LUZERN: Die erste Guuggenmusig

Ein Basler gründete in den 40er-Jahren die erste Luzerner Guuggenmusig. Über die genaue Jahreszahl wurde lange gestritten. Bis ein Machtwort den Spekulationen ein Ende setzte.

Sandra Monika Ziegler
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Die «Luzerner Original Guggenmusig 4711» posierte im Jahr 2015 mit dem Sujet «Ahnengalerie» im Luzerner Rathaus. (Bild: Rolf Furrer)

Die «Luzerner Original Guggenmusig 4711» posierte im Jahr 2015 mit dem Sujet «Ahnengalerie» im Luzerner Rathaus. (Bild: Rolf Furrer)

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Der 18. Februar 1947 war ein Güdisdienstag – das ist belegt –, und an diesem Dienstag lief Sepp Ebinger (1912–1983) erstmals mit einer Gruppe von Musikanten, oder solchen, die es zu sein glaubten, durch die Luzerner Fasnachtsszene. So kam dieser Tag als Geburtstag der «Luzerner Original Guggenmusig 4711» (LOG) ins Gespräch und bot den Boden für Gerüchte und Debatten. Denn in den über 100 Zitaten, die der Chronist und Bassist der LOG, Toni Hofmann, zu diesem Thema gesammelt hatte, werden auch andere Gründungsdaten erwähnt. Die Auswertung ergab: In sechs Zitaten wird als Gründungsjahr 1946, gar 1945 genannt, in 30 legte man sich auf das Jahr 1947 fest und in 37 auf das Jahr 1948. Selbst Gründer Ebinger rechnete nicht immer mit derselben Jahreszahl. Ein Tondokument aus dem Jahr 1979 beweist jedoch, dass zumindest der Dienstag als Gründungstag stimmt. Damals sagte Ebinger sinngemäss: «Wir haben das bewusst am Ende der Fasnacht gemacht; am Güdisdienstag, der ist ja eh faul, so ist das entstanden.» Über das tatsächliche Gründungsjahr wurde in der Folge weiter gestritten und debattiert. Deshalb sprach der achtköpfige Vorstand im Jahr 1986 ein Machtwort und bestimmte das Jahr 1947 als Geburtsjahr.

Seither führt die «Luzerner Original Guggenmusig» den Zusatz 4711. «Das war ein Schelmenstreich, damit haben wir jetzt auf unserer Fahne die Zahl 47 – unser Geburtsjahr», scherzt Toni Hofmann. Dass sich selbst Ebinger dazu nicht klar äusserte, begründet Hofmann so: «Sepp meinte mit 1947 die Geburt, mit 1948 die erste Fasnacht, an der die Musig die ganze Fasnacht unterwegs war, und mit 1949 die Gründungsversammlung.» Mit einem Handelsregistereintrag wurde dann sogar der Name geschützt. «Zu den ersten Original-Guuggern gehörten etwa Schauspieler Peter W. Loosli, der Bauunternehmer Gottfried Anliker, die Hoteliers Otto Linsi vom Hotel Monopol und der Hansdampf in allen Gassen Fugi Fuchs vom Hotel Bernerhof oder der Bankier Ernst Brunner», wie Hofmann erzählt.

Erstmals am Fritschi-Umzug liefen sie, angeführt von Tambourmajor Sepp Ebinger, 1950, letztmals 1959 mit dem Sujet «Trotzdem zerscht Hallebad». Ebinger waltete als Tambourmajor bis 1971. Dann übernahm Urs Ulrich Bucher das Zepter bis 1993.

Aus Mitgliedern der ältesten Guuggenmusig sind nebst der «Chatzemusig» 1949 und ferner der «Bohème» 1950 auch die «Vikinger» 1960 entstanden. «LOG 4711» waren es auch, die den legendären Bassistenkongress am Rüüdig Samschtig im «Stadtkeller» ins Leben riefen. Hofmann: «Ursprünglich sollte das eine einmalige Sache sein für unser 50-Jahr-Jubiläum. Damals, 1997, kamen rund 60 Bassisten zum Treff, heute sind es oftmals über 120.» Die Auftritte der LOG sind bewusst rar gehalten: am Schmutzigen Donnerstag um 10.15 im Werchlaubegässli oder um 15 Uhr auf der Tribüne vor der Jesuitenkirche und am Güdismontag um 10 Uhr in der Münzgasse und eine Stunde später vor dem Hotel Restaurant Stern beim Franziskanerplatz.

In der «Luzerner Original Guggenmusig 4711» sind aktuell 30 Personen aktiv, davon auch fünf Teenager. Nachfolgesorgen kennen sie deshalb nicht. Als Tambourmajorin und musikalische Leiterin waltet Ursina Winkler.

Tambourmajor Urs Ulrich Bucher im Jahr 1970. (Bild: Archiv LOG 4711)

Tambourmajor Urs Ulrich Bucher im Jahr 1970. (Bild: Archiv LOG 4711)

1978 war die «Original Guggenmusig» unter dem Motto «Hundsjahre» auf Luzerns Gassen unterwegs. (Bild: Archiv LOG 4711)

1978 war die «Original Guggenmusig» unter dem Motto «Hundsjahre» auf Luzerns Gassen unterwegs. (Bild: Archiv LOG 4711)

Das Sujet 1959: «Hallenbad». (Bild: Archiv LOG 4711)

Das Sujet 1959: «Hallenbad». (Bild: Archiv LOG 4711)

Der Umzug 1966. (Bild: Archiv LOG 4711)

Der Umzug 1966. (Bild: Archiv LOG 4711)