirchenrecht ist es so», sagt Othmar Frei. «Aber das könnte leicht geändert werden. Denn Laien, auch Nichttheologen und Frauen, könnten genau so gut die eigentliche Aufgabe, das Chorgebet, mittragen.» Nach den Statuten des Stifts St. Leodegar aus dem Jahr 2002 dürfen schon jetzt «Freundinnen und Freunde des Chorgebets» dabei sein. Das sei beim Abendgebet am Sonntag bereits regelmässig der Fall.

Gibt es bald auch Chorfrauen?

«Der nächste Schritt wäre, dass diese Frauen und Männer eigentliche Stiftsmitglieder werden können», sagt Frei. Wann es so weit sein wird, kann der Probst nicht sagen. Ob man dann von «Chorherren und Chorfrauen» reden würde – auch dies ist offen. Es sei aber eine Tatsache, dass es heute «in den Pfarreidiensten mehr Frauen als Männer hat», betont Frei: «Ohne Frauen wäre heute in der Kirche vieles nicht möglich.» Zudem seien auch in den bischöflichen Kurien (Leitungs- und Verwaltungsorgane) viele Frauen tätig.

Warum dann lässt die offizielle katholische Kirche in der Frauenfrage dennoch keine weitergehende Liberalisierung zu? «Das grösste Hindernis ist wohl der Widerstand der orthodoxen Ostkirchen», erklärt Othmar Frei. «Man will im Gleichgang vorwärts gehen und hat Angst, dass ein einseitiges Vorgehen als Provokation verstanden würde.»

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